Einmal Picard, immer Picard: Patrick Stewart im „Enterprise“-Dress Foto: Imago Images/ United Archives/kpa Publicity

Der Engländer Patrick Stewart war Bühnenschauspieler in London, als sein Leben sich komplett veränderte: Er verkörperte in der zweiten „Star Trek“-Serie „Next Generation“ den Enterprise-Captain Jean-Luc Picard. Am 13. Juli wird Stewart 80 Jahre alt.

Stuttgart - Mit dem britischen Schauspieler Patrick Stewart verbinden die meisten Zuschauer eine große Rolle: 178 mal hatte er als Captain Jean-Luc Picard das Sagen auf der Brücke des Raumschiffs „Enterprise“ in der zweiten „Star Trek“-Serie „Next Generation“ (1987 bis 1994), außerdem in vier Kinofilmen. Anders als der heißspornige Weltenretter Captain Kirk (William Shatner) in der Ur-Serie war dieser Picard ein nachdenklicher Philosoph und wahrer Menschenfreund, was in seinem Fall umgängliche Außerirdische und Androiden einschloss.

Das ist kein Zufall: Auch Patrick Stewart selbst, der am 13. Juli 80 Jahre alt wird, ist ein Philanthrop durch und durch, was mit seiner Familiengeschichte zu tun hat. Er engagiert sich gegen häusliche Gewalt im Gedenken an seine Mutter, und für kriegstraumatisierte Soldaten, seitdem er herausfand, was sein Vater im Zweiten Weltkrieg erlebt hatte.

Er glaubte zunächst an einen Irrtum

Stewart war in der vielleicht berühmtesten „Star Trek“-Folge überhaupt zu sehen: „The inner Light“ („Das zweite Leben“), ausgestrahlt 1992 in den USA und 1994 in Deutschland. Darin durchlebt Captain Picard unter dem Einfluss einer fremden Sonde Jahrzehnte in einer anderen, bedrohten Welt, während seine Bewusstlosigkeit an Bord der Enterprise nur wenige Stunden dauert. Das funktionierte, weil Stewart keinerlei Zweifel ließ, dass dieses parallele zweite Dasein hätte real sein können.

Zunächst dachte der Brite, der in London Theater spielte, das Team um den „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry habe sich geirrt. Wochenlang packte er in Los Angeles seine Koffer nicht aus. „Ich glaubte nicht, dass ich die Pilotfolge überleben würde“, hat er einmal gesagt. „Irgendwann wurde mir dann klar, dass nicht nur ich nicht verschwinden würde, sondern die Serie auch nicht. Ich bin geblieben und habe jeden Moment genossen.“

Stolz auf „Extras“

Zugleich haderte Stewart damit, dass „Star Trek“ seine Bühnenkarriere abrupt beendete und er für immer Picard bleiben könnte. Im Jahr 2000 tauchte er dann neben Hugh Jackman, Ian McKellen und Halle Berry im Kino auf in der Comic-Verfilmung „X-Men“: als Professor X, der weise Mentor gesellschaftlicher verkannter Mutanten mit übermenschlichen Kräften. Stewart erschien in fünf weiteren Teilen der Reihe. Zugleich gelang ihm die Rückkehr auf die Bühne: 2009 wurde er für „Macbeth“ für einen Tony-Award nominiert.

Worauf er besonders stolz sei, wurde Patrick Stewart einmal gefragt. Die Antwort: „Meine Auftritte in ,Extras‘ 2005, bei den ,Simpsons‘ 1989 und in der ,Sesamstraße‘ 1969.“ „Extras“ („Komparsen“) ist eine Sitcom des britischen Satirikers Ricky Gervais, in der er als glückloser Komparse daran scheitert, sich Stars anzudienen, um an eine Sprechrolle zu kommen. Kate Winslet, Ben Stiller, Samuel L. Jackson und Patrick Stewart spielten neurotische Karikaturen ihrer selbst. In der betreffenden „Simpsons“-Folge sprach er eine Figur, die so hieß, wie er als Picard seinen ersten Offizier Ryker nannte: „Number One“.

Sein Kostüm ist Kult

Stewarts „Enterprise“-Kostüm, weinrot und schwarz, ist bei den Fans Kult. Viele suchen auch Rat beim weisen Captain Picard, der stets die richtige Antwort wusste. Dem „Star Trek Magazine“ sagte Stewart im Jahr 2006: „Wenn ich an der Welt verzweifle, gehe ich nach Hause und schaue eine Folge ,Next Generation‘ an, das bringt mir den Glauben zurück, dass die Welt besser werden kann.“ Seit Januar 2020 ist er zurück an Bord: In der Serie „Star Trek: Picard“ kehrt der Captain vom Altenteil zurück, um ein letztes Mal die Welt zu retten. Natürlich mit Bedacht.

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