In Altdorf (Kreis Böblingen) wird ein neues Baugebiet erschlossen. Anwohnern stoßen die Bauarbeiten auf, weil Parkplätze an der Straße wegfallen. Die Kommune verteidigt ihr Vorgehen.
„Es ist ein Desaster!“ – so beschreibt eine Anwohnerin der Römerstraße in Altdorf (Kreis Böblingen) die Bauarbeiten, die derzeit in ihrer Straße stattfinden. Auf der einen Straßenseite ist der Gehweg aufgerissen, auf der anderen lagern Steine und andere Baumaterialien. Die Anwohner ärgern sich über den Wegfall der Parkmöglichkeiten vor ihren Häusern.
Hintergrund der Aufregung sind zwei zeitgleich laufende Baustellen. Einerseits lässt die Kommune ein neues Baugebiet erschließen, andererseits werden Strom- und Internetleitungen verlegt – beides hauptsächlich für das Neubaugebiet. Im Dezember 2024 hat der Altdorfer Gemeinderat den Bebauungsplan für das Neubaugebiet Rappenäcker Ost beschlossen. Auch die Böblinger Baugesellschaft (BBG) plant dort laut ihrer Webseite zwei Mehrfamilienhäuser.
Grundstücke teilweise nicht erreichbar
Seit Montag, 23. März, ist das Parken am Straßenrand in der Römer- und Teilen der Alemannenstraße verboten. Mindestens zwei Autos sind bereits abgeschleppt worden. In der Finkenstraße ist der Straßenbelag teilweise abgetragen worden. Vorher habe es dort fünf Stellplätze gegeben, sagt eine Anwohnerin.
Was den Anwohnern ebenfalls aufstößt, ist der Informationsfluss zwischen Gemeinde, Bauunternehmen und ihnen. „Wir haben am 4. März einen Zettel im Briefkasten gehabt“, sagt eine Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in der Römerstraße. Darin heißt es, während der Verlegung der Versorgungsleitungen für die neuen Wohnhäuser sei die Zufahrt zu den Grundstücken größtenteils nicht möglich. „Sie haben gesagt, dass wir informiert werden, wenn wir nicht mehr auf unsere Parkplätze können“, beschwert sich eine weitere Nachbarin. Das sei nicht passiert.
Energiewende zwingt auch in Altdorf zum Handeln
Die Altdorfer Gemeindeverwaltung weist die Vorwürfe zurück. Es sei im Mitteilungsblatt und durch die beauftragte Firma informiert worden. Dass während der Erschließung im bestehenden Wohngebiet die Parkplätze knapp werden, ist aber auch im Rathaus bekannt. „Der Druck ist überall in Altdorf spürbar“, sagt Hauptamtsleiterin Karin Grund.
Auch Bürgermeister Erwin Heller (parteilos) sagt, er bedauere die Einschränkungen, aber sie seien nötig. „Bedingt durch das Baugebiet brauchen wir eine neue Trafostation“, sagt er. E-Ladesäulen und die Tatsache, dass weniger mit Öl und Gas geheizt wird, sondern mit Strom, stecken hinter der Notwendigkeit. „Der Bedarf steigt, die Netze müssen immens ausgebaut werden. Das ist die Energiewende, die müssen wir einfach schaffen.“
Altdorfer Verwaltung hofft auf baldigen Baustart
Die Trafostation sei auch der Grund, warum die Straßenoberfläche an der Ecke Römerstraße/Finkenstraße noch nicht erneuert wurde. In Kürze soll ein Schwerlasttransport anrollen. Der könnte eine frische Straße beschädigen.
Die Gemeinde hofft auf einen baldigen ersten Spatenstich. Der Gemeinderat hat jüngst den Bauturbo der Bundesregierung angewandt, um das Baugesuch für das größte der fünf Baufelder zu beschließen. Hier sollen 27 Wohneinheiten entstehen, mit insgesamt 42 Parkplätzen. Das gesamte Gebäude soll unterhöhlt werden. „Es werden zwei Stellplätze mehr gebaut, als eigentlich vorgeschrieben sind“, erklärt Grund.
Bis dahin, appelliert die Gemeinde, müssten sich die Anwohner andere Parkplätze suchen – beispielsweise im Seeweg, in der Birkenstraße oder am Sportplatz. Die weiteren Wege müsse man nur kurz in Kauf nehmen, denn bis Ende April soll die Erschließung des Neubaugebiets abgeschlossen sein.