Fast täglich müssen Betreuungszeiten in den Kitas angepasst werden. Überall fehlt Personal. Foto: Stefanie Schlecht

Die Böblinger Verwaltung schlägt vor, die Betreuungszeiten in den Kitas auf acht Stunden zu reduzieren. Die endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat im Mai.

Die Stadt Böblingen will die Öffnungszeit in allen Kitas auf acht Stunden herunterschrauben. Daraus verspricht sich die Verwaltung eine höhere Verlässlichkeit in der Betreuung und eine entspanntere Personalsituation. Auch Aufnahmestopps sollen dadurch vermieden werden. Die Maßnahme soll zunächst bis August 2025 gelten. Der Böblinger Verwaltungs- und Kulturausschuss hat den Vorschlag der Verwaltung in seiner Sitzung am Dienstag einstimmig abgenickt. Die endgültige Entscheidung wird Mitte Mai im Gemeinderat fallen.

 

Reduzierungen der Öffnungszeiten sind für viele Eltern nichts Neues mehr: Fast täglich müssen mittlerweile die Betreuungsangebote wegen fehlenden Personals angepasst werden. Vier von 27 Einrichtungen in Böblingen bieten momentan noch die Möglichkeit an, Kinder neun oder zehn Stunden aufzunehmen. Nach dem Vorschlag der Verwaltung aber wohl nicht mehr lange. „Wir sind eine Stadt, die jungen Familien einen Platz bieten will“, sagte Oberbürgermeister Stefan Belz in der Sitzung. Dieser Verpflichtung könne die Kommune allerdings aufgrund des Fachkräftemangels nicht mehr in gewohntem Ausmaße nachkommen.

50 Personalstellen sind momentan unbesetzt

Die Herausforderungen, vor der die Branche steht, sind enorm. In Böblingen sind allein 50 Personalstellen offen, pro Woche laufen rund 50 Beschwerdemails ein und rund 25 Anrufe über die Hotline. Dem Landkreis Böblingen liegen mittlerweile elf Klagen vor, immer wieder fallen Zwangsgelder in Höhe von mehreren tausend Euro an, weil keine Betreuungsplätze angeboten werden können.

Doch selbst durch die Reduzierung der Öffnungszeiten werden keine Wunder geschehen: Die offenen Stellen werden zwar von 50 auf rund 34 verringert, doch es werde lediglich eine weitere Eskalation der Situation abgefangen, heißt es in der Vorlage. „Dadurch können wir Aufnahmestopps und Teilschließungen vermeiden, aber die Zahl der Aufnahmen wird nicht plötzlich in die Höhe schnellen“, fing Marliese Mayer, Leiterin der Abteilung Kindertagesbetreuung, die Erwartungen in der Sitzung ein. Die Maßnahme würde das Problem nicht lösen, lediglich temporär zu einer Verbesserung führen. Leicht gemacht hat sich die Verwaltung die Entscheidung trotzdem nicht.

Eine Härtefallregelung beinhaltet der Entwurf der Verwaltung bis jetzt noch nicht: Denn was sollen beispielsweise alleinerziehende Eltern tun, die arbeiten und daher auf längere Betreuungszeiten angewiesen sind? Sowohl Tülay Sanmaz (Grüne) als auch Ingrid Stauss (Freie Wähler) hakten zu diesem Punkt nach. Sowohl Sozialamtsleiter Klaus Feistauer als auch Marliese Mayer baten dabei noch um Geduld: Die Härtefallgruppen seien nicht vergessen, bedürften allerdings intensiver Planung. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Wo sollen die Gruppen eingerichtet werden? Vor der Sommerpause würden diese Fragen im Zuge der Bedarfsplanung geklärt werden.

Maßnahme löst die Probleme nicht, soll aber die Lage entspannen

Außerdem will die Verwaltung prüfen, ob in der Kita im Ricarda-Huch-Weg statt einer U3- eine Ü3-Gruppe etabliert werden kann: Dadurch könnten mehr Kinder einen Betreuungsplatz bekommen.

Die Böblinger Verwaltung verspricht sich durch die Reduzierung der Öffnungszeiten eine Entspannung der Lage, doch von Entwarnung ist keine Rede: Wenn sich der Fachkräftemangel weiter verschärft, müsse auch in Zukunft über weitere Einschränkungen nachgedacht werden.