Sperrgut auf dem Parkplatz auf dem Waldfriedhof. Foto: Maike Woydt

Der Parkplatz am Waldfriedhof ist für Sperrmüllsammler offenbar ein guter Ort, um ihre Ausbeute zu sichten und zu sortieren. Friedhofbesucher und Spaziergänger beklagen sich über die Überbleibsel, die Polizei kann dies indes so nicht bestätigen.

Degerloch - Christa Sickler ist am Wochenende häufig am Waldfriedhof, weil sie dort die Ruhestätten ihrer Verwandten pflegt. Noch bevor sie sich der Grabpflege widmen kann, kommt es immer wieder vor, dass sie sich ärgert. „Schon seit Jahren sehe ich dort auf dem Parkplatz die Sprinter der Sperrmüllsammler stehen“, sagt Sickler. Diese seien meist aus Polen oder Ungarn und würden mit dem Handel von Sperrmüll Geld verdienen. Doch das sei für sie nicht das Problem.

Sie stört vielmehr, dass sie selbst vor ihrer Wohnung Stellplatzgebühren bezahlen muss, während die Sperrmüllsammler diese geschickt umgehen würden, wenn sie auf dem Parkplatz am Waldfriedhof in ihren Sprintern übernachten. Zudem, sagt Sickler, würden die Sammler den Parkplatz oft vermüllt hinterlassen. „Immer wieder liegt danach dann Sperrmüll und anderer Abfall herum“, sagt sie.

Der Polizei ist das Problem bekannt

Dass sich auf dem Parkplatz am Waldfriedhof immer wieder Sperrmüllsammler treffen, um dort ihre Funde zu sichten und zu sortieren, ist bei der Polizei bekannt. „Insgesamt wurden uns 2013 drei Fälle gemeldet“, sagt Jens Lauer von der Polizei Stuttgart. Seine Kollegen würden dort inzwischen rein prophylaktisch vorbeifahren, wenn in Stuttgart und Umgebung Sperrmüll sei. Schließlich sei ein Parkplatz kein Campingplatz. „Wenn es sich nur um eine Nacht handelt, drücken wir ein Auge zu“, sagt Lauer. „Die Fahrer sollen lieber die Ruhe- und Lenkzeiten einhalten, bevor noch etwas Schlimmeres passiert und womöglich Unschuldige verletzt werden.“

Auch vom Müll auf dem Parkplatz weiß die Polizei. Allerdings sei es schwer nachweisbar, dass die Sperrmüllsammler dafür verantwortlich sind. Es handele sich um einen öffentlichen Parkplatz, der viel genutzt werde. Teilweise ruhen sich dort andere Lastwagenfahrer aus. Da könne praktisch jeder der Übeltäter sein, sagt Lauer.

Mit Sperrmüllsammlern gesprochen

Silvia Baumann hingegen hat schon öfters Müll auf dem Friedhofsparkplatz liegen sehen. Sie geht dort oft mit ihren beiden Hunden spazieren. Sie vermutet, wie Christa Sickler, dass der Müll und auch die Möbel teilweise von den Sperrmüllsammlern stammen. „Die meisten Möbel nehmen sie aber wieder mit“, sagt Baumann. Sie gehe davon aus, dass die Sammler alte, wertvoll erscheinende Schränke und Kommoden restaurieren und wieder verkaufen. Baumanns Begleiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat mit den Sperrmüllsammlern sogar schon öfter gesprochen. „Das sind sehr nette Menschen“, sagt der Mann. „Ich glaube nicht, dass die hier ihren Müll liegen lassen.“

Fakt ist, dass Jahr für Jahr Möbel und anderes Sperrgut auf dem Parkplatz am Degerlocher Waldfriedhof herrenlos herumstehen. Das belegen die Zahlen des städtischen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). „Ein- bis zweimal im Jahr werden rund drei bis fünf Kubikmeter an Sperrmüll eingesammelt und entsorgt“, sagt Anette Hasselwander von der AWS. Das entspricht einem Volumen von circa fünf Kommoden. In diesem Jahr, sagt Hasselwander, habe sich die Polizei jedoch noch nicht gemeldet.

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