Was trägt der gut situierte Herr am Handgelenk? Das interessiert mitunter auch Trickdiebinnen. Foto: dpa

Sie haben Luxusuhren und prall gefüllte Geldbörsen im Visier: Taschendiebinnen scheuen sich auch nicht vor sexuellen Belästigungen, um an ihre Beute zu kommen. Und die Masche wird immer perfider.

Stuttgart - Wie kommt man an die Luxusuhr am Handgelenk älterer Herren? Spezialisierte Trickdiebinnen schlagen seit Frühjahr mit einer besonderen Masche zu – mit sexueller Belästigung als Ablenkungsmanöver. So sind in Stuttgart und Ludwigsburg Uhren im Gesamtwert von mehreren Zehntausend Euro erbeutet worden. Am Montag vermeldete die Polizei einen Fall aus dem Stuttgarter Westen, der zeigt, dass man seine Opfer noch weitaus perfider bestehlen kann.

Ein 71-Jähriger war vor einem Supermarkt an der Schwabstraße unterwegs, als er von einer schwarzhaarigen Frau Ende 20 angesprochen wurde. Wo es denn zur Forststraße gehe, fragte sie in gebrochenem Deutsch. „Dabei kam sie ihm körperlich sehr nahe“, beschreibt Polizeisprecher Johannes Freiherr von Gillhaußen die Szene, die sich bereits am vergangenen Donnerstag gegen 12.45 Uhr abspielte.

Und plötzlich bricht ein Streit los

Die Zudringlichkeit sollte wohl dem Zweck dienen, unbemerkt an die goldene Armbanduhr im Wert von mehreren Tausend Euro zu kommen. Doch ehe sich der 71-Jährige darüber bewusst werden konnte, geriet er in die fortgeschrittene Variante der Masche. Ein dunkel gekleideter Mann kam plötzlich dazu – und fing mit der Frau einen Streit an. „Das spielte sich in einer für das Opfer fremden Sprache ab“, sagt der Polizeisprecher. Beide schienen aus Südosteuropa zu stammen. Scheinbar war der Unbekannte nicht damit einverstanden, dass die Frau dem 71-Jährigen Avancen machte.

Der Streit endete schließlich, beide gingen davon. Kopfschüttelnd ging der 71-Jährige zu seinem Auto – und stellte fest, dass seine Armbanduhr fehlte. Er erstattete am Freitagnachmittag Anzeige.

Die Pause ist zu Ende

Derweil stapeln sich bei den Taschendiebspezialisten der Polizei die Fälle mit den dunkelhaarigen Luxus-Trickdiebinnen, die Passanten aggressiv mit weiblichen Reizen angehen. Nachdem die Serie zunächst Ende August Pause machte, scheinen nun wieder reisende Gruppen in Stuttgart Station zu machen. Dabei haben es die Täterinnen nicht nur auf Luxusuhren abgesehen, sondern auch auf prall gefüllte Geldbörsen.

Von dem Frauen-Duo, das drei Männern auf dem Heimweg vom Cannstatter Volksfest mehrere Hundert Euro Bargeld abnahm, fehlt noch immer jede Spur. Bei einem Fall in der Weberstraße ging immerhin eine 50-jährige Verdächtige ins Netz. Die aus Osteuropa angereiste Frau kam gegen Zahlung einer Sicherheitsleistung wieder auf freien Fuß.

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