Mit einer App und interaktivem Entertainment wollte der Perkins Park die „Zeitenwende“ im Clubleben feiern. Die im September gestartete „Zukunft“ ist aber schon wieder Vergangenheit. Das junge Publikum blieb aus.
Den Partygriechen Cavos hat er seit 2012 aufgebaut und zu großem Erfolg verholfen: Als sich Hiki Shikano Ohlenmacher, 50, von jenem Ort an der Lautenschlagerstraße als Chef verabschiedete, an dem nachts bei lauter Musik die Servietten fliegen, sagte er, auf Dauer sei so viel Stress im Nachtleben nicht gesund. Neues wollte er anpacken und verkaufte deshalb seine Anteile am Cavos. Mit kreativen Ideen verließ der Sohn eines Deutschen und einer Japanerin vor einem Jahr das Restaurant im Kessel. Es zog ihn hinauf auf die Höhen des Killesbergs.
Sway sollte zum „Hotspot junger Partygänger“ werden
Mit seinem deutlich jüngeren Buddy Lorenz Grohe, 24, dem Chef des Dschungelrestaurants Malo, wollte Ohlenmacher im 43 Jahre alten Perkins Park dank digitaler Erfindungen etwas schaffen, was es zuvor im deutschen Partyleben nicht gegeben hat. Die angekündigte „Zeitenwende“ im Clubleben hieß „Sway“ (schwingen, schaukeln, beeinflussen). Jeden Samstag wollten die beiden die einstige „Nobeldisco“, den größten Club von Stuttgart, zum Hotspot junger Partygänger machen.
Perkins-Park-Gründer Michael Presinger war begeistert. „Ich bin 70“, sagte er, „da tun uns ideenreiche Partymacher gut.“ Zunächst für ein Jahr unterschrieb er mit den beiden als „gastgebende Partner“ den Vertrag.
Die Idee, die dahinter steckte: Ohne Handy ist das Partyleben schon lange nicht mehr denkbar. Junge Menschen überbieten sich beim Feiern mit Selfies, drehen Filme, posten Reals, verbinden sich noch schneller digital in Instagram, als sie bei der lauten Musik analoge Sätze miteinander wechseln. Mit Handys, finden Lorenz Grohe und Hiki Ohlenmacher, lässt sich in Clubs noch viel mehr machen.
Mit High-Tech wie NFTs als Avatare und einer App sollte „interaktives Entertainment“ zum Pfeiler des Konzepts werden. Gäste durften sich via Handy einmischen, etwa synchron auf die LED-Walls zugreifen, oder von einem Benefits-Programm profitieren, sodass bei entsprechendem Konsum Vergünstigungen möglich werden.
Viele Stadtpromis waren zum Auftakt dabei
Bei der Premiere am 9. September war es ziemlich voll. Viele Stadtpromis kamen. Doch zum Auftakt ging etliches daneben, wie Ohlenmacher einräumt. Die Musik der beiden engagierten DJs sei „total schlecht“ gewesen. Und der Service sei überfordert gewesen. 40 Minuten, trotz der Handy-Möglichkeiten, habe man im Schnitt auf die Getränke gewartet. Und weil es edle Weinflaschen mit Korken gab, sei ein weiteres Problem aufgetaucht. Der Park ist wohl sonst nur Weinflaschen zum Aufschrauben gewohnt. „Die hatten nur vier Korkenzieher“, erzählt der frühere Cavos-Chef. Also musste man erneut warten.
Die Folgen: Viele Partygänger waren von der missglückten Premiere abgeschreckt, sodass zur zweiten und zur dritten Sway-Nacht immer weniger kamen. Ohlenmacher führt dies auch auf das Volksfest zurück, das gleichzeitig stattfand. Alexander Scholz, der Perkins-Park-Geschäftsführer, dagegen sagt, mit den Bierzelten auf dem Wasen habe dies rein gar nichts zugetan gehabt. An anderen Volksfest-Tagen sei es im Killesberg-Club voll gewesen. Mit dem neuen Sway-Konzept, sagt Scholz, habe man das junge Publikum „leider nicht angesprochen“.
Während es im Stuttgarter Nachtleben heißt es, der Perkins Park habe Ohlenmacher und Grohe angesichts der fehlenden Gäste hochkant rausgeworfen, stellt Alexander Scholz fest: „Wir haben gemeinsam beschlossen, die Reißleine zu ziehen.“ Auch Ohlenmacher erklärt: „Es war ein gemeinschaftlicher Schiffbruch.“ Zwar hätten 800 Menschen die Sway-App runtergeladen, doch von denen seien zuletzt nur etwa 30 zu einer Sway-Party gekommen.
Der Perkins Park ist nur noch zweimal in der Woche geöffnet
Braucht man beim analogen Tanz und beim analogen Baggern womöglich gar keine digitalen Innovationen? In den Perkins Park finden 1200 Menschen Platz. Schließt man den kleinen Club, ist es im großen Saal auch mit 600 Besuchern voll. „Wir mussten handeln“, sagt Alexander Scholz. Am Samstagabend läuft nun Hip Hop – und die Massen strömen wieder. „Unser Einzugsgebiet beträgt 200 Kilometer“, erklärt der Gastronom. Der Markt der Partymacher sei seit Ende der Pandemie noch härter umkämpft als zuvor. Der Perkins Park ist deshalb nur noch zweimal in der Woche geöffnet, freitags und samstags. Der Donnerstag war mal ein guter Ausgehtag. Doch jetzt lässt man auf dem Killesberg die Finger davon.
Scholz kritisiert fehlende Chancengleichheit
Was Alexander Scholz ein Dorn im Auge ist: Im Konkurrenzkampf der Partymacher herrsche Ungleichheit. „Es gibt Veranstalter, die engagieren DJs, die zum Tanzen auflegen, und sie sagen trotzdem, sie seien eine Bar“, sagt er, „obendrein verlangen sie keinen Eintritt.“ Ein Club müsse etwa 20-Mal mehr Gema-Gebühren zahlen als eine Bar. Und für einen Club gelte ein viel strengerer Brandschutz.
Beim Sway auf dem Killesberg jedenfalls hat es sich ausgeschaukelt. Sway ist früh abgestürzt. Perkins-Park-Chef Alexander Scholz sagt, eine Party müsse rasch zünden. Man könne nicht Monate warten in der Hoffnung, das werde schon noch. Viel Zeit bekommt eine neue Idee also nicht. Und Hiki Ohlenmacher zieht dieses Fazit: „Mal bist du der Hund, mal der Baum, so ist das Leben. Ich habe in Alexander Scholz einen sehr fairen und tüchtigen Kollegen kennen gelernt.“ Von Streit könne keine Rede sein.