Seit Mitte August überschlagen sich die Ereignisse rund um die Insolvenz des Wohnbauträgers aus Pleidelsheim. Hier finden Sie unsere bisherige Berichterstattung im Überblick.
Der Bauträger Paulus Wohnbau aus Pleidelsheim ist das wohl prominenteste Opfer der aktuellen Baukrise in Baden-Württemberg. Rund 360 Wohnungen und fast 40 Jobs stehen auf der Kippe. Zudem bangen Banken um ihre Kredite, Kunden um ihre eigenen vier Wände und Anleger um ihr Investment.
In den vergangenen Wochen hat es rund um die Paulus-Pleite immer wieder neue Entwicklungen gegeben. Hier finden Sie einen Überblick über die einzelnen Themen und Artikel zur Insolvenz der Paulus Wohnbau.
Erwin Pauls meldet Privatinsolvenz
17. Januar 2024: Was sich bereits seit Wochen angebahnt hatte, ist nun offiziell: Erwin Paulus muss einen Antrag auf Privatinsolvenz stellen. Damit laufen nun zwei Insolvenzverfahren rund um den Bauunternehmer aus Pleidelsheim.
Während die Gläubiger des Insolvenzverfahrens „Paulus Wohnbau“ besonders aus Banken und Handwerkern bestehen, ist es beim Privatinsolvenzverfahren allen voran die Crowdfundingplattform „Zinsbaustein.
Im Jahr 2022 hatte sich Paulus Wohnbau über die Plattform fünf Millionen Euro von mehr als 1100 Kleinanlegern geliehen und dabei ein notariell ausgefertigtes abstraktes Schuldanerkenntnis unterschrieben. Im Klartext: Paulus hat sich bereit erklärt, selbst für den Kredit geradezustehen, sollte die Paulus Wohnbau scheiter
Insolvenzverwalter wagt sich nach Monaten aus der Deckung
10. Januar 2024: Bei einer Gläubigerversammlung im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg stellt Insolvenzverwalter Holger Leichtle erste Ergebnisse des Insolvenzverfahrens der Paulus Wohnbau vor. An fünf Projekten soll schon bald weitergearbeitet werden, sieben weitere sind wohl ebenfalls gerettet. Zudem gibt es Hinweise zur aktueller Lage des angeschlagenen Unternehmens.
19 Mitarbeitern musste gekündigt werden, fünf weitere haben gekündigt. Der operative Geschäftsbetrieb wird Anfang 2024 mit zwölf Mitarbeitern aufrechterhalten. Bestandsobjekte wie Mietgebäude und die Zentrale der Paulus Wohnbau in der Pleidelsheimer Ortsmitte sollen verkauft werden.
15. Januar 2024: Insolvenzverwalter Holger Leichtle nennt Details zu möglichen Mehrkosten für Paulus-Kunden. Vor allem äußerte er sich aber erstmals zu den Ursachen des Debakels.
Das Umfeld sei schwierig gewesen, schickte Leichtle voraus. Explodierende Baukosten und der Rückgang der Kaufnachfrage seien bedeutende Sargnägel der Paulus-Insolvenz. Jedoch hätte die GmbH für ihre Größe sehr viele, vielleicht zu viele, Bauprojekte am Laufen gehabt.
Zinsbaustein fordert mehrere Millionen aus Paulus’ Privatvermögen
24. November 2023: Eine Rückforderung der Crowdfunding-Plattform „Zinsbaustein“ droht Erwin Paulus in die Privatinsolvenz zu treiben. Doch von vorne: Anfang Januar 2022 lieh sich die Paulus Wohnbau GmbH fünf Millionen Euro von über 1000 Kleinanlegern von „Zinsbaustein“. Erwin Paulus unterschrieb dabei ein notariell ausgefertigtes abstraktes Schuldanerkenntnis – er bürgte also mit seinem Privatvermögen für diesen Kredit.
Doch damit nicht genug: „Zinsbaustein“ kann wegen des Schuldanerkenntnisses das Geld mit sofortiger Wirkung zurückverlangen und überholt damit die übrigen Gläubiger der Paulus-Insolvenz auf der rechten Spur. Das Vorpreschen könnte zudem die Beantwortung weiterer Fragen beschleunigen.
Kritik an Transparenz der Insolvenzverwalter
11. November 2023: Seit Monaten bangen Banken um ihre Kredite, Paulus-Kunden um ihr Eigentum und Anleger der Crowdfunding-Plattform „Zinsbaustein“ um ihr Investment. Eine große Verantwortung für Insolvenzverwalter Holger Leichtle. Der wimmelt Presseanfragen aber immer wieder ab. „Die Kommunikation ist der Situation unwürdig. Ständig wechseln Ansprechpersonen und Gesprächsangebote werden nicht eingehalten“, kommentiert Redakteur Emanuel Hege.
Erwin Paulus hat seine Gesellschafteranteile verkauft
6. November 2023: Ein interessantes Detail wird veröffentlicht und wirft Fragen auf. Zwei Tage nach dem Insolvenzantrag am 8. August hat Erwin Paulus alle seine Gesellschafteranteile seiner insolventen Wohnbau GmbH verkauft. Das ist in den Gesellschafterlisten im Handelsregister einsehbar. Demnach hat Erwin Paulus bis zum 10. August 50 Prozent an der Paulus Wohnbau GmbH gehalten.
