In der Bernhäuser Ortsmitte gibt es 112 öffentliche Parkplätze. Diese sind tagsüber zumeist belegt. Foto: Archiv/Thomas Krämer

Die lang erwartete Parkraumanalyse in Bernhausen kommt zu dem Schluss, dass die Parkplätze im Zentrum zwar knapp sind, aber die Wohngebiete nicht übermäßig von Urlaubs- und Messeparkern belastet werden. Wie ist dies zu erklären?

Filderstadt - Laut einer Analyse des Planungsbüros Richter-Richard aus Aachen ist der Parkraum in Bernhausen noch nicht zu 100 Prozent ausgelastet. Die „größeren Dimensionen“ von Urlaubs- und Messeparkern hätten sich nicht bestätigt, sagt Sophia Soetermanns vom Planungsbüro. Allerdings: Die Messungen und Zählungen, aus denen die Analyse entstanden ist, sind im Mai 2019 vorgenommen worden. Außerhalb der besonderen Corona-Pandemiezeit, aber eben auch ausdrücklich abseits von Urlaubszeiten, Ferien oder großen Messen.

Anwohner kritisieren die Messung abseits von Urlaubszeiten

Die Veranstaltung wurde per Live-Stream online übertragen, und einige der anwesenden Anwohner kritisierten gleich: Wie man denn abseits von Urlaubs- und Messezeiten messen könne, wenn doch der Verdacht der Urlaubs- und Messeparker naheliege? Denn jetzt während Corona, so sagte beispielsweise eine Anwohnerin, sei die Lage entspannter – weil der Betrieb an Flughafen und Messe eben nur eingeschränkt laufe.

In der Analyse sind die verschiedenen Bereiche Bernhausens betrachtet worden: Im Innenstadtbereich gebe es 112 Parkplätze im öffentlichen Straßenraum, 541 in Parkhäusern und Tiefgaragen, und 170 auf privaten Parkanlage, wie beispielsweise der Parkplatz des Biomarkts an der Bernhäuser Hauptstraße. Der gesamte Parkraum ist bewirtschaftet, sei es über Parkscheine oder Parkscheiben.

Gerade der öffentliche Straßenraum sei stark nachgefragt, so Sophia Soetermanns: „Um 10 Uhr vormittags haben wir hier mit 107 Prozent die höchste Auslastung.“ Auch über den Rest des Tages läge die Auslastung bei mindestens 90 Prozent. Die Zahl über 100 Prozent lässt sich mit Falschparkern erklären.

Bei den Parkhäusern gibt es noch Kapazitäten

Bei den Parkhäusern und Tiefgaragen dagegen liegt die Auslastung zwischen 60 und 70 Prozent. „Hier sind noch Kapazitäten da“, so Soetermanns. Das Park-and-Ride-Parkhaus sei davon ausgenommen: dieses wurde separat betrachtet und ist zu 100 Prozent ausgelastet – ohne Reserven, und ohne die Option auf Aufstockung. Insgesamt könne man sagen: „Jeder Parkbereich ist mindestens einmal am Tag überlastet.“

Die Kurzparker, die also ihr Fahrzeug maximal eine Stunde lang abstellen, sind dabei in der Mehrheit, mit 60 Prozent. 21 Prozent stellten ihr Auto ein bis drei Stunden ab, und 19 Prozent mehr als drei Stunden. Dies deute daraufhin, dass Pendler hier keine Rolle spielten, eher die Leute, die in Bernhausen einkaufen gehen oder Termine wahrnehmen, so Soetermanns.

In den angrenzenden Wohngebieten rund um S-Bahn und Zentrum sei tagsüber die Auslastung eher gering, sondern nachts am höchsten, mit mehr als 80 Prozent. Hier, so Soetermanns, sei das aktuelle Parkplatzangebot ausreichend.

Ein Konzept zur Parkraumbewirtschaftung soll entwickelt werden

Das sehen viele Anwohner anders, die nach eigener Aussage in den Wohngebieten mit Fremdparkern von Flughafen und Messe zu kämpfen haben. Das müsse, sofern dies der Wunsch sei, in einer separaten Analyse betrachtet werden, sagte dazu Jochen Richard vom Planungsbüro. Nun gelte es erst einmal, eine Lösung für die Parkplatzknappheit im Zentrum Bernhausens zu finden, gerade mit Hinblick auf die Innenstadtentwicklung. Das Konzept, das erarbeitet werden soll, soll künftig flexibel angepasst werden. Die Verwaltung und die Gremien werden sich nun mit den Ergebnissen der Analyse befassen, sagte Oberbürgermeister Christoph Traub. Aber auch die Anwohner sollen weiterhin in die Entwicklung des Konzepts miteinbezogen werden.

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