Unbekannte kopieren etliche Social-Media-Profile von Bürgermeistern in der Region. Wir erklären, was dahintersteckt – und wie man Fake-Accounts erkennen kann.
Auf den ersten Blick wirkt alles ganz normal: Auf seinem Instagram-Profil weist der Alfdorfer Bürgermeister Ronald Krötz auf eine Diskussionsveranstaltung hin, im Post davor macht er auf den Volkstrauertag aufmerksam. Vom Profilbild lächelt Krötz, wie ihn die Alfdorfer kennen. Doch das Profil des Schultes ist ein Fake, dahinter stecken Unbekannte. Die Beiträge sind von Krötz’ echtem Profil gestohlen und dann erneut gepostet worden – von einem Profil, das sich scheinbar nur durch zwei Satzzeichen im Namen vom echten Account des Schultes unterscheidet.
Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz ist der jüngste Fall in einer wachsenden Reihe: Betrüger haben auf Instagram ein täuschend echtes Fakeprofil von ihm erstellt. Krötz warnte umgehend auf seinen offiziellen Kanälen vor dem Betrug. „Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht darauf hereinfallen“, so Krötz. Er hat Instagram das Fake-Profil gemeldet, bei der Polizei Anzeige erstattet. „Zunächst war das Profil dann verschwunden, heute Morgen hat mir aber schon jemand geschrieben, dass ein neues aufgetaucht sei“, so Krötz.
Der Alfdorfer Rathauschef ist kein Einzelfall. Auch die Bürgermeister von Welzheim und Weissach im Tal, Thomas Bernlöhr und Daniel Bogner, wurden bereits Opfer von Identitätsdiebstahl in den sozialen Medien. Ganz aktuell war auch Kaisersbachs Bürgermeister Michael Clauss betroffen. Manchmal unterscheiden sich die gefälschten Profile nur minimal von den Originalen, etwa durch einen zusätzlichen Buchstaben im Nutzernamen, wie im Fall von Thomas Bernlöhr.
Fake-Profil vom Bürgermeister: So gehen die Täter vor
Die Masche ist dabei immer ähnlich: Die Betrüger kopieren Profilbilder und Beschreibungen, blockieren aber die echten Amtsinhaber – aus diesem Grund können die echten Bürgermeister die Beiträge der Fake-Profile nicht sehen und die Fälschungen selbst nicht sofort entdecken. So ging es auch Ronald Krötz: „Ein Bürger hat mir einen Screenshot davon geschickt und mich darauf hingewiesen“, erzählt er. Es sei ein seltsames Gefühl, so ein Fake-Profil zu sehen: „Die haben sich richtig Mühe gegeben und meinen Account mit den letzten acht Beiträgen regelrecht nachgestellt.“
Warum die Täter ausgerechnet Bürgermeister-Profile kopieren, ist unklar. Aber möglicherweise suggeriert ein lokaler Rathauschef Vertrauenswürdigkeit – und wirkt gleichzeitig glaubhafter als beispielsweise ein Profil eines Hollywoodstars, der unvermittelt Menschen in der Region Stuttgart anschreibt. Die Ermittlungen der Polizei sind oft schwierig, da die Täter häufig im Ausland sitzen und ihre digitalen Spuren zu verwischen suchen.
Fake-Profile: In der ganzen Region Stuttgart häufen sich Fälle
Die Ziele der Täter sind unterschiedlich. Manche versuchen, sensible Daten anderer Nutzer abzugreifen. Mit diesen lassen sich dann wieder Betrügereien begehen. Andere Täter locken ihre Follower in Whatsapp- oder andere Chatgruppen und versuchen dort, betrügerische vermeintliche Geldanlagen zu bewerben und Menschen um ihr Erspartes zu bringen. So weit ist es im Alfdorfer Fall nicht gekommen – der falsche Daniel Bogner verschickte laut der Backnanger Kreiszeitung allerdings entsprechende Einladungen.
Das Problem beschränkt sich nicht nur auf den Rems-Murr-Kreis. Auch andernorts in der Region Stuttgart sind Bürgermeister betroffen, etwa in Weil der Stadt, Ditzingen oder Schönaich. Einige Täter warben für Bitcoin oder lockten Nutzer in „Premium-Whatsapp-Gruppen“. In einem besonders krassen Fall erbeuteten Betrüger mit einem gefälschten Whatsapp-Account des Sindelfinger Oberbürgermeisters 27 000 Euro von einem Rentner.
Wie kann man Fake-Profile im Netz erkennen?
Einen hundertprozentigen Weg, Fakes zu entlarven, gibt es nicht. Aber einige Anhaltspunkte lassen darauf schließen, welche Accounts auf Instagram, Facebook und Co. echt sind und welche nicht:
- Doppelte Profile: Ergibt eine Suche zwei scheinbar identische Profile eines Amtsträgers, ist das ein Hinweis darauf, dass eines davon gefälscht sein könnte. Aber Achtung: Manche Rathauschefs haben zusätzlich zum offiziellen Profil auch einen privaten Account, der in der Regel jedoch anders aussieht.
- Schreibweise: Weist der Name des Bürgermeisters Schreibfehler oder seltsame Zeichenkombinationen auf, kann das ein Hinweis auf ein Fake sein.
- Doppelte Freundschaftsanfragen: Wer in einem sozialen Netzwerk eine Freundschaftsanfrage eines Menschen bekommt, mit dem er eigentlich bereits befreundet ist, sollte genau hinsehen – und im Zweifel bei dem bisher bekannten Profil nachfragen.
- Followerzahl: Fake-Accounts haben meistens deutlich weniger Follower beziehungsweise Freunde als die Profile der echten Amtsträger und Prominenten.
- Blaue Haken: Manche sozialen Medien verifizieren Profile bekannter Personen, Marken und Unternehmen. Auf Instagram sind diese Profile zum Beispiel mit einem blauen Haken gekennzeichnet – allerdings nutzen nicht alle Rathauschefs diese Funktion.