Jetzt besitzt seine Tochter Meike 60 Prozent, seine Frau Edith Paulus 20 Prozent und der Paulus-Geschäftsführer Mike Schanta ebenfalls 20 Prozent. Paulus taucht nicht mehr in der Gesellschafterliste auf. Grundsätzlich ist das legal, ein Markgröninger Anwalt, der einen Paulus-Kunden vertritt, stellt sich jedoch drei Fragen.
Paulus-Kunden berichten von Ärger mit Bauträger
18. Oktober 2023: Ein Beispiel aus Kornwestheim zeigt, welche Einzelschicksale die Paulus-Insolvenz zur Folge hat. Familie Bredendiek hätte eigentlich schon vor Jahren in ihren eigenen vier Wände in Kornwestheim einziehen sollen. Obwohl die Wohnung bezugsfertig ist, kommen sie nicht rein. Ihr Bauträger Paulus Wohnbau hat wegen eines Zwists um Baumängel und eine Ratenzahlung das Schloss ausgetauscht.
Der Ärger der Familie Bredendiek ist jedoch keine Ausnahme. Auch weitere Kunden kritisieren die Kommunikation des Unternehmens, das Verhalten der Mitarbeiter und den Umgang mit Baumängeln. Heimlichtuereien seien an der Tagesordnung gewesen.
Paulus hat Monate vor Insolvenz eine neue Gesellschaft gegründet
25. September: Mit Blick in das Handelsregister wird deutlich, dass Erwin Paulus und zwei ehemalige Mitarbeiter der Paulus Wohnbau im Frühjahr dieses Jahres eine neue „Paulus Bauen & Wohnen GmbH“ gegründet haben. Erwin Paulus hat also nur Monate vor der Insolvenz 560 000 Euro in ein neues Unternehmen investiert.
Die neue Gesellschaft, die mittlerweile in „Premium Bauen & Wohnen GmbH“ umgetauft wurde, sei laut den Gründern mittlerweile völlig autark – Paulus hat seine Anteile verkauft.
29. September: Redakteur Emanuel Hege kommentiert die Nachricht über die Gründung der neuen Gesellschaft. Das Vorgehen klinge für viele erst einmal merkwürdig, schrieb er. Vorverurteilungen seien jedoch fehl am Platz.
Erwin Paulus verliert die Kontrolle über das Insolvenzverfahren
19. September: Bis Mitte September verwalteten Erwin Paulus, sein Anwalt Erik Silcher und die Paulus-Mitarbeiter die Insolvenz in Eigenverwaltung. Das ändert sich jedoch und es kommt Bewegung in das Insolvenzverfahren.
Anwalt Holger Leichtle von der Kanzlei Görg, der das Verfahren bisher als Sachverwalter begleitet hatte, wird als Insolvenzverwalter eingeschaltet. Auf Wunsch der Banken wechselt Leichtle also vom Kontrolleur an der Seitenlinie zum aktiven Akteur auf dem Spielfeld. Erwin Paulus verliert damit jede Einflussmöglichkeit auf die Umsetzung der 19 ausstehenden Bauprojekte.
Mehr als 1000 Investoren verlieren wohl ihre Geldanlage
13. September: Nach Bekanntwerden der Insolvenz hieß es von Seiten der Paulus Wohnbau, dass keine Kunden oder Partner Geld verlieren. Schon einige Wochen später macht die Stuttgarter Zeitung jedoch öffentlich, dass es mehr als 1000 Kleininvestoren der Crowdfunding-Plattform „Zinsbaustein“ gibt, die aller Voraussicht nach ihr Geld verlieren.
Die Kleinanleger investierten insgesamt einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in Paulus-Projekte, mit der Hoffnung auf 5 bis 8 Prozent Rendite. Da es sich dabei um sogenannte Nachranganleihen handelt, droht den Anlegern ein Totalausfall.
15. September 2023: Paulus hat mit der Crowdfunding-Plattform Geld besorgt, das sei ein legitim. „Die Investoren kannten das Risiko. Allein um die sieben Prozent Zinsen pro Jahr sollten ein Warnsignal sein“, kommentiert Redakteur Emmanuel Hege.
20. September 2023: Was hat es mit den Investments auf sich? Was ist das für eine Plattform, die Renditen von bis zu 8 Prozent verspricht? Verbraucherschützer und ein Experte für Immobilienfinanzierung bringen Licht ins Dunkel und warnen deutlich vor Investment-Angeboten wie „Zinsbaustein“. Auch Bauträger wie Paulus seien in der Pflicht, ahnungslose Kleinanleger zu schützen.
Paulus gibt Insolvenz bekannt
21. August 2023: Erwin Paulus macht die Insolvenz seiner Paulus Wohnbau GmbH öffentlich. Der Insolvenzantrag ist am 8. August beim Amtsgericht Ludwigsburg eingegangen. Die Liquiditätsprobleme seien auf die enorm gestiegenen Bauzinsen und ein gestiegenes Sicherheitsbewusstsein der Banken, erklärte Paulus damals. Aber auch die Kaufnachfrage sei zurückgegangen.
Damals gab Paulus noch Entwarnung. Kunden, die auf im Bau befindliche Wohnungen bereits Abschlagszahlungen geleistet hätten, würden kein Geld verlieren. Und auch alle Bauunternehmen und Handwerker würden bezahlt werden.