Die Retter kommen mit den Einsätzen kaum noch hinterher – doch das nötige Personal fehlt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Rettungsdienst fährt am Limit und die Politik bemerkt es nicht, kommentiert Jürgen Bock. Das Schlimme ist, dass sich die Lücken kaum kurzfristig schließen lassen. 

Stuttgart - In Göppingen lobt das DRK 1000 Euro für neue Mitarbeiter aus. In Karlsruhe ist eine Diskussion entbrannt, wie der Rettungsdienst angesichts fehlender Leute noch gesetzeskonform fahren kann. Die großen Hilfsorganisationen versuchen sicherzustellen, dass sie sich nicht gegenseitig die Mitarbeiter abwerben. Die Einsatzzahlen steigen pausenlos. Die gesetzlich vorgegebenen Eintreffzeiten werden fast nirgendwo eingehalten. Edmund Baur, der Landesbeauftragte der Malteser, prophezeit, die Notfallversorgung der Bürger werde sich „dramatisch verschlechtern“, wenn nicht schnell Abhilfe geschaffen werde. Im Rettungsdienst fehlt es hinten und vorn – und ganz besonders am Personal.

Und was tut die Politik? Nichts. Zumindest nicht in Berlin, wo man sich das Notfallsanitätergesetz ausgedacht hat. Es ist gut gemeint, aber dass durch die neue Ausbildung ein ganzer Jahrgang ausfällt, hatte man offenbar nicht so recht auf dem Schirm. Weil auch die Finanzierung lange nicht geklärt war, haben sich die Kandidaten so zurückgehalten, dass auch ein zweites Jahr kaum neue Leute bringt. Die Hilfsorganisationen haben dabei sicher auch geschlafen, aber was jetzt aus dem Bundesgesundheitsministerium verlautet, lässt auf ein Wachkoma der Zuständigen schließen: Ein Personalmangel im Rettungsdienst des Landes sei nicht bekannt. Im Landesinnenministerium räumt man das Problem immerhin ein – und will irgendwie helfen.

Das Schlimme ist, dass sich die Lücken kaum kurzfristig schließen lassen. Die neue Ausbildung dauert drei Jahre. Wer dem Rettungsdienst jetzt noch nicht zur Verfügung steht, fehlt einfach. Also werden die gegenseitigen Abwerbeversuche, die Kopfprämien und die Alarmmeldungen wohl weiter zunehmen.

juergen.bock@stuttgarter-nachrichten.de

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