Das Waiblinger Familienunternehmen Stihl ist auf Erfolgskurs – nicht nur mit Motorsägen. Personalerin Juliane Brauer verrät, worauf es bei der Bewerbung ankommt.
Waiblingen - Der Motorsägen- und Gartengerätehersteller Stihl hat derzeit mehr als 100 offene Stellen. Bewerber sollten mitgestalten wollen und Innovationen vorantreiben, sagt Juliane Brauer, Abteilungsleiterin Recruiting und Employer Branding bei Stihl. Im Interview sagt sie, worauf es bei der Bewerbung ankommt und was Bewerber und Bewerberinnen bei Stihl erwartet.
Frau Brauer, Stihl ist ein technikgetriebenes, innovatives Unternehmen. Mit Motorsägen verbindet man aber eher Männer. Bekommen Sie auch viele Bewerbungen von Frauen?
Auf jeden Fall. Wir haben ja eine große Bandbreite an Berufsbildern und Produkten, letztere reichen von großen Motorsägen bis hin zu vielen handlichen Akkugeräten und smarten Robotermähern, die nicht nur Profis, sondern auch viele Privatanwender ansprechen. Der Anteil an Frauen bei Stihl ist in den letzten Jahren angestiegen, auch in Führungspositionen. Eine Karriere bei Stihl ist ausschließlich eine Frage von Leistung, Können und Potenzial. Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle, Chancengleichheit wird bei Stihl gelebt. Auch im Vorstand: Anke Kleinschmit leitet das Vorstandsressort Forschung und Entwicklung. Zwei weitere Frauen werden zudem 2023 in den Vorstand einziehen.
Welche Qualifikationen sind bei Stihl besonders gefragt?
Derzeit haben wir im Bereich Forschung und Entwicklung viele interessante Stellenangebote. Wir beschäftigen uns aktuell intensiv mit Zukunftstechnologien, wodurch sich vielfältige Perspektiven und Jobs ergeben – etwa in der Entwicklung von Akku und Elektronik, in den Bereichen Digitalisierung, Software und Robotik, aber auch im E-Commerce. Es geht letztlich darum, dass wir unser Geschäftsmodell weiterentwickeln und unsere Produkte immer digitaler, smarter und vernetzter werden. Wer sich in dem Themenumfeld gut auskennt, auf den warten spannende Entwicklungsaufgaben, faszinierende Produkte und flexible Karrierewege.
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Wie aussichtsreich sind Initiativbewerbungen?
Offene Stellen, die wir aktuell zu besetzen haben, schreiben wir aus. Wenn da für einen Kandidaten nichts dabei ist, ist eine Initiativbewerbung definitiv der richtige Weg. Es kann ja sein, dass die nächste spannende Stelle schon in Vorbereitung und in Kürze online ist oder dass jemand für eine andere Position in Frage kommt, die er oder sie gar nicht entdeckt oder für sich selbst auf den ersten Blick nicht als passend eingestuft hat.
Wie schafft man es ins Bewerbungsgespräch, sind vor allem Noten und Studienabschlüsse ausschlaggebend oder das Bewerbungsschreiben und der Lebenslauf?
Es gibt keine pauschale Antwort. Wichtig ist, dass die Kenntnisse und Erfahrungen des Bewerbers oder der Bewerberin zur ausgeschriebenen Stelle passen. Das ist aber je nach Qualifikation und Stelle unterschiedlich und hängt auch davon ab, wie viel Erfahrung ein Bewerber mitbringt. Bei einem Schüler sind Noten und Schulzeugnisse eventuell relevanter als bei jemandem mit 20 Jahren Berufserfahrung.
Was macht ein Bewerbungsschreiben für Sie interessant?
Wenn ich schnell erkenne, was die Motivation des Bewerbers ist und welche seiner Erfahrungen und Kenntnisse auf das Anforderungsprofil der Stelle passen.
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Worauf achten Sie im Bewerbungsgespräch?
Ganz wichtig ist eine angenehme Gesprächsatmosphäre. Wir führen Gespräche auf Augenhöhe und wollen gemeinsam herausfinden, ob die gegenseitigen Vorstellungen zusammenpassen. Nicht nur wir bei Stihl haben Erwartungen an die Kandidaten, sondern auch umgekehrt. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Anforderungen und den beruflichen Alltag der Menschen bei Stihl so gut wie möglich beschreiben und dann gemeinsam schauen, ob es zu den Erwartungen und beruflichen Erfahrungen des Kandidaten passt.
