Peter Dübbers klagt gegen die Bahn Foto: Moritz

Am Donnerstag wird das Landgericht die Klage von Peter Dübbers gegen die Bahn verhandeln.

Stuttgarter - Der Stuttgarter Architekt Peter Dübbers stellt sich der Deutschen Bahn in den Weg. Der Enkel des HauptbahnhofArchitekten Paul Bonatz will den für Stuttgart21 geplanten Teilabriss des Hauptbahnhofs vor Gericht verhindern. Ein lukratives Geldangebot der Bahn hat Dübbers ausgeschlagen.

Herr Dübbers, Sie haben die Deutsche Bahn verklagt. Warum?

Um den Tiefbahnhof von Stuttgart 21 zu bauen, will die Deutsche Bahn die beiden Seitenflügel des heutigen Hauptbahnhofs abbrechen. Ich möchte das verhindern und mache dabei das Urheberrecht geltend, das wir Nachkommen von unserem Großvater Paul Bonatz, dem Architekten des heutigen Bahnhofs, geerbt haben.

Was werfen Sie der Deutschen Bahn vor?

Ich werfe der Bahn die Verstümmelung des Gesamtbaukunstwerks Stuttgarter Hauptbahnhof vor. Ob ich mit dieser Rechtsauffassung richtigliege, will ich vom Landgericht als neutrale Instanz geklärt wissen.

Was wollen Sie mit Ihrer Klage erreichen?

Ich möchte den Teilabbruch des Bonatzbaus verhindern. Mir ist klar, dass die Urheberrechtsklage diesbezüglich nicht die schärfste Waffe ist. Das wäre die einstweilige Verfügung, mit der man eventuell einen Baustopp erreicht hätte. Auf diesen Schritt habe ich verzichtet, weil man mich, falls ich die Urheberrechtssache verlieren sollte, für den Zeitverzug beim Bau auf Schadenersatz verklagen würde. Dieses finanzielle Risiko kann ich als Privatperson nicht eingehen.

"Werde nicht Haus und Hof aufs Spiel setzen"

Woher wissen Sie um dieses Risiko?

Das Kostenrisiko einer einstweiligen Verfügung hat mir die Gegenseite dargestellt, in nüchterner, eher konzilianter Tonlage. Das ändert nichts daran, dass die Bahn in der Sache knallhart ist. Ich bin nicht bereit, dafür Haus und Hof aufs Spiel zu setzen.

Sind Sie Ihrem Berufskollegen Christoph Ingenhoven, der den Tiefbahnhof von Stuttgart 21 entworfen hat, persönlich begegnet?

Ich habe ihn während des Architektenwettbewerbs 1997 erstmals erlebt. In der Schlussrunde hatte sein Entwurf noch am meisten eingeleuchtet. Seine Mitbewerber hatten riesige Glaskästen entworfen, die den Schlossgarten noch viel mehr abgeriegelt hätten.

Gab es weitere Gespräche?

Es gab vier Versuche der Bahn, meine Einwände bezüglich des Urheberrechts außergerichtlich aus der Welt zu schaffen. Beim ersten Termin war Ingenhoven dabei.

Aus Ihrer Sicht: Kann man die Seitenflügel des Bonatzbaus erhalten - und zugleich den Tiefbahnhof von Ingenhoven bauen?

Wenn man strikt an der Schalendecke mit den Lichtaugen von Ingenhoven festhält, geht es nicht. Lichtaugen und Seitenflügel lassen sich nicht sinnvoll unter einen Hut bringen. Ich habe deshalb einen Kompromiss vorgeschlagen. Erst hat Ingenhoven vehement bestritten, dass das möglich ist. Später hat er eingeräumt, dass es technisch natürlich machbar wäre.

"Hohe Emotionalität irritiert mich"

Also doch Seitenflügel plus Tiefbahnhof?

Ja, wobei der Tiefbahnhof auf die technische Funktion beschränkt bliebe, indem er eine andere, flache Deckenkonstruktion erhält. Zwischen den Flügeln des Bonatzbaus könnte eine zehn Meter hohe, unterirdische Bahnhofshalle entstehen und oben ein 160 Meter breiter Platz, der die Bezeichnung Platz verdient. Unter den Flügeln und außerhalb würde die Höhe der Bahnhofshalle auf das Durchfahrtsmaß für Züge reduziert.

Kritiker und Gegner des Bahnprojekts haben jubiliert, als sie von Ihrer Klage erfahren haben. Sind Sie jetzt ein Hoffnungsträger des Stuttgart-21-Widerstands?

Ich habe mir die Rolle nicht ausgesucht, sie liegt mir nicht besonders.

Zumal Sie in den Reihen der Projektgegner nicht bloß Beifall auslösen...

... sondern auch auf Widerwillen stoßen. Das stimmt. Als ich vor einigen Hundert Projektgegnern erstmals den Kompromiss Seitenflügel plus Tiefbahnhof erwähnt habe, gab es sehr unwillige Zwischenrufe.

Stört Sie die hohe Emotionalität im Streit um Stuttgart 21?

Sie irritiert mich. Ich muss aber zugeben, dass ich den Frust mancher Projektgegner nachvollziehen kann. Die Leute wollen diskutieren - und die Bahn liefert nichts als platte Werbesprüche.

Warum Peter Dübbers ein lukratives Angebot der Bahn ausgeschlagen hat, lesen Sie in den Stuttgarter Nachrichten vom 20. April.

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