Im Mercedes-Benz-Werk in Untertürkheim wird wieder gearbeitet. Das Unternehmen arbeitet auch in der Corona-Krise an seinem Personalabbau. Foto: Mercedes-Benz AG

In einem Schreiben an alle Mitarbeiter kritisiert der Daimler-Gesamtbetriebsrat, dass der Konzern beim geplanten Personalabbau offenbar sehr forsch vorgehen will. Nun reagiert auch das Unternehmen.

Stuttgart - In der Corona-Krise geht der Daimler-Betriebsrat beim Personalabbau auf Konfrontationskurs zum Management. Der Stuttgarter Autobauer solle „zum jetzigen Zeitpunkt Abstand von teuren Abfindungsangeboten nehmen“ und sich auf natürliche Fluktuation und Altersteilzeit konzentrieren, heißt es in einem Schreiben des Gesamtbetriebsratschefs Michael Brecht und seines Stellvertreters Ergun Lümali, das an diesem Montag an die Mitarbeiter gegangen ist.

„Momentan ist es oberstes Gebot, Liquidität im Unternehmen zu halten und besonnenes Krisenmanagement zu beweisen.“ Eines helfe gerade sicher nicht: „Schulungskonzepte für Führungskräfte, die zum Ziel haben, Kolleginnen und Kollegen rauszudrücken.“ Der Daimler-Gesamtbetriebsrat klingt in dem Schreiben alarmiert.

Er reagiert damit auf ein öffentlich gewordenes, internes Dokument, das konkrete und detaillierte Anweisungen an die Führungskräfte enthält, wie sie anstehende Trennungsgespräche zu führen hätten. Der Konzern hatte sich im Dezember 2019 mit dem Betriebsrat auf Maßnahmen geeinigt, um die Personalkosten zu senken. In diesem Rahmen soll es einen sozial verträglichen Personalabbau geben. Es geht vor allem um Abfindungen, Frühpension und Altersteilzeit. Bis 2022 sollen mindestens 10 000 Stellen gestrichen werden.

Betriebsrat: Keinen Druck aufbauen

In dem internen Dokument heißt unter anderem, die Gespräche seien auf 15, höchstens 30 Minuten zu begrenzen. Die Trennungsabsicht sei unmissverständlich deutlich zu machen. Wolle ein Mitarbeiter nicht einwilligen, könne sich das demnach auf die künftige Leistungsbeurteilung auswirken. Führungskräfte sollten sich darüber im Klaren sein, wie wichtig eine Unterschrift unter dem Aufhebungsvertrag ist. „Durch Druckaufbau wird eine rote Linie überschritten“, schreibt der Betriebsrat als Reaktion.

Sollte die in dem Papier aufgeführte Strategie inhaltlich zutreffen, stehe die bisher gute Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung vor einer Bewährungsprobe. Die Unternehmenswerte und die Kampagne zum Thema „Respekt“ würden dann in Frage gestellt, warnen Brecht und Lümali in dem Schreiben.

Daimler: Beide Seiten müssen zustimmen

Auf Anfrage äußert sich nun auch Daimler in einer kurzen Stellungnahme zu dem Bericht, nachdem sich das Unternehmen zunächst nicht äußern wollte. Auf den Vorwurf, dass Führungskräfte Mitarbeiter unter Druck setzen sollen, geht der Autobauer dabei aber nicht ein. „Bei allen Maßnahmen gilt grundsätzlich die doppelte Freiwilligkeit“, erklärt eine Sprecherin nur. Das bedeutet, dass immer sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter einem Aufhebungsvertrag zustimmen müssen und war auch so mit dem Betriebsrat vereinbart worden.

Darüber hinaus sagt die Sprecherin: „Grundsätzlich schulen wir unsere Führungskräfte zu allen relevanten Konzernthemen, das gilt insbesondere für Personalthemen und daher auch für die Gesamtbetriebsvereinbarung.“ Gespräche würden gemeinsam von Führungskraft, Mitarbeiter und einem Vertreter aus dem Personalbereich geführt. Es stehe dem Mitarbeiter jederzeit frei einen Vertreter des Betriebsrats hinzuzuziehen. Dazu raten auch die Betriebsratschefs Brecht und Lümali in dem Schreiben an die Mitarbeiter dringend.

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