Parkhaussanierungen wie hier in Sindelfingen sind teuer und nervenaufreibend. Foto: factum/Granville

Dutzende Parkhäuser und Tiefgaragen im Land werden durch Streusalz zu Bauruinen gemacht. Oft bleibt nur noch der Abriss. Doch was kommt dann? Die Konzepte sind unterschiedlich.

Stuttgart - Die Stuttgarter Rathausgarage ist bereits abgerissen und das LKA-Parkhaus nicht mehr standsicher. Auf die Anwohner kommt monatelange Großbaustellenakustik zu, auf die Autofahrer eine quälende Parkplatzsuche – und auf Stadt und Land Kosten von vielen Millionen Euro. Die Landeshauptstadt ist mit solchem Jammer nicht allein. Die Liste der Städte, in denen sich Parkhäuser in Betonruinen verwandelt haben, ist lang: Heidenheim, Biberach, Ravensburg, Marbach, Nürtingen, Offenburg, und es nimmt kein Ende. In Überlingen ist vor drei Jahren das Parkhaus West zum Sanierungsfall geworden – der Bau war gerade mal 14 Jahre alt.

Der Übeltäter ist überall derselbe: Chloridkorrosion, auch Lochfraß genannt. Autos schleppen im Winter mit Auftausalz belastetes Wasser in die Parketagen. Das darin enthaltene Chlorid dringt in Betonrisse ein und lässt die darunter liegende Stahlbewehrung verrosten. Bis das bemerkt wird, ist es für Kleinreparaturen oft zu spät. Ein ganzer Zweig der Baubranche hat sich auf das lukrative Geschäft eingestellt. Nach einer verbreiteten Methode wird der Beton mit bis zu 3000 Bar Wasserdruck von den Stahlgerippen gefräst.

Vor 2001 gebaute Parkgaragen sind potenziell gefährdet

Nach Angaben des Tüv Süd mit Sitz in München sind bis zur Jahrtausendwende die Stahlbetonteile von Parkhäusern und Tiefgaragen nicht abgedichtet oder beschichtet worden. Erst 2001 griff eine DIN-Norm, wonach Bauteile mit einer Beschichtung gegen Chloridkorrosion versehen werden mussten. Allerdings, so der Technische Überwachungsverein, waren diese ersten Beschichtungen auch nicht abriebfest genug. Erst seit etwa fünf Jahren gehörten sehr harte, kunstharzbasierte Oberflächenschutzsysteme zum Stand der Technik beim Bau von Parkhäusern.

Das bayerische Neu-Ulm gehört zu den Städten, für die der Schutz etwas zu spät kam. Das Parkhaus am Bahnhof ist nicht einmal 19 Jahre nach Eröffnung ein Totalschaden. Weil die Standsicherheit fehlt, ist der Bau mit knapp 400 Stellplätzen seit Mai vergangenen Jahres geschlossen. Der Gemeinderat entschied mittlerweile, das Parkgerippe zugunsten einer ästhetischen Innenstadtentwicklung verschwinden zu lassen und stattdessen zusammen mit einem Investor auf einem benachbarten Grundstück eine Tiefgarage zu bauen. Bis zu 11,7 Millionen Euro soll der finanzielle Beitrag der Stadt betragen.

Städte bauen in die Tiefe – wenn es Baugrund und Kasse erlauben

Tiefgarage statt Parkhaus – das ist ein Trend bei der kommunalen Planung, wenn auch ein teurer. Im benachbarten Ulm hat sich der Gemeinderat nach hart geführter Debatte für eine zusätzliche Tiefgarage vor dem Hauptbahnhof und gegen ein Parkhaus ausgesprochen. Gebhard Hruby, Geschäftsführer der landeseigenen Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW), sagt, es müssten schon „besondere Bedingungen vorliegen, dass man so was macht. Ein Tiefgaragenstellplatz ist dreimal so teuer wie ein Parkhausstellplatz.“ Das Land besitzt zur Versorgung der Landesbediensteten 80 Parkhäuser und Citygaragen­ sowie 120 Behördengaragen im Südwesten – auch das marode LKA-Parkhaus. Und die nächsten „zwei bis drei Sanierungen“ seien bereits absehbar.

Für Geschäftsführer Hruby hat die Zukunft des Parkens vor allem technische Aspekte­. Der Einbau von LED-Leuchten sei längst obligat, das Verlegen von Elektroanschlüssen für E-Autos jederzeit möglich, da die Leitungen auf der Wand verlegt werden können. Doch längst ist nicht alles durchdacht. „Das Parkhaus muss digitaler werden“, fordert der PBW-Chef. „Nehmen Sie eine Tiefgarage. Dort haben Sie keinen Handyempfang.“ Der Anschluss an das D-1-Netz koste rund 10 000 Euro und der an das GSM-Netz rund 70 000 Euro. Das sei unbezahlbar. „Deshalb bin ich am Überlegen, ob wir offenes WLAN in die Parkhäuser bringen, damit die Leute kommunizieren können, um sich zum Beispiel mit dem Smartphone über ÖPNV-Anbindungen zu informieren.“ Auch erste Tests mit elektronischen Reservierungsplattformen für Parkhäuser habe es schon gegeben.

Die Landesarchitektenkammer gibt regelmäßig Anregungen

Was seitens der Kommunen im Einzelfall getan wird, hängt vom Horizont der Rathausplaner und dem Finanzrahmen ab. Masterpläne gibt es nicht. Beim Städtetag Baden-Württemberg heißt es, das Thema habe noch nie auf irgendeiner Tagesordnung gestanden. Das fürs Thema Städteplanung zuständige Wirtschaftsministerium teilt mit: „Ein landesweiter Trend ist in Baden-Württemberg derzeit nicht feststellbar.“ Spezielle Empfehlungen an Kommunen gebe es nicht.

Anregungen gibt es jedoch von der Landesarchitektenkammer, die besonders auf die Ästhetik von Parkbauten achtet, aber nicht nur. In Zeiten, da Baugrund in den Innenstädten­ Mangelware sei, lohne es sich für Stadtplaner im Sanierungsfall häufig, etwas weiter zu denken, als alte Parkhäuser einfach nur zu reparieren, sagt Sprecherin Carmen Mundorff. „Es gibt sehr viel mehr her, in die Tiefe zu gehen. Aber nicht jeder Untergrund eignet sich dafür.“ Wer an die Zukunft denke, müsse eigentlich auch ein sich veränderndes Mobilitätsverhalten­ ins Kalkül ziehen. „Viele junge Leute machen heute schon gar keinen Führerschein mehr“, so die Kammersprecherin. Klug sei es auf jeden Fall, im Rahmen der Sanierung auch auf den Bau moderner Fahrradstellplätze zu achten.

Immerhin: Parkbuchten müssen nicht breiter werden

Die Landesarchitektenkammer prämiert regelmäßig vorbildliche neue oder sanierte Parkhäuser oder Tiefgaragen im ganzen Land. Hervorgehoben werden Baukörper, die sich städtebaulich gut einfügen. Farbgebung, Lichtführung, Offenheit, Freundlichkeit, all das sind den Architekten wichtige Attribute. Ausdrücklich gelobt wird zum Beispiel auch eine Stromversorgung mit Photovoltaikanlagen.

Eine Forderung an die Planer neuer Parkhäuser unterbleibt allerdings: Es wird nicht verlangt, dass die Parkbuchten für die größer gewordenen Autos der Moderne breiter ausgelegt werden müssten. PBW-Geschäftsführer Hruby sagt, die Baunorm liege bei 2,30 Meter – das Land lasse Autofahrern seit Langem 2,50 Meter zum Ein- und Aussteigen. Daran werde auch bei künftigen Sanierungen nichts geändert. „Das erledigt sich durch das autonome Parken auf den letzten Metern“, erklärt Hruby. Durch die moderne Technik der Autos verlören endlich auch enge Parklücken allmählich ihren Schrecken.

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