Der mutmaßliche Parkplatzmöder Detlef S. schweigt weiter vor Gericht. Foto: dapd

Im Prozess um die Parkplatzmorde beschreiben Zeugen den Messer-Angriff auf einen Belgier.
 

Stuttgart - Am fünften Verhandlungstag gegen den mutmaßlichen Parkplatzmörder Detlef S. hat die zuständige Strafkammer des Landgerichts begonnen, den Überfall des Angeklagten auf einen Belgier in Freudenstadt aufzuarbeiten.

Er wäre wohl der wichtigste Zeuge in dem Verfahren, doch auch dieses mal gelang es dem Gericht nicht, den 62-jährigen Belgier nach Stuttgart zu bekommen. Der Geschädigte teilte mit, er weile in Holland. Die Kammer will versuchen, ihn auf einen anderen Termin zu laden.

Die Geschehnisse in Freudenstadt am 6. Juni des vergangenen Jahres lassen sich aber dank mehrerer anderer Zeugen, die am Mittwoch aussagten, rekonstruieren. Das Opfer hatte seinen auffälligen Range Rover an jenem Tag am Rande des Marktplatzes auf einem Busparkplatz in Nähe der Polizeistation geparkt - wohl in der Annahme, dort sei das teure Fahrzeug sicherer.

Zeugin erinnert sich an hellblaue Augen

Drei der Zeugen besuchten damals den Hamburger Fischmarkt im Zentrum der Stadt bei herrlichem Wetter. Ein Paar aus Gernsbach bemerkte plötzlich hinter den stark getönten Scheiben des gabgestellten Range Rover ein Gerangel zwischen zwei Männern. Der Wagen soll dabei gewackelt haben. Allerdings nahm keiner die Sache ernst, bis es ein Hupen gab, das der Belgier bei dem Ringen auslöste. Das Opfer, das dem Angreifer das etwa 30 Zentimeter lange schmale Küchenmesser zu entwinden vermochte, stieg aus seinem Fahrzeug, rief etwas von Überfall. Kurz nach ihm verließ auch der Täter den Wagen über die Beifahrerseite.

In seinem Gesicht stand ein "Verlegenheitslächeln". So zumindest beschreibt es eine Zeugin vor Gericht. "Er hat mich angeschaut. Das waren hellblaue Augen. Sie hatten irgendwas Merkwürdiges", gibt eine weitere Passantin zu Protokoll. Der Täter flüchtete daraufhin schnell.

Passanten waren es auch, die sich zunächst um den stark an den Händen blutenden Belgier kümmerten, seine Wunden mit Papiertüchern versorgten. "Er war schockiert, er hat gezittert", so eine Zeugin. Einem Anwohner habe er anschließend erzählt, dass der Angreifer ihn mit dem Messer bedroht und zum Wegfahren aufgefordert habe.

Angeklagter schweigt weiter eisern

"Wie ist es dem Täter gelungen, den Tatort erfolgreich zu verlassen?", fragt der psychiatrische Sachverständige Peter Winckler eine Zeugin. "Ich glaube, die Leute waren einfach schockiert", antwortet sie. Entkommen konnte der Täter womöglich wegen falschen Schuhwerks eines potenziellen Verfolgers. "Ich hatte Badelatschen an", sagt ein Zeuge, der der Polizei jedoch später den entscheidenden Tipp gab. Ihm war der Mann schon zuvor aufgefallen, wie er mit stechendem Blick auf einer Mauer saß und rauchte. Die Beamten fanden Zigarettenkippen, glichen die DNA mit Spuren ab, die nach dem ersten Mord am 8. Mai 2010 bei Magstadt gefunden wurden.

Nach dem Überfall machte außerdem ein Polizist viele Fotos von Autos, die in Freudenstadt parkten. Auf einem sahen die Ermittler einen dunklen 7er-BMW mit Esslinger Kennzeichen. Ein solcher war auch in Magstadt gesehen worden. Erst über das Freudenstadt-Foto kam die Polizei auf den 56-jährigen Angeklagten, der vor Gericht weiter eisern schweigt. Das Foto verhinderte jedoch nicht den zweiten Mord, den Staatsanwalt Albrecht Braun dem pensionierten Esslinger Postbeamten zur Last legt: Einen Monat nach dem Messerüberfall in Freudenstadt wurde am 2. Juli beim hessischen Mörfelden-Walldorf auf einem Parkplatz der 70-jährige Rentner Friedrich L. mit Kopfschuss ermordet - genau wie zuvor der 30-jährige Heiko S. am Hölzersee.

Der Prozess wird am 11. Oktober fortgesetzt.

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