Uwe Hück hat große Pläne: Mit einer neuen Partei will er Deutschland grundlegend erneuern. Foto: dpa/Uli Deck

In Pforzheim hat der ehemalige Porsche-Betriebsratschef eine neue Partei gegründet, die deutschlandweit aktiv sein und zur Bundestagswahl im Herbst antreten will.

Pforzheim - Seit seinem Austritt aus der SPD im Dezember hatte Uwe Hück selbst immer wieder Spekulationen genährt, dass es das noch nicht war mit seiner politischen Laufbahn – nun hat er die Katze aus dem Sack gelassen: Nach einem fortwährenden Streit mit den Pforzheimer Genossen und dem endgültigen Bruch vor Weihnachten gründet Hück nun mit Gleichgesinnten die Partei „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“. Am Freitag stellten Christoph Mährlein, der frühere Vorsitzende der Pforzheimer SPD, Sebastian Haase, der Juniorchef des Möbelzentrums Pforzheim, und eben Uwe Hück ihr Konzept vor – und zwar gerade im Möbelzentrum.

Deutschland müsse grundlegend erneuert werden, argumentiert Hück: Es gebe erhebliche Defizite in der Digitalisierung, die Integrations- und Bildungspolitik sei gescheitert, und das Krisenmanagement der Regierung sei allenfalls mäßig, so der wortgewaltige ehemalige Porsche-Betriebsratschef. Woran er in Pforzheim gescheitert ist, will er nun auf Bundesebene anpacken: Das seiner Meinung nach verkrustete Parteiensystem aufbrechen und eine Politik machen, die nah bei den Menschen sei. Deshalb werde in der „Bürgerbewegung“ zum Beispiel niemand länger als zwei Legislaturperioden sein Mandat innehaben können.

In Pforzheim hatte es viel Kritik an Uwe Hück gegeben

In Pforzheim hatte das Alphatier Hück viele junge Leute in die SPD geholt und wollte eine Erneuerung von innen heraus – doch die etablierten Genossen hatten dies, sicher auch aufgrund der oft undiplomatischen Art Hücks, als unanständige Ursurpation verstanden und sich gewehrt. Man warf Hück vor, im Gemeinderat lautstarke Fensterreden zu halten, die anderen aber die Arbeit machen zu lassen. Am Ende gab Hück auf.

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Allerdings soll die „Bürgerbewegung“ keine „Hück-Partei“ sei, betonten alle Redner am Freitag, auch Hück gab sich für seine Verhältnisse zahm. Tatsächlich will er sich bei der eigentlichen Gründungsveranstaltung am 20. Februar nur als Vize-Vorsitzender aufstellen lassen. Und er strebe grundsätzlich kein Abgeordnetenamt in der neuen Partei an, so Hück: „Damit will ich zeigen, dass ich es ehrlich meine und es mir um die Sache geht.“ Sebastian Haase, bis vor wenigen Tagen CDU-Mitglied, könnte Vorsitzender der neuen Bürgerbewegung werden. Der Rechtsanwalt Christoph Mährlein ist als Kandidat für die Bundestagswahl vorgesehen. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg in zwei Monaten will die Partei nicht antreten – dafür sei die Zeit zu kurz. Allerdings werde man versuchen, im Herbst für alle Landtagswahlen, die zeitgleich mit der Bundestagswahl stattfinden, Kandidaten zu präsentieren.

Die „Bürgerbewegung“ will eine tolerante Partei sein

Schon vor der Gründung der Bürgerbewegung war in dieser Woche in Pforzheim Kritik laut geworden. Der Künstler und CDU-Stadtrat Andreas Sarow machte die Absicht Hücks vor der Zeit öffentlich und warf ihm in den sozialen Medien vor, aus der Verunsicherung der Bevölkerung in diesen Zeiten Kapital schlagen zu wollen. Hücks Rundumschlag gegen die etablierten Parteien sei doch eher im Lager der AfD und der Verschwörungstheoretiker anzusiedeln. Die „Bürgerbewegung“ dagegen grenzt sich in ihrem Gründungsaufruf ab von „plumpen Lösungen wie die Rückkehr zum Nationalismus“. Man sei eine tolerante und konstruktive Partei, in der es keinen Platz für Menschen gebe, die die „Wissenschaft leugnen und herumspinnen“, so Mährlein. Die größte Schnittmenge der Partei sieht Hück allerdings mit der FDP, die ebenfalls für Freiheits- und Bürgerrechte und für den Mittelstand eintrete. In Pforzheim könnte es bald so kommen, dass Uwe Hück mit seinem ehemaligen SPD-Stadtratsmandat der FDP-Fraktion beitritt.

Hück setzt sich seit Jahrzehnten für Jugendliche ein

Eine ehrliche Absicht darf man Uwe Hück jedenfalls unterstellen. Er setzt sich seit Jahrzehnten für benachteiligte Jugendliche ein, etwa als Vorsitzender eines Pforzheimer Sportvereins und in seiner eigenen Lernstiftung. Hück ist selbst im Heim aufgewachsen und weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell man auf der Verliererstraße landen kann.

Und wie immer gibt er sich kämpferisch: „Ich trete nicht an, um eine Splitterpartei zu bleiben.“ Der Gründungsaufruf wurde von 14 Personen unterschrieben, darunter auch Schüler und Azubis, aber allein in Pforzheim habe man ein Potenzial von 200 bis 300 Mitgliedern. Und mit Gruppen in Nordrhein-Westfalen und Berlin gebe es bereits Gespräche bezüglich eines Beitritts.

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