Welche Fragen stellen Sie zum Beispiel?
Wir sind an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert und stellen durchaus Fragen, bei denen wir mal gemeinsam in die Zukunft blicken. Wir wollen herausfinden, was ist für den Kandidaten in Zukunft relevant? Was will er mit dem Wechsel erreichen? Welche Rahmenbedingungen zählen, dass er nicht nur beim Jobwechsel, sondern auch ein Jahr später sagen kann: „Das war eine gute Entscheidung zu Stihl zu wechseln.“ Wir interessieren uns für Menschen, die Innovationen vorantreiben. Das heißt, wir fragen zum Beispiel: Welche Trends erwarten Sie in Ihrem Aufgabengebiet? Welche Entwicklungen stehen an? Was sind wichtige strategische Weichenstellungen? Wir schauen natürlich auch in die Vergangenheit. Das sind dann Fragen zu bisherigen Erfahrungen. Wir lassen uns Beispiele geben zu relevanten Aufgaben und Projekten, die ein Kandidat bearbeitet hat. Wir versuchen nachzuvollziehen, wie er sich da eingebracht oder Themen vorangebracht hat. Daraus ergeben sich die individuellen Stärken, ohne dass wir platt danach fragen.
Was sollten Bewerber und Bewerberinnen tunlichst vermeiden?
Da habe ich keine pauschale Antwort parat. Entscheidend ist, dass Bewerber und Bewerberinnen authentisch sind. Ich empfehle, dass man sich zeigt, wie man ist und sich nicht verstellt, denn mit der Wahl eines Jobs gestaltet man die eigene Zukunft. Es hilft schließlich im Berufsleben, wenn man für seine Aufgaben brennt, gut mit anderen zusammenarbeiten kann und sich bei der Arbeit wohlfühlt.
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Was sollten Kandidaten außer der fachlichen Qualifikation mitbringen?
Wir suchen Menschen, die von Anfang an mitgestalten wollen, die neue Ideen einbringen, neue Ansätze verfolgen, die mutig sind, ausgetretene Pfade zu verlassen und Innovationen vorantreiben. Wir suchen Teamplayer, die für ihre Ideen brennen, Verantwortung übernehmen und persönlich weiterwachsen möchten.
In welchem Ausmaß werden Stellen für Fach- und Führungskräfte nicht intern, sondern mit externen Bewerbern besetzt?
Wir können einen großen Teil der Führungspositionen aus dem Kreis der eigenen Mitarbeiter besetzen und fördern dies auch. Es gibt Qualifizierungsprogramme, die Mitarbeiter vorbereiten, Führungspositionen zu übernehmen. Gleichzeitig verstärken wir uns gerade in den Zukunftstechnologien auch mit Führungskräften von extern, die ihre Erfahrungen in diesen innovativen Themengebieten einbringen können.
Wie bereiten sich Bewerber am besten aufs Gespräch vor?
Üblicherweise sind Kandidaten sehr gut vorbereitet und haben sich im Internet und auf unseren Karriereseiten über das Unternehmen informiert. Wichtiger ist, dass sich Bewerber für das Bewerbungsgespräch dahingehend vorbereiten, dass sie ihre relevanten Erfahrungen, die für die Stelle wichtig sind, auf den Punkt bringen können. Sie sollten Informationen, die ihnen wichtig sind, auch an uns adressieren können. Ein Bewerber sollte nicht nur mir, sondern auch dem Fachbereich erklären können, warum er für die Stelle geeignet ist und wie er sich da einbringen kann.
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Womit können Bewerber besonders punkten – zählen Hobbys dazu?
Das ist individuell und auch von der Stelle abhängig. Wenn jemand eine internationale Aufgabe übernimmt, ist es hilfreich, wenn er internationale Erfahrung gesammelt, Sprachkompetenz und interkulturelle Kompetenz hat. Wenn sich etwa ein Schüler für eine elektrotechnische Ausbildung bewirbt, passt es natürlich, wenn er beispielsweise erzählen kann, dass er zuhause die Technik vernetzt hat und deshalb das Licht automatisch angeht. In dem Fall ist das eine relevante Information, die zum Erfolg bei der Stelle beitragen könnte, weil wir persönliche Interessen und individuelle Stärken erkennen. Generell spielen aber Hobbys oder Freizeitinteressen keine entscheidende Rolle, sind aber durchaus Bestandteil von Bewerbungsgesprächen, weil wir ja auch die Person kennenlernen möchten, die uns gegenübersitzt.
