Wer hier vergisst, seine Parkscheibe aufs Armaturenbrett zu legen, der muss ein Bußgeld befürchten. Foto: Thomas Krämer

Anwohner sehen es gern, wenn Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdienstes unterwegs sind. Mit mehr Kontrollen und einem neuen Konzept sollen die Wohngebiete in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) von Falschparkern entlastet werden.

Leinfelden-Echterdingen - Die Parkscheibe? Fehlt bei diesem Auto. Auch wenn sie Vorschrift ist, wenn man hier im Zentrum von Echterdingen an der Bernhäuser Straße parkt. Bettina Müller (Name von der Redaktion geändert) wirft zusätzlich noch einen Blick durch die Seitenfenster, schaut auf den Sitz des Fahrzeuges. Auch dort ist keine blaue Scheibe zu sehen. Dann zückt die Mitarbeiterin des Gemeindevollzugsdienstes (GVD) von Leinfelden-Echterdingen ihr Smartphone, gibt die Daten des Fahrzeugs ein, notiert Uhrzeit und Standort, macht zusätzlich ein paar Fotos, drückt den virtuellen Knopf auf dem Display. Kurz darauf kommt ein schmales Papierband aus dem mobilen Drucker an ihrem Gürtel. „Verwarnung“ steht darauf, der Begriff „Ordnungswidrigkeit“ und der Betrag von zehn Euro, der an die Stadtkasse entrichtet werden muss. Für Parken ohne die vorgeschriebene Parkscheibe.

Eine solche liegt zwar hinter der Windschutzscheibe des daneben stehenden Fahrzeugs. Doch das wurde vor bereits knapp zwei Stunden dort abgestellt. Erlaubt ist in dieser Parkzone nur eine halbe Stunde. Und eine andere Autofahrerin, die gerade ihren Wagen abstellt, hat keine Parkscheibe und bekommt diese von Müllers Kollegin geschenkt, die seit März bei der Stadt arbeitet und auf ihre neue Aufgabe vorbereitet wird: Parksünder erwischen.

Für Fluggäste ist es meist eine einfache Rechnung

Alltag für Müller und ihre Kollegen, die tagtäglich auf den Straßen der Filderkommune unterwegs sind. Und das vor allem in den Ortskernen sowie in den Wohngebieten rund um die S-Bahnhöfe. Dort, wo man schnell einmal in die Geschäfte huscht und die Scheibe vergisst. Oder eben da, wo man sein Auto abgestellt hat, weil man sich zusätzlich zum Flug in den Süden die Parkgebühren am Flughafen nicht mehr leisten kann oder will. „Bei jedem dritten oder vierten Fahrzeug, das wir kontrollieren, gibt es etwas zu bemängeln“, sagt Bettina Müller.

Vor allem in den Wohngebieten sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gerne gesehen. „Schön, dass ihr da seid“, so etwas bekomme sie oft zu hören. Sogar Einladungen zum Kaffee oder Eis gab es – „dürfen wir natürlich nicht annehmen“, sagt Müller. Sie bekämen auch Tipps, wo Autos mit fremden Kennzeichen schon lange stehen. Was nicht immer illegal ist, da man mittlerweile bei einem Umzug sein Fahrzeug nicht ummelden muss. Dazu kommen Dienstfahrzeuge von Anwohnern, die am Firmensitz zugelassen wurden. Und wenn der Anwohnerparkausweis fehlt? Dann werden zehn Euro fällig. Ein Betrag, der laut Bundesgesetz auf maximal 20 Euro steigt, auch wenn man sein Fahrzeug zwei Wochen illegal im Wohngebiet abstellt und unterdessen am Strand auf Mallorca liegt. Kosten, die deutlich unter den Gebühren auf den Flughafen-Parkplätzen liegen und die Übertretung attraktiv machen.

Abgeschleppt wird selten

Sofort abgeschleppt wird nur dann, wenn Feuerwehrzufahrten oder Behindertenparkplätze blockiert sind. Sonst muss „Parkdruck“ nachgewiesen werden, was für die Kommune bei der derzeitigen Gestaltung des Parkkonzepts schwierig ist und sie vielleicht am Ende auf den Abschleppkosten sitzenbleibt.

Persönlich wurde sie auf der Straße noch nie angegangen. „Das passiert nur am Telefon“ sagt Müller, die meist ein bis zwei Stunden am Tag den „ruhenden Verkehr“ kontrolliert, sich dann anderen Aufgaben zuwendet. Im Gegensatz zu ihrer neuen Kollegin, die sich ausschließlich um Parksünder kümmern soll.

Das neue Konzept wird nun getestet

„Die Menschen haben wahr genommen, dass der Kontrolldruck in den vergangenen Jahren nicht besonders hoch war. Der wurde jetzt erhöht, nachdem eigens drei neue Mitarbeiter eingestellt wurden“, sagt Ordnungsamtsleiter Gerd Maier.

Und es wird sich noch mehr ändern. Der Gemeinderat hat in der Sitzung am Dienstag einstimmig die neue Parkraumkonzeption verabschiedet. Nach und nach sollen in der gesamten Kommune, mit Ausnahme von Stetten und Musberg, kleinräumigere Parkzonen geschaffen und Anwohner-Parkausweise gebührenpflichtig werden. Das erste Gebiet, in dem das Konzept eingeführt und ausprobiert werden soll, ist das durch Flughafenparker besonders betroffene Gebiet Gärtlesäcker am S-Bahn-Halt in Echterdingen. Dann könne auch eher abgeschleppt werden, ergänzt er. Eine Hoffnung, die auch die Anwohner haben.

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