Bei der Demokratiekonferenz mit interaktiven Workshops in der Stadthalle Göppingen ging es um Themen wie gerechtes Teilen und Chancengleichheit.
Jeder wird gebraucht“, sagte Johannes Heberle, Erster Bürgermeister der Stadt Göppingen, in Anlehnung an ein Wort des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler bei der Demokratiekonferenz in der Göppinger Stadthalle. Man müsse das Bewusstsein für Demokratie stärken, da demokratische Werte unter Druck gerieten. Die Stärkung beginne im Kleinen, wie etwa bei den Vorbereitungen zur Wahl des Göppinger Jugendgremiums. Heberle betonte, dass Göppingen eine offene Stadt sei, die für Vielfalt stehe.
Starke Zivilgesellschaft als Gegenreaktion zum Extremismus
Harald Maas von „Demokratie leben“ erklärte das Bundesprogramm, das gerade heute in Zeiten von zunehmendem Extremismus wichtig sei. Es gehe darum, das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen zu fördern. Maas nannte die Schwerpunkte wie Jugendarbeit und zeigte die Vielfältigkeit der vielen Projekte von „Demokratie leben“. Es brauche eine starke Zivilgesellschaft als Gegenreaktion zum Extremismus.
Am Institut für Rechtsextremismus an der Universität Tübingen, das es seit zwei Jahren gibt, arbeitet Katharina Mayer. Sie stellte die Konzeption des Instituts mit vergleichenden Datenanalysen und Fallstudien vor, deren Schwerpunkt auf den Kommunen liege. Nach einer Bestandsaufnahme, was es alles an Aktionen gebe und wie die funktionierten, werde nach den Gefährdungen geschaut und danach, was wie miteinander zusammenhänge. Schließlich gehe es dann um Ressourcen und Interventionsmöglichkeiten. Die Ergebnisse seien abrufbar.
Für demokratische Entscheidungen braucht es gemeinsame Werte
Wie man unterschiedliche Perspektiven miteinander verbinden könne, sei die Fragestellung gewesen, die zur Entwicklung der Betzavta-Methode geführt habe, sagte Jürgen Schlicher von „Diversity Works“ Duisburg bei seiner Einführung. Hier gehe es darum, wie man das „Miteinander“ (die Wortbedeutung von betzavta) gestalte, indem man sich mit demokratischen Prozessen auseinandersetze. Er teilte Karten aus. Wer die meisten Karten zugewiesen bekam, durfte eine Regel für alle bestimmen. Daran entwickelten die Teilnehmer mit Schlicher zusammen die hauptsächlichen demokratietheoretischen Fragen.
Es brauche zunächst gemeinsame Werte wie in Artikel 1 des Grundgesetzes, bevor man überhaupt demokratische Entscheidungen treffen könne, sowie staatliche Institutionen, die diese schützten. Zusätzliche Fragen wie Mehrheit-Minderheit, Macht kontra Inhalte, Zustandekommen von Mehrheit, Missverständnisse und bestimmte unvorhergesehene Dynamiken kamen von den Teilnehmern.
Mehrheitsentscheidungen schaffen unzufriedene Minderheiten
Danach schlossen sich drei interaktive Workshops mit Anne Kunzmann und Dieter Kunzmann als Betzavta-Trainer an. Sie beschäftigten sich mit den Themen gerechtes Teilen, Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit und mit der Frage, wie man mit der Minderheit umgehe. Schlicher sagte dazu, es gebe durch Mehrheitsentscheidungen immer unzufriedene Minderheiten. Den Fokus müsse man darauf legen, dass keine autoritären Systeme entstünden.
Partnerschaft für Demokratie
Partnerschaft
Die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Göppingen besteht seit 2015 und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert. In Göppingen arbeiten Harald Maas (Bruderhaus Diakonie) und Anja Hermann (Koordinierungs- und Fachstelle) federführend beim Programm.
Referent
Jürgen Schlicher ist Mitbegründer und Geschäftsführer von „Diversitiy Works“, Duisburg. Er leitet bundesweit Ausbildungsprogramme zur „Betzavta-Methode“, was im Hebräischen „Miteinander“ heißt. Für die TV-Dokumentationen „Der Rassist in uns“ (ZDF) und das „Demokratie-Experiment“ (ORF) wurde er ausgezeichnet.