Szene aus „Old Man (Look At My Life)“ Foto: Dominique Brewing

Das Stuttgarter Theater Rampe dekonstruiert in der Multi-Media-Perfomance „Old Man (Look At My Life)“ das Label „alter weißer Mann“. Und Neil Young kommt auch vor.

Die Lavalampe ist doch die schönste Erfindung, seit es Popkultur gibt, oder nicht? Im roten Schein wabert ihr Stoffgemisch fast zeitlos dahin. Vielleicht etwas kitschig? Fürs Theater eignet sie sich jedenfalls recht gut. Dazu ein alter brauner Ledersessel, alte Platten – so entsteht im Bühnenbild ein Ort, an dem sich eines Menschen Geschichte bündeln kann.

 

Die Band spielt bald feinen Americana und komplettiert die Zeitreise. In beiger Weste erzählt der Protagonist (Andreas Vogel) vom alten, weißen Mann und melancholisch von Pop- und Rockmusik als Flucht- und Sehnsuchtsort. Lina Syren, als zweite auf der Bühne, vermittelt im Wechsel eindrücklich Geschlechter- und Gesellschaftskonstruktionen. Ein Spiel auf mehreren Ebenen.

14 echte alte weiße Männer im Interview

Das Theater Rampe inszeniert in rund zwei Stunden mit „Old Man (Look At My Life)“ ein dokumentarisches Performance-Musikstück zum sogenannten „alten weißen Mann“. Als künstlerische Leitung dekonstruieren Aliki Schäfer und Andreas Vogel jenes Label und die gesellschaftlichen Normen, die es hervorbringt. Via Leinwand lernen wir 14 echte alte weiße Männer kennen, mit denen Interviews geführt wurden. Ungefiltert und nah erfahren wir von ihrem Leben, ihrem Menschsein. Sie mögen sympathisch sein oder auch nicht – wir erhalten Einblick, wie diese Männer wurden, was sie sind und was sie prägte. „Frauen und Männer passen eigentlich nicht zusammen“, sagt einer. Ein anderer stellt fest, dass es gut sei, wenn Männer heutzutage nicht mehr so leicht die Oberhand behielten.

Warum lieben Senioren beige Funktionswesten?

Max Braun und seine Band mit Philipp Eißler und Johann Polzer spielen einfühlsame Songs zwischen Funk und Dixie und sind selbst Protagonisten. Texte auf der Leinwand ergänzen – es geht ums Altern und ums Dasein. Eine Dia-Show klärt über die beige Funktionsweste im deutschen Senioren-Stereotyp auf – und gibt eine beklemmende Begründung. Was macht eigentlich die Liebe eines Vaters aus? Ein Lagerfeuer im Bildschirm, dann erklingt Neil Youngs „Old Man“; ein Stück, das er im Alter von 24 Jahren schrieb, als er, so heißt es, einem alten Mann für 300 000 Dollar eine Ranch abkaufte. Stets gehe es um dieselben Bedürfnisse: „Old man, look at my life, I’m a lot like you were“, heißt es im Text.

„Old Man“ ist ein herrliches Spiel und bohrt an entscheidender Stelle. Es ist ernst, klagend, unangenehm, manchmal auch lustig. In erster Linie jedoch ist alles hier sehr menschlich.

Old Man (Look At My Life): Vorstellungen vom 16. bis 18. Oktober im Theater Rampe.