Eine Patientin wird im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart in einem Computertomographen untersucht Foto: dpa

Personalisierte Medizin ist das Schlagwort für die künftige Behandlung von Krebs. Die Chancen sind groß, doch der Weg ist weit.

Heidelberg - Lungenkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs: Es gibt viele Krebsarten, die ein festes Gewebe aufweisen, also solide Tumoren bilden. Hinzu kommt Blutkrebs, also Erkrankungen im blutbildenden System, bei dem einzelne entartete Zellen die Krankheit hervorrufen. In den vergangenen Jahren haben die Krebsforscher zudem immer mehr Belege dafür gesammelt, dass es auch innerhalb der einzelnen Krebsarten große Unterschiede gibt. Manche Tumoren wachsen aggressiver, andere langsamer, manche bilden Metastasen, andere nicht. Klar ist, dass sich das Erbgut in den Krebszellen gegenüber normalen Körperzellen verändert hat.

Aber was genau sich verändert hat und welche Folgen das hat, das ist die große Frage. Lars Zender, Medizinischer Direktor der internistischen Klinik für klinische Tumorbiologie an der Uniklinik Tübingen, bringt es auf den Punkt: „Die Krebsgenome von festen Tumoren sind komplex und heterogen.“ In jüngster Zeit sind die Forscher allerdings manchen Geheimnissen der Tumorbiologie auf die Spur gekommen – und haben daraus neue Ansätze für die Therapie entwickelt.

Immunzellen können den Tumor erfolgreich bekämpfen

Ein Beispiel sind die sogenannten Immun-Checkpoint-Hemmer. Mit diesen Medikamenten – sie enden auf -mab und haben Namen wie Avelumab oder Pembrolizumab – lassen sich gezielt Eiweiße ausschalten, die im Normalfall die Immunzellen bremsen. Werden die Immunzellen aber sozusagen von der Leine gelassen, können sie den Tumor im besten Fall erfolgreich bekämpfen.

Doch die Mediziner mussten auch die Grenzen der neuen Medikamente erkennen, etwa wenn sie gar nicht oder nur unzureichend ansprachen. Deshalb betont Zender auf dem Heidelberger Krebskongress auch, dass noch viele Fragen offen sind – und dass „neuartige therapeutische Strategien dringend gebraucht werden.“ Klar ist aber, dass die Zukunft der Krebstherapie in einer auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenen Bekämpfung seines individuellen Tumors liegt.

Dazu braucht man allerdings möglichst viele Informationen über die molekulare Beschaffenheit des individuellen Krebses. Und man muss mehr über die Krebsart insgesamt wissen, um so gute molekulare Angriffspunkte für eine neue Therapie zu finden.

Oft ist der Krebs nicht mehr vollständig heilbar

Dazu wurden in den vergangenen Jahren weltweit eine Reihe von Forschungsaktivitäten entfaltet. Einen wichtigen Beitrag dazu will das Heidelberger Zentrum für personalisierte Onkologie leisten (DKFZ-Hipo), das bereits 2011 ins Leben gerufen wurde. Dort werden in großem Stil Tumorgenome von verschiedenen Krebsarten analysiert. Bisher sind es mehr als 2000 Tumorgenome, wie der Molekulargenetiker Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichtet. Ein Schwerpunkt der Forschung ist, die personalisierte Therapie in den klinischen Alltag zu bringen und dabei auch zu dokumentieren, wie neuartige Therapien anschlagen – oder auch nicht.

Bereits heute lassen sich bei manchen Krebsarten – etwa bei Schwarzem Hautkrebs – bereits gute Erfolge erzielen. Die Heidelberger Krebsexperten betonen jedoch, dass neue Therapien häufig zunächst bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung eingesetzt werden. Oder bei Menschen mit seltenen Tumorerkrankungen. Oft kann dann der Krebs nicht mehr vollständig zurückgedrängt werden. Geforscht wird auch an der Frage, wie sich Immuntherapien untereinander oder mit Chemo- und Strahlentherapie kombinieren lassen, um den Krebs noch besser zu bekämpfen. Das Ziel ist dabei meist, die Erkrankung so lange wie möglich in Schach zu halten – und das bei möglichst guter Lebensqualität.

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