Für die Betreuung von Krippen-Kindern gibt es in der Ausbildung bisher in den ersten beiden Jahren kein Gehalt. Nun reagiert die Stadt. Foto: dpa/Georg Wendt

Rund 260 Stellen für Kinderpflege und Erziehung in städtischen Kitas sind nicht besetzt. Stuttgart beteiligt sich nun an einem Versuch und zahlt angehenden Kinderpflegern ein Gehalt.

Stuttgart - Vom Herbst an können angehende Kinderpflegerinnen in Stuttgart an der Hedwig-Dohm-Schule ihre Ausbildung in praxisintegrierter Form (Pia) machen – und damit vom ersten Tag an Geld verdienen. Drei Jahre lang besuchen sie wöchentlich zwei Mal ihre Kita, drei Mal die Schule. Die Stadt zahlt eine Ausbildungsvergütung in Anlehnung an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst/Pflege.

Laut Jugendamt sind das im ersten Jahr 1100,31 Euro, im zweiten Jahr 1159,52 Euro und im dritten Jahr 1257,24 Euro, jeweils brutto. Beim bisherigen Ausbildungsgang verdienen Kinderpflegerinnen erst im dritten Jahr, dem Anerkennungsjahr, Geld, und müssen oftmals noch selbst für Schulgeld aufkommen.

Neue Ideen im Kampf gegen den Personalmangel

Der Schulversuch startet in Stuttgart mit zunächst einer Schulklasse mit 15 Azubis aus städtischen Kindertageseinrichtungen. Der Grund für die Beteiligung an dem Schulversuch liegt laut der Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer, (FDP), klar auf der Hand: „Wir haben einen Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung. Deshalb bieten wir nun auch Pia-Plätze für Kinderpflegerinnen und –pfleger an.“

In den Kindertageseinrichtungen des Jugendamts sind derzeit rund 260 Kinderpflege- und Erzieherstellen in Voll- und Teilzeit nicht besetzt. Von den derzeit 2400 Angestellten sind rund 450 gelernte Kinderpflegerinnen. „Die Ausbildungsplätze sind zügig besetzt worden, gerade weil auch Bewerber angesprochen wurden, die die Voraussetzungen für die Pia-Erzieherausbildung nicht erfüllt haben und denen somit ein anderer Weg eröffnet wurde“, sagt die Jugendamtsleiterin Susanne Heynen. Dafür geworben habe man auf der Homepage, in sozialen Kanälen, Zeitschriften und im Internet.

Erfolgsmodell bei Erzieherinnen

Die Zielgruppe seien neben Hauptschulabsolventen auch Realschüler sowie Inhaber eines ausländischen, in Deutschland anerkannten Abschlusses einer Haupt- oder Realschule und einem entsprechenden Sprachniveau. „Die Erfahrungen der Pia-Ausbildung für Erzieher zeigen, dass diese Form grundsätzlich auch für Quereinsteiger interessant, zumindest interessanter, ist“, so das Jugendamt.

Die Ausbildungsvergütung, die für Erzieherinnen bereits im Schuljahr 2012/13 eingeführt worden ist, war von Anfang an erfolgreich. 83 Bewerber ergatterten damals einen praxisintegrierten Ausbildungsplatz, die Hälfte davon mit Abitur. Seitdem hat die Stadt die Zahl der Pia-Ausbildungsplätze auf mittlerweile 305 erhöht. Auch zahlreiche Quereinsteiger habe man für die entlohnte Ausbildung gewinnen können.

Land ließ lang auf Unterstützung warten

Das Land Baden-Württemberg hat einige Jahre gebraucht, bevor es die Kommunen bei der Finanzierung der Ausbildungsvergütung unterstützt hat. Erst im Rahmen des Pakts für gute Bildung und Betreuung erließ die Landesregierung eine Verwaltungsvorschrift, die ab dem Schuljahr 2019/2020 die Gewährung einer Ausbildungspauschale für die praxisintegrierte Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern vorsah. Vergeben wurde sie nur, wenn die Träger ihre Ausbildungskapazität im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 25 Prozent erhöht haben. Ob das Land auch die Pia-Ausbildung von Kinderpflegefachkräften fördert, ist bei der Stadt Stuttgart noch nicht bekannt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: