Mit fließendem Wasser lassen sich manche Keime und Pestizide beseitigen Foto: Fotolia

Drei Kilo Erdbeeren isst jeder Deutsche pro Jahr. Und das, obwohl ihr Ruf bei Pestizid- und Keimbelastung nicht der beste ist. Zumindest bei deutschen Früchten ist die Angst unbegründet.

Drei Kilo Erdbeeren isst jeder Deutsche pro Jahr. Und das, obwohl ihr Ruf bei Pestizid- und Keimbelastung nicht der beste ist. Georg Schreiber vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erklärt, bei welchen Produkten Verbraucher ohne Bedenken zugreifen können.
 
Stuttgart - Herr Schreiber, sind Erdbeeren oft mit ­Pestiziden belastet?
Die amtliche Lebensmittel-Überwachung hat 2012 über 500 Erdbeerproben aus Deutschland untersucht. In keiner einzigen Probe wurde eine Überschreitung der Höchstwerte gefunden.
Gibt es neuere Zahlen?
Nein, die Zahlen für das gesamte Jahr 2013 sind gerade in der Auswertung. Aber die Situation ist seit ein paar Jahren relativ stabil, so dass wir auch für 2013 ähnlich positive Ergebnisse erwarten.
Wie sieht es bei Erdbeeren aus, die nicht aus Deutschland kommen?
Bei Erdbeeren aus EU-Staaten, vor allem Spanien, Italien, Griechenland, finden wir zwar Überschreitungen des Grenzwerts, aber nur bei weniger als einem Prozent der Proben. Deutlich mehr Überschreitungen gibt es bei Erdbeeren aus Nicht-EU-Staaten. Hier haben die Lebensmittelüberwachungsbehörden bei 2,5 Prozent der Proben haben zu hohe Werte festgestellt.
Trotz dieser positiven Zahlen haben Erdbeeren einen schlechten Ruf was die Pestizid-Verunreinigung angeht. Woran liegt das?
Bis vor fünf Jahren war die Situation auch noch schlechter. Es gab damals noch keine harmonisierte Gesetzgebung in der EU. Das hieß: In Spanien durften andere Pflanzenschutzmittel und andere Höchstmengen verwendet werden als in Deutschland. Gleichzeitig gab es schon den Binnenmarkt, also keine Kontrollen mehr an den Grenzen. So kamen Erdbeeren mit Pflanzenschutzmitteln nach Deutschland, die in Spanien ­erlaubt waren, bei uns aber nicht.
Was hat sich seitdem geändert?
Mittlerweile haben wir in allen EU-Staaten die gleichen gesetzlichen Höchstmengen Zusätzlich hatten die Nicht-Regierungsorganisationen einen großen Einfluss, weil sie eigene Untersuchungen gemacht haben. Wenn es zu Überschreitungen der Grenzwerte kam, haben sie für Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Dadurch wurde sehr viel Druck auf die Erzeuger, den Handel und ­Behörden ausgeübt. Das hat gewirkt.
Wie viel Prozent der Erdbeeren im Handel werden kontrolliert?
Jede Charge – also immer die Erdbeeren, die unter gleichen Bedingungen hergestellt und verpackt wurden – zu kontrollieren, wäre weder sinnvoll noch bezahlbar. Die Bundesländer machen Stichproben. Sie kontrollieren dort häufiger, wo es schon öfter Probleme gab. Das reicht, um die Lebensmittelsicherheit auf hohem Niveau zu halten. Zusätzlich führen auch die Erzeuger und der Handel Kontrollen durch, um sicher zustellen, dass die Grenzwerte eingehalten und Negativschlagzeilen vermieden werden.
Trotzdem kommt es immer wieder zu negativen Zwischenfällen. Verseuchte Erdbeeren aus China haben 2012 eine Brechdurchfall-Epidemie ausgelöst. Wie konnte das passieren?
Weder die Behörden noch Erzeuger und Handel können mit den Kontrollen jedes Risiko ausschließen. Verursacher der Epidemie im Jahr 2012 waren Noroviren. Die Behörden haben nach dem Fund auch intensiver kontrolliert.
Kann man aus dem Fall generelle Schlüsse ziehen oder dem Verbraucher Tipps geben?
Solche Hygiene-Probleme gibt es gelegentlich bei Obst- und Gemüse aus Ländern, die geringere Hygienestandards haben als Deutschland. Zusätzlich ist es für Erzeuger in heißeren, südlicheren Ländern schwieriger, Zugang zu sauberen, mikrobiell unbelasteten Wasser zu bekommen. Das erschwert die hygienischen Bedingungen.
Ein Vorteil von deutschen Erdbeeren?
Ja, wir haben sauberes Wasser zur Bewässerung und generell in der Erzeugung sehr ­gute hygienische Bedingungen.
Kann man durch Waschen mit Wasser Keime entfernen?
Wir empfehlen, Obst und Gemüse immer zu waschen. Einige Viren, wie Noroviren lassen sich allerdings kaum abwaschen. Gegen sie hilft nur kochen. Aber wie gesagt, bei deutschen und europäischen Produkten sind Noroviren nicht das Problem.
Hilft Wasser auch gegen Pestizid-Rückstände?
Einige Wirkstoffe sind wasserlöslich. Deren Rückstände können also durch Waschen reduziert werden. Grundsätzlich aber gilt: Die Grenzwerte für die Rückstände sind so festgesetzt, dass sie bei den meisten Pflanzenschutzmitteln um das 100-fache überschritten werden müssten, um potenziell gesundheitsschädlich zu sein.
Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn man zu viele Pestizide isst?
Es gibt Hunderte Wirkstoffe – von nicht gesundheitsschädlich bis krebserregend. Krebserregend kann ein Wirkstoff aber nur sein, wenn man ihn über lange Zeit in höheren Mengen zu sich nehmen würde. Das ist unwahrscheinlich. Denn erstens dürfen keine Pflanzenschutzmittel in Mengen verwendet werden, die Gesundheitsgefahren verursachen. Und zweitens kauft man immer wieder unterschiedliche Sorten von unterschiedlichen Erzeugern mit unterschiedlichen Rückständen. Die Verbraucher müssen sich also keine Sorgen machen, durch Obst und Gemüse ihre Gesundheit zu schädigen.
Wer sicher gehen will, kauft Bio-Erdbeeren. Diese haben gar keine Rückstände, oder?
Doch, auch dort gibt es Rückstände. Aber die Werte sind noch viel geringer als bei Obst aus konventionellem Anbau.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: