Nicht nur für die S-Bahn werden Lokführer gesucht. Foto: dpa

Der Vorstoß des Landes, Flüchtlinge zu Lokführer ausbilden zu lassen, zeigt dass das Personalproblem bei den Schienenverkehrsunternehmen groß sind. Die Ausbildung ist kein Selbstläufer.

Stuttgart - Das am Montag von unserer Zeitung publik gemachte Vorhaben von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), Flüchtlinge im Südwesten zu Lokführern auszubilden, zeigt, wie schwer sich die Eisenbahnunternehmen damit tun, Mitarbeiter in ausreichender Zahl zu finden. Seit der Regionalverkehr auf der Schiene nicht mehr automatisch von der Deutschen Bahn AG organisiert wird, ist die Zahl der um die knappe Ressource Lokführer buhlenden Unternehmen angestiegen – mit Folgen für die Personalgewinnung.

Das Land als Besteller der Leistungen auf der Schiene in den Stuttgarter Netzen bewertet die Lage kritisch und versucht nun sogar mit Qualifizierungsmaßnahmen für Flüchtlinge selbst gegenzusteuern. In drei Regionen, unter anderem in Stuttgart, sollen je 15 Triebfahrzeugführer ausgebildet werden, deren Flüchtlingsstatus anerkannt ist. In der Branche geht man allerdings nicht von einem spürbaren Effekt aus: nur fünf bis zehn Prozent der Quereinsteiger schaffen tatsächlich am Ende die Prüfung.

Private Anbieter kooperieren mit der Deutschen Bahn

Die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer dauert rund zehn Monate. Das Fahren im Realbetrieb lehrt etwa Abellio auf von ihr betriebenen Strecken in Deutschland. Go Ahead will das von der DB Regio erledigen lassen. Die Unternehmen erwarten von den Bewerbern, dass sie mindestens 20 Jahre alt sind, einen Haupt- oder Realschulabschluss besitzen, über ein technisches Grundverständnis verfügen oder eine berufliche Vorbildung haben. Bei Abellio heißt es, man müsse fließend Deutsch sprechen, schreiben und lesen können, einen Führerschein und ein Auto besitzen.

Lokführer beginnen mit einem Bruttogrundgehalt von etwa 2800 Euro pro Monat, das sich mit Zulagen um rund zehn Prozent erhöht. Außerdem gibt es eine Altersvorsorge und Vergünstigungen wie Dienstkleidung und ein Tablet. Zugbegleiter beginnen mit einem Grundlohn von 2450 Euro, das kann sich auf rund 3000 Euro steigern. Wer als Quereinsteiger einen Kurs beginnt, erhält rund 2100 Euro brutto, scheitert er, hat das ausbildende Unternehmen Pech gehabt.

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