Helge Mohr ist Parkour-Trainer und Bewegungstherapeut. Foto: Fatma Tetik

Erfolgreiches Angebot im Stuttgarter Osten: Beim Turnerbund Gaisburg gibt es einen Parkour-Kurs.

S-Ost - Die Trendsportart Parkour erlebt spätestens seit der rasanten Verfolgungsszene in dem James-Bond-Film „Casino Royale“ einen weltweiten Boom, der insbesondere junge Leute anspricht. Einfach ausgedrückt ist Parkour eine Bewegungskunst, bei der es darum geht, möglichst effektiv, schnell und kunstvoll von A nach B zu kommen. Der Turnerbund Gaisburg (TBG) bietet die Sportart seit November Jahres an. Trainiert wird jeden Freitagabend in der Turnhalle der Grundschule Gaisburg.

„Anfangs waren wir skeptisch, ob das Angebot gut ankommt“, erklärt die geschäftsführende Präsidentin des Vereins, Miriam Probst. Was zunächst als Testlauf gedacht war, wird nun aber aller Voraussicht nach fester Bestandteil des TBG-Kursangebotes und soll weiter ausgebaut werden. Das Angebot hat bei zahlreichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eingeschlagen wie eine Bombe.

Keine Vorkenntnisse nötig

Das liegt hauptsächlich an Helge Mohr. Der 28-jährige gebürtige Hesse leitet den Parkour-Kurs. Seine Begeisterung für die Trendsportart, die er mit Elementen aus dem Tricking, Breakdance und Capoeira ergänzt, hat sich im Blitztempo auf die 16 Teilnehmer übertragen. Vorkenntnisse im Parkour hatte keiner der Sportler. „Für Parkour braucht man keine speziellen Voraussetzungen“, sagt der Profi, der selbst seit seinem 19. Lebensjahr trainiert. Die Grundtechniken, einfache Hindernisse zu überwinden, erlerne man relativ schnell, so Mohr.

Im Laufe des Kurses geht es darum, die Fähigkeiten auszubauen, indem man höher, weiter und schneller springt oder klettert. Springbock, Holzkasten und Reck werden mit Präzisionssprüngen, Saltos und Drehungen überwunden. Immer und immer wieder nehmen die Athleten Anlauf, um sich zu steigern und neue Bewegungen in ihre Sprünge einzubauen.

Für Beobachter sehen die waghalsigen Sprünge oft riskant und gefährlich aus. „Bisher hat sich noch keiner ernsthaft verletzt“, betont Miriam Probst. Kleinere Blessuren und Verstauchungen nehmen die Teilnehmer in Kauf. „Ich hab mir am Anfang öfter mal die Zehen angeschlagen oder bin auch mal gegen eine Wand geknallt“, berichtet der 14-jährige Finn. Inzwischen sind seine Bewegungen perfektioniert. Aus dem Stand heraus absolviert er Rückwärtssaltos oder mehrfache Drehungen über den Bock. „Anfangs kostet es Überwindung, aber wenn man es geschafft hat, fühlt es sich richtig gut an“, erklärt sein Freund Looka.

Angst ist laut Helge Mohr fehl am Platz. „Dadurch versteift sich die Muskulatur und der Sprung misslingt.“ Um einen kunstvollen Sprung absolvieren zu können, sei Körperspannung zwar wichtig, der Geist müsse aber vollkommen ruhig sein.

Eher eine Philosophie und Lebenseinstellung

Für Helge Mohr ist Parkour eher eine Philosophie und Lebenseinstellung. „Es geht darum, sich und seinen Körper mit all den Fähigkeiten kennenzulernen, an seine physischen und seelischen Grenzen zu gehen“, so Mohr. Den Teilnehmern des Kurses geht es unterdessen in erster Linie um die Action und den Spaß an der Trendsportart.

Die beiden Freunde Finn und Looka trainieren inzwischen auch außerhalb der Turnhalle. „Wir suchen uns immer wieder neue Challenges in der freien Natur“, sagt der 16-jährige Looka. Bänke, Mülltonnen oder Mauern, die sich ihnen in den Weg stellen, werden kunstvoll überwunden. Helge Mohr erklärt, dass das Training auf Dauer das Selbstvertrauen und die Selbsteinschätzung der Teilnehmer stärke. „Sie nehmen ihre Umgebung anders wahr und können Gefahren im realen Leben besser einschätzen“, so der Parkour-Trainer.

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