Von beinahe allen Kommunen im Kreis Böblingen aus lässt sich innerhalb von weniger als sieben Kilometern das nächste Freibad erreichen. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen, dass das so bleibt, meint unsere Autorin.
Blauer Himmel, Temperaturen über 30 Grad – was gibt es Schöneres, als solche Tage im Freibad zu verbringen? Den Daheimgebliebenen, die nicht in den Urlaub können, bieten Freibäder eine kleine Auszeit. Und: Sie sind ein wichtiger Ort, um Schwimmen zu lernen. Doch das, was viele Jahre als Selbstverständlichkeit hingenommen wurde, scheint in Gefahr zu sein. Viele Freibäder in der Region kämpfen.
Jüngst prophezeite Hildegard Wieland, stellvertretende Kämmerin von Gärtringen, ein Bädersterben, ähnliche Befürchtungen äußerte Edgar Koslowski, Vorsitzender des Landesverbands deutscher Schwimmmeister. Nun ist es nicht so, dass im Kreis konkrete Pläne bekannt wären, Bäder zu schließen. Im Gespräch mit Verantwortlichen entsteht vielmehr der Eindruck, dass einiges getan wird, um die Situation zu verbessern. Die Kommunen nehmen dafür auch Geld in die Hand. Nicht zuletzt Gärtringen hat eben erst sein Bad saniert, ebenso Hildrizhausen. Trotzdem: Leiden Kommunen unter finanzieller Not, könnten sie schnell bei Freibädern den Rotstift ansetzen.
Mögliche Gründe für den Mangel
Tatsache ist: Der allgemeine Fachkräftemangel schlägt auch hier zu. Die Liste der Bäder, die wegen Personalausfällen und Personalmangel generell ihre Öffnungszeiten einschränken müssen, scheint immer länger zu werden. Holzgerlingen und Gärtringen beispielsweise betrifft es diese Saison dauerhaft, andere wie Herrenberg an diesem Wochenende nur kurzzeitig.
Bademeisterinnen und Bademeister lassen sich nicht einfach aus dem Hut zaubern, ebenso wenig Aufsichtspersonal, das zum Rettungsschwimmer ausgebildet sein muss. Ob der Mangel daran liegt, dass die Anforderungen gestiegen sind, wie Sindelfingen vermutet? Die Stadt meint, dass die „körperlichen, technischen und sozialen Ansprüchen an das Fachpersonal“ jährlich zunehmen würden.
Koslowski wiederum sieht einen Grund in der vergleichsweise schlechten Bezahlung. Ein weiterer: Strengere Arbeitsrichtlinien dienten zwar der Sicherheit, aber ließen den Personalbedarf steigen und verschärften so die Situation zusätzlich. Hinzu kommen aus seiner Sicht ebenfalls gestiegene Ansprüche – an die Bäder, die immer mehr Attraktionen bieten müssten, dementsprechend aber auch aufwendiger zu warten und zu beaufsichtigen seien.
Freibäder sind eine Errungenschaft
Die Personalnot betrifft offenbar nicht nur die Fachangestellten und Aushilfen, sondern auch die Ehrenamtlichen. Bei der DLRG, die an Feiertagen und Wochenenden Dienst in den Freibädern schiebt und wichtige Unterstützung leistet, scheint es ebenfalls schwieriger zu werden, Freiwillige zu finden.
Was also tun? Bürger könnten sich zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen, Holzgerlingen macht das beispielsweise mit städtischen Mitarbeitern, um sie als Aufsicht einzusetzen. Andere Bäder, wie Böblingen, haben eine Securityfirma dazu geholt. Dann muss nicht mehr allein der Bademeister für Ordnung sorgen. Ein Blick über den Kreis hinaus zeigt, dass erste Bäder Künstliche Intelligenz nutzen, um die Becken zu überwachen. Die KI soll helfen, Notsituationen schneller zu erkennen und vor allem an belebten Tagen nicht den Überblick zu verlieren. Vielleicht auch in Freibädern möglich? Und mehr Gehalt, wie es Koslowski fordert, wäre sicher ein weiterer Baustein, mehr Menschen für den Beruf zu begeistern.
Sich Gedanken zu machen, lohnt in jedem Fall. Denn öffentliche Bäder – die von fast überall im Kreis Böblingen innerhalb weniger Kilometer erreichbar sind –, sind eben keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Errungenschaft, für die es sich zu kämpfen lohnt. Damit es für jeden selbstverständlich bleibt, im Sommer ins Freibad zu gehen.