Die Tierrechtsorganisation Peta macht mit einer Plakat-Aktion gegen das neue Menschenaffenhaus der Stuttgarter Wilhelma mobil. Foto: Peta

Mit etwa 20 großformatigen Plakaten geht Peta derzeit gegen die Haltung und Zucht von Menschenaffen in der Stuttgarter Wilhelma vor. Der Stuttgarter Zoo sieht die Aktion gelassen und verweist auf sein Engagement für den Artenschutz.

Stuttgart - Dass die Stuttgarter wenige Tage vor der Bundestagswahl vielleicht einen Blick mehr für Plakatwerbung übrig haben, macht sich derzeit die Tierrechtsorganisation Peta zu nutze. Die Tierrechtler wollen bis Mittwoch insgesamt 21 großformatige Plakatwände mit ihrer Kampagne gegen die Haltung und Zucht von Menschenaffen in der Wilhelma vor allem in Stuttgart-Bad Cannstatt und in Stuttgart-Ost aufstellen.

Karin Herczog, Pressesprecherin der Wilhelma, sieht die Aktion unaufgeregt. "Wir kennen die Aktionen und die Einstellung von Peta, die grundsätzlich gegen Zoohaltung ist, kommentieren diese jedoch nicht. Jeder soll sich seine eigene Meinung bilden können", so Herczog. "Es freut uns jedenfalls, dass Peta unser Plakat so gut gefällt, dass sie es gleich kopiert haben", so Herczog weiter.

"Wir sehen uns. Im neuen Affenhaus. Meinem Gefängnis"

Was zunächst - wenige Tage vor dem Wilhelma-Tag am kommenden Sonntag - wie eine Wilhelma-Werbung für das neue Affenhaus wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als provokante Aktion gegen den Import und die Nachzucht der Tiere in Gefangenschaft. Das Plakat zeigt neben dem Schriftzug "Wir sehen uns. Im neuen Affenhaus. Meinem Gefängnis" einen traurig dreinblickenden Bonobo. Die Plakate, deren Motiv an eine Eigenwerbung der schwäbischen Alhambra für den Wilhelma-Tag am 15. September erinnert, hängen laut Peta unter anderem in der Neckartalstraße, der Maybach- und der Daimlerstraße sowie am Möhringer Bahnhof. Laut Diplom-Zoologe Peter Höffken von Peta habe man bereits positive Resonanz auf die Aktion erhalten.

Haltung von Menschenaffen im Zoo sei ethisch falsch

"Menschenaffen fühlen und leiden wie Menschen", sagt Höffken. Trotz des millionenteuren neuen Menschenaffenhauses sei "in der Wilhelma eine artegerechte Haltung nicht annähernd möglich", so der Wildtierexperte bei Peta Deutschland weiter. Man habe sich bei Peta bewusst für die Aktion gegen die Wilhelma entschieden, da bei den Besuchern dank des neuen Affenhauses der Eindruck entstünde, die Haltung der Gorillas und Bonobos dort sei artgerecht.

Diesen Vorwurf will die Wilhelma so nicht stehen lassen und verweist auf ihre Informationspolitik im und um das neue Haus: "Wir haben auf einer unserer insgesamt rund 30 Informationstafeln im und ums Menschenaffenhaus - auf denen wir ausführlich über Gorillas und Bonobos, ihr Leben und ihren Alltag im Zoo, aber auch über ihr Leben und ihre Situation in Afrika, ihre Bedrohung dort und die schwere Arbeit der Ranger im Kampf gegen Wilderer informieren – auch ein kurzes Statement integriert. Dieses zeigt zumindest deutlich, dass es auch beim Thema Menschenaffenhaltung keine einfachen, nur schwarzen oder nur weißen Antworten geben kann", erklärt Herczog.

Wilhelma sammelt 2012 26.000 Euro für den Artenschutz

Der Peta-Experte Höffken sieht die Wilhelma jedoch "meilenweit von einer artgerechten Bonobohaltung entfernt". Die Aktion solle die Menschen aufrütteln angesichts der Tatsache, dass eine Bonobogruppe in Freiheit ein etwa 16.000 Mal so großes Gebiet in Anspruch nehme als den Tieren im Außengehege des Vorzeigebaus zur Verfügung stünde. Würde auf die Nachzucht und den Import der Menschenaffen verzichtet, könne man das Geld in den Schutz der natürlichen Lebensräume der Tiere stecken.

Was das Sammeln von Spendengelder für den Artenschutz vor Ort angeht, muss sich die Wilhelma in den Augen von Karin Herczog nicht verstecken. "Für die Wilhelma können wir sagen, dass wir allein 2012 rund 10.000 Euro für die Gorillas und Ranger im Virunga-Nationalpark gesammelt und ihnen übermittelt haben, um sie vor Ort beim Schutz der Menschenaffen zu unterstützen, über 16.000 Euro gingen zudem an die Berggorilla- und Regenwald Direkthilfe. Und wir sammeln bei jeder Gelegenheit weiter, die Tendenz im neuen Haus ist deutlich steigend."

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