Gerlingen digitalisiert seine Parkhäuser. Doch Grüne fordern Gebühren auch oberirdisch – was die CDU entschieden ablehnt.
Für Autofahrer mit etwas Geduld ist die Straßenführung in Gerlingens Mitte nur allzu verlockend, um über die Haupt-, Kirch- und Schulstraße einfach so lange im Kreis zu fahren, bis am Straßenrand einer der begehrten Gratisparkplätze frei ist. Mit Parkscheibe, so die Regelung, darf man hier bis zu einer Stunde kostenlos parken.
Die städtischen Tiefgaragen „Stadthalle“, „Schillerstraße“ und „Träuble Areal“, in denen das Abstellen gebührenpflichtig ist, sind demgegenüber allzu oft nur spärlich belegt. Das und vor allem der ständige Parkplatzsuchverkehr ist der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Dem Gemeinderat hat sie deshalb kürzlich den Vorschlag unterbreitet, zum einen mit einem Parkleitsystem für eine besser Auslastung der Tiefgaragen zu sorgen. Zum anderen mit der Umstellung auf eine digitale Parkraumbewirtschaftung, das unterirdische Parken attraktiver zu machen.
Nach Auskunft der Stadt soll das künftige Parkleitsystem aus Ankündigungstafeln an den Zufahrten zur Kernstadt, Wegweisern sowie aus Echtzeit-Belegungsanzeigen im Bereich der Tiefgarageneinfahrten bestehen. Die Umstellung auf digitale Parkraumbewirtschaftung soll in einem ersten Schritt in den Tiefgaragen Stadthalle und Schillerstraße umgesetzt werden. Später auch im Träuble Areal.
Bei der Ein- und Ausfahrt aus der Tiefgarage keine Schranken mehr – auch Parktickets werden überflüssig
Man kennt es vielfach schon aus anderen Städten: Bei dieser Art von Bewirtschaftung gibt es bei der Ein- und Ausfahrt aus der Tiefgarage keine Schranken mehr. Auch Parktickets werden überflüssig. Die Berechnung der Parkgebühr erfolgt vielmehr automatisch mit Hilfe einer Nummernschilderfassung. Bezahlt wird in der Regel an einem Automaten, bei dem man sein Kfz-Kennzeichen eingeben muss.
Der Vorteil einer solchen automatischen Parkdauererkennung liegt auf der Hand: Weil der Nutzer bisher vorab entscheiden muss, für welchen Zeitraum sein Parkschein gültig sein soll, kommt es aktuell häufig zu einem „Überzahlen“, wenn die tatsächliche Parkdauer kürzer ist. Künftig wird indes genau der Zeitraum berechnet, in dem geparkt wurde. Aktuell kosten zwölf Minuten in den Tiefgaragen zehn Cent, das soll auch so bleiben. „Schwarzparker“ haben indes keine Chance mehr. Ihnen flattert künftig automatisch ein Strafzettel ins Haus. „Der Kontrollaufwand für die Stadt entfällt“, so die Verwaltung.
Wer überzieht, muss mit einer Strafe rechnen – und die kann schnell richtig teuer werden
Wichtig zu wissen: Die Bewirtschaftung soll in Gerlingen in städtischer Hand verbleiben. Auch diese Erfahrung hat manch Autofahrer schon andernorts gemacht: Liegt die Bewirtschaftung von Parkplatzflächen in privater Hand, kann es bei Verstößen wie zum Beispiel einer Überziehung der Maximalparkdauer schnell richtig teuer werden.
Wie die Stadt weiter informiert, sollen die ersten beiden Tiefgaragen bereits in den kommenden Sommerferien mit dem digitalen Bewirtschaftungssystem ausgestattet werden. Die Verwaltung erhofft sich, dass sich die Installierungskosten in Höhe von rund 100 000 Euro nach rund vier Jahren durch Mehreinnahmen amortisieren, weil künftig niemand mehr, ohne zu bezahlen, in den Tiefgaragen sein Auto abstellen kann. Besitzer von Privatparkplätzen werden durch das System herausgefiltert.
Im Gemeinderat traf der Vorstoß auf einhellige Zustimmung. Stadtrat Björn Maier (Grüne) gab gleichwohl zu bedenken, dass das Ziel, die Tiefgaragen besser auszulasten und den Parkplatzsuchverkehr in der Stadt einzudämmen, nicht funktionieren könne, „wenn oberirdisch weiterhin kostenlos geparkt werden darf“. Er fordert deshalb, dass „in einem zweiten Schritt schnell die Parkraumbewirtschaftung im Innenstadtkreis angegangen wird“.
Genau das würde CDU-Fraktionschef Christian Haag gerne vermeiden. Der Stadtrat betonte, dass die Stadtmitte „für alle Verkehrsteilnehmer auch kostenfrei erreichbar bleiben muss“. Das sei Teil „einer attraktiven Innenstadt“, begründet Haag. Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos) kündigte an, dass die Stadtverwaltung dieses Thema, wie im Mobilitätskonzept angelegt, in einem zweiten Schritt „anschauen und bearbeiten“ werde.