Luftrettung Foto:  

Die Stadträte wollen aber überprüft sehen, ob der Landeplatz auf dem Flugplatzgelände verlegt werden kann.

Pattonville - Wenn’s nach dem Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement geht, dann sollte Christoph 51 vom Flugplatz in Pattonville auch nachts starten dürfen. Die Aufhebung des Nachtflugverbots halten die Experten des Klinikums der Universität München für dringend geboten, wie sie in einem Gutachten geschrieben haben, das sie für das Land Baden-Württemberg erstellt haben und das im August Vertretern der Stadt- und Landkreise vorgestellt wurde. Der Gemeinderat der Stadt Remseck will nächtlichen Rettungsflügen von Christoph 51 nicht im Wege stehen. Mehrheitlich hat er sich am Dienstagabend dafür ausgesprochen, sich bei einem Anhörungsverfahren entsprechend zu äußern. Und auch der Zweckverband solle sich in diesem Sinne verhalten, so die Remsecker Stadträte in ihrem Beschluss.

 

Das Problem: Erst im August hatten die Zweckverbandsvorsitzende und ihr Stellvertreter, die Oberbürgermeister Ursula Keck (Kornwestheim) und Dirk Schönberger (Remseck), in einem Brief ans Innenministerium und ans Regierungspräsidium geschrieben: „Wir möchten daher bereits jetzt, im Vorfeld der Beteiligung, deutlich machen, dass wir eine Ausweitung der Betriebserlaubnis für Nachtflüge nicht befürworten.“ Sie erinnerten daran, dass die Zustimmung des Zweckverbandes zur Installation einer Lichtanlage auf dem Flugplatz an die Bedingung geknüpft worden sei, dass die Betriebszeiten nicht über 21 Uhr hinaus verlängert würden. An diesen Beschluss fühle man sich nach wie vor gebunden, so OB Ursula Keck gestern auf Nachfrage unserer Zeitung.

Schönberger musste sich am Dienstagabend fragen lassen, warum er diesen Brief ohne Beteiligung der Gremien unterschrieben habe, zumal ja die Zeit nicht dränge, weil das Regierungspräsidium überhaupt noch nicht das Anhörungsverfahren eingeleitet habe. „Das ist ein hochsensibles und hochpolitisches Thema“, sagte Gerhard Waldbauer, Vorsitzender der Freie-Wähler-Fraktion. Nahezu einig waren sich die Stadträte, dass Remseck grundsätzlich einer Aufhebung des Nachtflugverbots zustimme solle, dass aber auch geprüft werden müsse, ob der Landeplatz des Rettungshubschraubers nicht Richtung Süden – also weg von den Wohnhäusern in Pattonville – verlegt werden könne und ob Schallschutzmaßnahmen möglich seien. Lediglich Stadtrat Harald Röhrig (Grüne), erst zu Beginn der Sitzung als Nachfolger von Swantje Sperling verpflichtet, stimmte mit Nein – nicht weil er gegen die Nachtflüge ist, sondern weil ihm das ganze Verfahren übereilt vorkommt. Man müsse doch wissen, welche Auswirkungen die nächtlichen Starts und Landungen auf die knapp 8000 Einwohner Pattonvilles haben. „Wir sollten schon wissen, wozu wir zustimmen.“

Knapp 170 Flüge, also 340 Starts und Landungen, kommen jährlich zusätzlich auf Pattonville zu, wenn das Nachtflugverbot aufgehoben wird, haben die Experten errechnet. Derzeit dürfen die Helikopter von 7 Uhr in der Früh bis eine halbe Stunde nach Einbruch der Dunkelheit starten und landen. Der Lärm sei enorm, sagen die Anwohner aus dem Süden Kornwestheims, die die Sitzung des Gemeinderats in Remseck verfolgt hatten. Die zulässigen Immissionswerte würden schon jetzt tagsüber überschritten, weil die 2007 erstellte Schallimmissionsprognose auf falschen Messpunkten beruhen würde. Die Wohnhäuser würden nicht gut 300 Meter wie der Messpunkt, sondern nur 160 Meter vom Landeplatz entfernt liegen.

Aber unabhängig davon habe das Gutachten eindeutig festgestellt, dass bei nächtlichen Flügen die zulässigen Grenzwerte erst bei einem Abstand von 500 Metern eingehalten werden. Die Anwohner, die die Notwendigkeit der Rettungsflüge nicht infrage stellen, fordern zum einen ein neues Lärmgutachten, das die wirklichen Verhältnisse berücksichtigt, und zudem Lärmschutzmaßnahmen im Bereich des Landeplatzes.

Der Gemeinderat Kornwestheim, so Oberbürgermeisterin Ursula Keck gestern auf Nachfrage unserer Zeitung, wird sich mit der Aufhebung des Nachtflugverbots erst dann beschäftigen, wenn das Regierungspräsidium Stuttgart ein förmliches Anhörungsverfahren in die Wege geleitet hat. Noch sei ja überhaupt nicht gewiss, dass das auch wirklich geschehe, so die Oberbürgermeisterin.