Der Abbruch der Rathausgarage hat die Debatte über die richtige Zahl von Parkplätzen in der Stadt neu belebt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Betreiber von Parkhäusern in der Innenstadt sprechen von steigenden Preisen und Parkdruck. Die Stadtverwaltung hingegen spricht von relativ geringer Auslastung.

Stuttgart - Was kostet das Parkticket? Für viele Besucher der Stadt die wichtigste Frage beim Samstagsshopping. Nach dem Ende der Rathausgarage und dem Wegfall der letzten kostenlosen Stellplätze in der Innenstadt keimt der Streit über die Auslastung öffentlicher Parkhäuser in der City erneut auf. Der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz geißelt im Internet die grüne Verkehrspolitik, und die Betreiber großer Parkhäuser berichten von steigenden Gebühren. Die Stadt hingegen behauptet, es mangle nicht an Parkplätzen. Doch ihre Zahlen sind fünf Jahre alt.

„Alles voll und die Autos stehen mit laufenden Motoren ewig in der Schlange und produzieren Feinstaub“, schreibt Alexander Kotz auf seiner Facebook-Seite. Die Bilder zum Eintrag zeigen Staus an der Einfahrt einiger Parkhäuser. Schuld daran sei die grün-rote Verkehrspolitik und der Abriss der Rathausgarage, schreibt er.

Garagenbetreiber registrieren mehr Kundschaft

„Der Wegfall von Parkmöglichkeiten, sowie die Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung auf öffentlichen Flächen durch die Stadt Stuttgart hat zur Folge, dass eine steigende Kundenfrequenz in den öffentlichen Parkgaragen zu verzeichnen ist“, bestätigt Gebhard Hruby, der Geschäftsführer der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW), einem der großen Anbieter in der Stadt. Auch die Preise habe man seit vergangenem Sommer „in einzelnen Parkgaragen moderat angepasst“, so Hruby . Die PBW betreibt zwölf öffentliche und 34 Behördengaragen mit insgesamt 3915 Stellplätzen.

Der Marktführer Apcoa ordnet die Situation ähnlich ein. „In Stuttgart besteht ein ­gewisser Parkdruck, insbesondere zu den Stoßzeiten“, erklärt der Unternehmenssprecher Sebastian Merkle. Die eigenen Parkhäuser seien daher gut ausgelastet. „Spitzenzeiten liegen vor Brückentagen, am Freitagnachmittag und an Samstagen sowie am Monatsanfang und Monatsende, wenn die Menschen ihr Gehalt für Einkäufe ausgeben“, erklärt Merkle. Apcoa bewirtschaftet 21 Garagen in Stuttgart mit mehr als 7000 Plätzen. Hinzu kommen 10 000 Parkplätze an der Messe und 17 000 am Flughafen. Zu den eigenen Tarifen will Merkle keine konkreten Angaben machen, nur so viel: „Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren abhängig von der Lage und Nachfrage in den einzelnen Objekten entwickelt und sind marktgerecht“, so der Sprecher. Die Stadt selbst hatte zum 1. Oktober 2015 die Preise für das Straßenparken nach mehreren Jahren erhöht – auf 3,50 Euro pro Stunde.

Stadt rechnet mit alten Zahlen

Die Auslastung der Parkhäuser hat auch die Gemeinderäte bei den Beratungen zum Abriss der Rathausgarage beschäftigt. „Man muss sich eben damit abfinden, dass man zu Stoßzeiten nicht immer und überall einen Parkplatz findet“, erklärt die Fraktionschefin der Grünen, Anna Deparnay-Grunenberg. Sie fügt an: „Ich war im Übrigen davon überrascht, wie gering die Auslastung der Parkhäuser in der Stadt tatsächlich ist.“

Deparnay-Grunenberg bezieht sich damit auf einen Bericht der Verwaltung zum Thema. Darin spricht die Stadt von einer Auslastung der Parkhäuser an Wochentagen von 68 Prozent. Auf die Frage, auf welcher Basis die Stadt den Parkhäusern in der City eine derart überschaubare Auslastung attestiert, heißt es aus der Pressestelle: „Unsere aktuellsten Zahlen zu diesem Thema stammen aus dem Jahr 2011.“ Und: Das sei mutmaßlich die Basis für die Darstellung der Situation im Gemeinderat gewesen. Zu diesem Zeitpunkt waren aber weder die Einkaufszentren Gerber und Milaneo eröffnet, noch war das Parkhaus am Oppenheimerplatz wegen des Umbaus des ehemaligen Karstadt-Gebäudes bereits geschlossen. Auch weitere Neuerungen im Handel wie etwa Globetrotter im bis dato wenig belebten Tübinger Carré mit seinen 5000 Quadratmetern hatten 2011 noch nicht eröffnet.

Handel setzt auf das Auto

Stuttgarts Citymanagerin Bettina Fuchs sagt: „Ich bin mir nicht sicher, ob ausreichend Parkplätze vorhanden sind. Jedenfalls werden die Stellplätze, die es gibt, nicht gut und schnell gefunden.“ Wenn man zwei große Einkaufszentren in die Stadt hole, müsse man mit Zusatzverkehr rechnen. „Dafür braucht es ausreichend Stellplätze.“ Das Auto spiele für den Handel jedenfalls eine große Rolle. „Die Händler sind auf Kunden, die mit dem Auto kommen, angewiesen.“

Es sei gut, so Fuchs weiter, dass die Stadt Mittel für den Ausbau des Parkleitsystems bereitgestellt habe. Zudem müsse der öffentliche Nahverkehr bequemer und besser werden. „Ich denke etwa an einen Gepäck­service für die Einkäufe oder an vernünftige ­Toiletten“, sagt die Citymanagerin.

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