Einer der Jesus-Darsteller der Oberammergauer Passionsspiele lässt sich beim Friseur rasieren. Foto: dpa

Oberammergau lässt bis Oktober 2020 die Haare wachsen. Wer ist Schuld daran, dass die Friseure vorübergehend arbeitslos werden? Jesus und die örtlichen Passionsspiele.

Bayern - Haarige Zeiten für die Frisöre. Eben erst den lässigen Barber- oder Coiffeurshop eröffnet, den Laden „Schnittstelle“, „Haarakiri“ oder „Haare Krishna“ genannt – und jetzt das: Am Aschermittwoch wurde im oberbayerischen Oberammergau der „Haar- und Barterlass“ verkündet. Bis Oktober 2020 sollen sich die rund 2400 Mitspieler der örtlichen Passionsspiele nicht mehr rasieren oder die Haare schneiden – Einwohner: grob 5500, Stand 2017.

Ausgenommen vom Erlass sind lediglich die Darsteller der Römer (waren immer rasiert), Musiker, Helfer und, äh, der Apostel Johannes. Letzterer war zu seiner Zeit wohl noch recht jung und mit dementsprechend geringem Bartwuchs gesegnet.

Ehrensache!

Die Passionsspiele werden in der Gemeinde übrigens sehr ernst genommen: Mitwirken darf lediglich, wer dort geboren und aufgewachsen ist oder bereits seit mindestens 20 Jahren dort lebt. Alle zehn Jahre richtet Oberammergau die Passionsspiele aus – Ehrensache. Das hat man nämlich 1633 feierlich versprochen: Wenn die Pest besiegt sei, werde man künftig alle zehn Jahre die letzten Tage Christi als pompöse Festspiele inszenieren. Zack: die Premiere fand 1634 statt. Von Mai 2020 bis Oktober ist es wieder so weit. Bitte durchhalten, liebe Frisöre.

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