Der frühere Daimler-Manager Xiuzhan Zhu ist neuer Chef von Borgward. Foto: Borgward

Beim Neustart des Autobauers Borgward läuft es nicht so richtig rund. Nach wenigen Monaten wechselt schon wieder der Chef.

Stuttgart - Wenige Monate nach dem letzten Wechsel an der Spitze gibt es beim Autobauer Borgward bereits wieder einen neuen Chef. Der Vorstandsvorsitzende Philip Koehn habe sein Amt niedergelegt, zu seinem Nachfolger habe der Aufsichtsrat schon mit Wirkung vom 6. November Xiuzhan Zhu bestimmt. Dies teilte das Stuttgarter Unternehmen am Freitag mit.

Koehn hatte den Posten als Vorstandschef erst zum 1. Juli übernommen, kurz nachdem die wiederbelebte Marke ihren Marktstart in Deutschland angekündigt hatte. Aufgebaut wurde die einstige Kultmarke, die das Flaggschiff der jungen Pkw-Sparte des chinesischen Lastwagenherstellers Foton werden soll, vom ehemaligen Daimler-Manager Ulrich Walker. Der ­Abgang des ehemaligen Rolls-Royce-Managers Koehn erfolge aus „persönlichen Gründen“, ist in Stuttgart aus Unternehmenskreisen zu hören.

Der neue Chef begann seine berufliche Laufbahn bei Daimler

Der neue Vorstandschef Xiuzhan Zhu lebt den Angaben zufolge bereits seit rund 20 Jahren in Deutschland und ist seit dem Neustart der Borgward-Gruppe vor drei Jahren in Stuttgart an Bord. Der 50-Jährige hat in China und Deutschland einen MBA-Abschluss in Internationalem Industriemanagement gemacht, startete seine berufliche Laufbahn bei Daimler und arbeitete vor seinem Wechsel zu Borgward bei mehreren Autozulieferern.

Borgward war einst einer der bekanntesten Autohersteller Deutschlands. In den Wirtschaftswunderjahren war die Borgward Isabella der Traumwagen vieler Bundesbürger. Anfang der 1960er Jahre ging Borgward pleite.

Bei Borgward gibt es viele Baustellen

Der Neustart erfolgt indes alles andere als reibungslos. Noch gibt es viele Baustellen. In der Stuttgarter Lautenschlagerstraße will Borgward nach dem Vorbild des Showrooms von Tesla ein sogenanntes Markenzentrum aufbauen, wo man die Modelle begutachten kann. Die Eröffnung verzögert sich jedoch.

Im Juni hat das Unternehmen eine limitierte Auflage von einigen Hundert Exemplaren des Geländewagens BX 7 quasi als Vorgeschmack auf den Markt gebracht. Diese Autos seien alle verkauft, berichtete ein Unternehmenssprecher. Mittlerweile laufe der reguläre Verkauf, der bislang ausschließlich über das Internet läuft. Eigentlich wollte Borgward in Deutschland nur Wagen mit Elektromotor und Plug-in-Hybrid verkaufen. Die nun verkauften Wagen haben jedoch einen Benzinmotor.

Ursprünglich wollte Borgward die Autos auch über eine Internetplattform des Mietwagenriesen Sixt verkaufen. Diese Pläne sind jedoch offenbar nicht aufgegangen. Die Zusammenarbeit mit Sixt ­stehe nicht mehr im Fokus, so der Borgward-Sprecher.

Auch der Bau eines Montagewerks in Bremen, wo Borgward einst angesiedelt war, verzögert sich. Das Unternehmen begründet dies damit, dass die Genehmigung länger dauere als erwartet, weil Auslandsinvestitionen von chinesischen Unternehmen seit einiger Zeit von den Behörden in Peking genauer unter die Lupe genommen werden.

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