Die Wilhelma erzielt seit zwei Jahren mit den neuen Parktarifen ein deutliches Plus. Foto: Archiv

Die Erhöhung der Parkgebühren vor zwei Jahren in der Wilhelma löste eine Welle des Protests aus. Jetzt zeigen Zahlen: Der Zoo erzielt Mehreinnahmen. Das passt nicht jedem. Warum?

Vor zwei Jahren hat die Wilhelma die Parkgebühren massiv angehoben. 18 Jahre lang waren sie zuvor stabil geblieben. Zunächst schaffte der zoologisch-botanische Garten im März 2024 den Stundentarif für einen Euro ab und bot nur noch eine Tagespauschale für acht Euro in dem rund 800 Parkplätze umfassenden Parkhaus an. Dass Drehen an der Preisschraube wurde mit gestiegenen Personal- und Betriebskosten begründet. Nach heftigen Protesten ruderte das Management um Direktor Thomas Kölpin zurück und bot eine weitere Pauschale an: drei Stunden parken für fünf Euro.

 

Die Erhöhung spülte dem defizitären Landesbetrieb zusätzliches Geld in die Kasse. Dies geht aus einer der Redaktion exklusiv vorliegenden Antwort des Finanzministeriums auf eine Landtagsanfrage des FDP-Abgeordneten Friedrich Haag hervor. Die Wilhelma erzielte demnach 2024 Mehreinnahmen in Höhe von 693.343 Euro und in diesem Jahr bis zum 25. November in Höhe von 585.625 Euro.

Haag monierte: „Die Zahlen zeigen deutlich: In der Wilhelma werden Autofahrer massiv belastet. Einnahmensteigerungen von bis zu 75 Prozent haben mit fairen Parkgebühren nichts mehr zu tun.“ Die Abschaffung des stündlichen Parktickets treffe vor allem Familien aus dem ländlichen Raum und ältere Menschen, die auf das Auto angewiesen seien. „Überzogene Parkgebühren dürfen nicht zu einer Zugangshürde werden und Besucher vom Wilhelma-Besuch abhalten.“

FDP-Politiker fordert faire Parkgebühren am Zoo in Stuttgart

Viele Besucher steuern die Wilhelma mit dem Auto an. (Archivbild) Foto: imago/Arnulf Hettrich

Der Stuttgarter FDP-Abgeordnete fordert „faire, transparente Tarife und die Wiedereinführung gestaffelter Stundentickets. Die Wilhelma darf kein Luxusangebot werden, sondern muss für alle Besucher bezahlbar bleiben – unabhängig vom Einkommen und Wohnort.“

Georg Fundel: Flexibles Modell könnte höhere Einnahmen für Wilhelma bringen

Schon die Einführung des neuen Parktarifs hatte für viel Kritik und Diskussionen gesorgt. Auch durch Mitglieder des rund 36.000 Mitglieder starken Fördervereins der Wilhelma. Vereinschef Georg Fundel hatte den Kompromiss von fünf Euro für drei Stunden begrüßt. Jetzt erklärt er auf Nachfrage: „Seit der Veränderung der Parkgebühren gibt es keine beziehungsweise kaum noch Beschwerden. Wenn die Wilhelma Mehreinnahmen erzielt hat, dann ist es erfreulich. Sie könnten noch höher sein, würde man ein flexibles Modell handhaben.“

Massiven Widerstand gab es vor zwei Jahren auch von Seiten des Bezirksbeirats Bad Cannstatt. Hier hatte die FDP-Bezirksbeiratsfraktion die Wiedereinführung der Stundentarife gefordert. Auch andere Jahreskartennutzer aus der Region hatten sich negativ zu Wort gemeldet.