Der Winter macht den Enten zu schaffen. Nur die starken Tiere überleben. Foto: -Zentralbild

Der Dauerfrost macht Wasservögeln zu schaffen. Die Parkseen sind dann oft komplett zugefroren, sodass die Enten keine Nahrung mehr finden.

Stuttgart-West/Büsnau - Peter Gernbacher ist ein Tierfreund und Naturliebhaber. Oft ist der Rentner mit seinem Hund im Rot- und Schwarzwildpark unterwegs. In den vergangenen Tagen waren die dortigen Parkseen komplett zugefroren. Nun macht sich Gernbacher Sorgen um die Wasservögel. „Die finden nichts mehr zu fressen“, sagt der Rentner und ergänzt: „Wenn die Vögel keine freie Wasserfläche finden, können sie nicht überleben.“ An den Seen seien nicht nur die heimischen Stockenten, sondern mittlerweile auch die „wunderschönen Mandarinenten“ zu finden. Zuletzt sei sogar ein Schwan da gewesen. Gernbacher hat Mitleid mit den Tieren. Seit vielen Jahren habe er keine Enten mehr gefüttert. Doch nun habe er wieder damit angefangen. Natürlich dürfe man nicht zu viel und nicht das Falsche füttern. Brezeln oder Süßigkeiten seien schlecht für die Tiere. Aber wenn sich jetzt in den kalten Wintermonaten niemand um die Tiere kümmere, dann müssten diese sterben.

Früher gab es eine Pumpe am Pfaffensee

Das sieht Hans-Hermann Schock genauso. Er ist der Vorsitzende des Württembergischen Anglervereins (WAV), der den Bärensee, den Pfaffensee, den Neuen See und den Katzenbachsee gepachtet hat. Vom Füttern hält er aber nichts. „Das ist ein harter Winter für die Tiere. Aber der Winter ist auch ein natürlicher Auslesefaktor. Die Starken überleben, die Schwachen sterben. Dafür ist die Brut im Frühjahr dann aber besonders widerstandsfähig“, sagt der Angler. Er wundert sich darüber, dass immer mehr Natur gefordert werde, mit Natur aber dann Anlagen wie die Wilhelma gemeint seien, in der Tiere und Pflanzen gehegt und gepflegt werden. „Wenn wir die Enten füttern, weiß ich nicht, ob wir ihnen damit einen Gefallen tun. Sicher, der Mensch ist sozial eingestellt. Die Natur ist es aber nicht. Das muss man so akzeptieren“, sagt Schock. Außerdem hätten die Wasservögel Flügel und damit die Möglichkeit an ein Fließgewässer umzuziehen, das nicht so schnell zufriert.

In früheren Jahren habe es eine Pumpe im Pfaffensee gegeben, sagt Peter Gernbacher. Diese habe dafür gesorgt, dass immer einige Quadratmeter des Gewässers eisfrei geblieben seien. Doch mittlerweile sei diese Pumpe weg. Hans-Hermann Schock kennt die Pumpe. Diese habe es gegeben, so lange die Seen ein Teil der Trinkwasserversorgung gewesen seien. Zum Hintergrund: bis 1998 waren die Seen über das Wasserwerk Gallenklinge in die Stuttgarter Wasserversorgung eingebunden, seitdem wird aber kein Trinkwasser aus dem Bodensee mehr eingeleitet.

Löcher in der Eisfläche können Fischen schaden

Die Pumpe war damit überflüssig. Schock warnt davor, nun während Dauerfrostperioden Löcher in die Eisfläche zu schlagen, um den Wasservögeln zu helfen. „Das Eis wirkt wie eine Membran. Wenn man da draufhaut, überträgt sich der Schall auf die gesamte Oberfläche“, erklärt der Fachmann. Das schrecke die Fische auf und könne diesen schaden. Denn die wechselwarmen Tiere fahren ihre Lebensfunktionen in den Wintermonaten auf ein Minimum herunter. Weckt man sie dann auf, kann das für die Tiere gefährlich werden. „Wir als Anglerverein würden darum nur auf Druck Löcher in das Eis machen“, sagt Schock und ergänzt: „Wir haben eine Hegeverpflichtung und wollen kein Fischsterben befördern.“

Um die Wasservögel brauche man sich keine allzu großen Sorgen zu machen. „Die Vögel haben überlebt, bevor es Menschen gab, die sie gefüttert haben“, sagt der Vorsitzende des Württembergischen Anglervereins. „Tierfreunde sehen das anders“, findet Peter Gernbacher.

Ein Badesee für Stuttgart

Rückkauf Im Oktober war bekannt geworden, dass sich die EnBW, beziehungsweise deren Tochterunternehmen Netze BW, vom Katzenbachsee und dem Steinbachsee trennen will. Bei der Übernahme der Neckarwerke Grundstücks GmbH vor mehr als einem Jahrzehnt hatte die EnBW die Gewässer sozusagen als Dreingabe erhalten. Mittlerweile sind die Seen für das Unternehmen aber nur noch ein Kostenfaktor. Pro Gewässer investiert es jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag in dessen Pflege. Der Württembergische Anglerverein hat bereits Interesse am Kauf beider Seen signalisiert.

Rückkauf Der Vaihinger Bezirksbeirat und das Stuttgarter Wasserforum haben die Stadt aufgefordert, die Seen zu kaufen. Sie würden nach wie vor der Notwasserversorgung dienen, seien wichtig für den Hochwasserschutz und als Naherholungsgebiete. Die SÖS/Linke-plus argumentiert ähnlich. Im Dezember forderte die Gemeinderatsfraktion in einem Antrag den Rückkauf der Seen. Zudem solle die Stadt prüfen, ob einer der beiden als Badesee ausgewiesen werden könnte.

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