Also muss man nicht absoluter Fan von Timbersports (Wettbewerb von Sportholzfällern) sein, um bei Stihl zu arbeiten?
Nein, aber spätestens wenn man ein Teil des Unternehmens ist, wird man das fast von allein. Zumindest ging das mir so. (Lacht.)
Wie wichtig sind Ihnen Gegenfragen?
Super wichtig. Ich habe ja gesagt wir wollen einen Dialog auf Augenhöhe und ein möglichst umfassendes realistisches Bild – für beide Seiten, also für den Bewerber und für Stihl. Das ist ganz maßgeblich für den Erfolg. Für den künftigen Mitarbeiter muss klar sein, worauf er sich einstellen muss und welche Herausforderungen es gibt. Und wir wollen wissen, welche Aspekte für den Bewerber wichtig sind und ob die Aufgabe zu ihm passt.
Wie gehen Sie mit Fragen nach Karriere und Bezahlung um? Kann grundsätzlich jeder Beschäftigte aufsteigen?
Definitiv. Als Arbeitgeber bietet Stihl langfristige Perspektiven mit vielfältigen Angeboten zur beruflichen Entwicklung. Wer eine Führungsposition anstrebt und geeignet ist, den unterstützen wir bei der Karriere. Stihl bietet auch fachliche Weiterqualifizierungen an. Lernen und Weiterentwicklung haben bei Stihl von jeher einen hohen Stellenwert. Wir sind der Überzeugung, dass wir nur so auch zukünftig innovative Ideen und Produkte entwickeln, mit denen wir unseren weltweiten Vorsprung dauerhaft ausbauen.
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Work-Life-Balance ist für viele junge Leute ein wichtiges Thema, spielt das in den Bewerbungsgesprächen eine Rolle. Und was bietet Stihl?
Der Wunsch nach einer Work-Life-Balance ist mittlerweile Alltag und betrifft Menschen in jeder Lebenslage. Ein ausgewogener Mix zwischen Berufs- und Privatleben ist wichtig. Dafür haben wir beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, Möglichkeiten für Homeoffice und Homeworking, und damit auch eine gewisse Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsorts, sodass man auf individuelle Situationen reagieren kann.
In bestimmten Bereichen wie Software, IT, Mechatronik herrscht starke Konkurrenz zu anderen Branchen und Unternehmen. Wie überzeugen Sie Bewerberinnen und Bewerber, nach Waiblingen zu kommen?
Die Ingenieure und Ingenieurinnen arbeiten bei uns an Zukunftstechnologien und sind nah am Produkt. Das ist unglaublich spannend. Wir haben ein topmodernes Entwicklungszentrum und sehr attraktive Arbeits- und Rahmenbedingungen. Dazu zählen auch attraktive Konditionen wie etwa eine betriebliche Altersvorsorge, eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung oder eine Erfolgsprämie. Stihl ist ein weltweit agierendes, erfolgreiches Unternehmen. Das Besondere dabei ist: Wir sind ein Familienunternehmen und legen großen Wert auf ein gutes persönliches Miteinander.
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Wenn es im ersten Gespräch gut lief, wie geht es weiter im Bewerbungsprozess?
Nach einem ersten Gespräch melden wir uns möglichst zügig wieder beim Kandidaten – im Normalfall nach ein bis zwei Wochen. Wir laden den Bewerber oder die Bewerberin dann ins Unternehmen ein zu einem weiteren Gespräch. Dort gibt es dann die Gelegenheit die Führungskraft oder die Kollegen persönlich kennenzulernen. Wenn es möglich ist, zeigen wir auch den künftigen Arbeitsplatz, um sich einen Eindruck vom Umfeld zu verschaffen.
Juliane Brauer
Biographie
Juliane Brauer ist Abteilungsleiterin Recruiting und Employer Branding bei Stihl. Zuvor war sie fünf Jahre Geschäftsführerin einer Personalvermittlung, die sie gemeinsam mit einem Partner gegründet hat. Ihre Firma war spezialisiert auf die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften in der IT. Zudem war sie zehn Jahre Leiterin des Recruitings in einer Beratungsfirma für Recruiting und Employer Branding für Hochschulabsolventen. Juliane Brauer hat an der Technischen Universität in Dresden studiert.