In vielen Partnerschaften birgt die Frage „Wer erledigt die Hausarbeit?“ großes Konfliktpotenzial. Foto: imago/Shotshop/Spectra

Viele Konflikte in der Beziehung drehen sich vordergründig darum, wer die Spülmaschine einräumt oder den Müll runterbringt. Meist steckt aber etwas viel Größeres dahinter.

Abwaschen, staubsaugen, Toilette putzen: In vielen Partnerschaften birgt die Frage „Wer erledigt die Hausarbeit?“ großes Konfliktpotenzial. So kommt es vor, dass eine harmlose Diskussion eskalieret. Warum ist das so? Und welche Strategien gibt es für Paare, damit sich solche Streitigkeiten erst gar nicht entspinnen?

 

Aus der Forschung ist bekannt, dass Paare unbewusst Konten dazu führen, wer sich wie stark in die Beziehung einbringt. Ist das Beziehungskonto ausgeglichen, wird eine Beziehung als gut empfunden – und andersrum.

Ungleichgewicht macht sich im Streit über Abwasch bemerkbar

„Da die Bilanzierung größtenteils unbewusst stattfindet, findet typischerweise keine direkte Kommunikation darüber statt“, erklärt die Stuttgarter Paartherapeutin Marion Stelter. Stattdessen könne es sein, dass sich ein empfundenes Ungleichgewicht im Alltag am Abwasch entzünde.

Das Geschirr ist also häufig nicht das tatsächliche Problem. „Vor allem dann, wenn die Eskalationsstufe in Relation zum Konfliktanlass auffallend hoch ist, ist das ein deutlicher Hinweis auf tiefer zugrunde liegende Themen“, erklärt die Psychologin.

Häufig gehe es um Sexualität, Lebensgestaltung oder Rollenverteilung – mit Folgen für die Dynamik in einer Beziehung: „Sie oder er kann es dem anderen dann im Alltag trotz redlichen Bemühens nicht recht machen, weil die zugrunde liegende Unzufriedenheit alles überstrahlt.“

Auch ein Übergang in eine Elternschaft kann das Konstrukt ins Wanken bringen. Die Psychologin rät, dass Paare vor der Kinderplanung klären sollten, wer welche Aufgaben im Haushalt übernehmen wird. Auch das Plus an Aufgaben und das Manko an Freizeit sollten laut Stelter besprochen und regelmäßig überprüft werden, um eine gerechte Verteilung hinzubekommen.

Streiten ja, aber richtig

Grundsätzlich seien Auseinandersetzungen in einer Beziehung wichtig, stellt die Therapeutin klar, denn sie schaffen im positiven Fall Nähe – vorausgesetzt, sie werden richtig geführt. „Bei einem sich anbahnenden Konflikt braucht es zunächst eine gute Selbstwahrnehmung, um die beginnende Eskalation bei sich zu bemerken“, erklärt Stelter. Dies sei die Voraussetzung, um sich emotional regulieren zu können – was wiederum die Basis für ein fruchtbares Gespräch ist.

Damit eine Auseinandersetzung positiv verlaufen kann, braucht es laut der Expertin einen wertschätzenden Umgang, den Mut zur Offenheit, Verständnis und konstruktive Lösungsvorschläge.

Streit notfalls vertagen

„Wenn das emotional nicht geleistet werden kann, ist es besser, die Auseinandersetzung zu vertagen, Abstand zu gewinnen und sich zu beruhigen“, rät die Paartherapeutin. Das Gespräch sollte danach in Ruhe wiederaufgenommen werden, am besten mit der Vereinbarung friedlicher Gesprächsregeln.

Und was können Paare langfristig tun, damit der Haushalt kein Streitpunkt mehr ist? Auch hierzu hat die Beziehungsexpertin Tipps: „Zunächst gilt es, als Paar eine als fair erlebte Aufgabenverteilung zu finden und zu vereinbaren.“

Idealerweise werden die verschiedenen Aufgabenbereiche den Stärken und Interessen des Paares entsprechend aufgeteilt. Da es in verschiedenen Lebensphasen immer wieder zu Veränderungen kommt, brauche es etwa zweimal im Jahr ein Gespräch darüber, was beibehalten werden kann und was geändert werden sollte.