Im Step arbeiten insgesamt etwa 5000 Mitarbeiter. Foto: Archiv Alexandra Kratz

Anwohner in Stuttgart-Vaihingen klagen, dass Mitarbeiter und Besucher des Gewerbegebiets Step in den Wohngebieten parken. Eigentlich gebe es im Step genug Parkplätze, sagt der Geschäftsführer Harald Blum. Aber etliche davon stehen leer. Warum ist das so?

Vaihingen - Die Quote sei sensationell, sagte Harald Blum. 2103 Firmenstellplätze stehen im Stuttgarter Engineering Park, kurz Step, zur Verfügung. Dazu kommen 52 öffentliche Parkplätze entlang der Straßen, 28 davon sind kostenfrei, 24 kostenpflichtig. Zudem hat das Step 100 Stellplätze im Parkhaus Österfeld angemietet. „Und 2500 bis 3000 Mitarbeiter haben Firmentickets und kommen mit der S-Bahn“, sagte der Step-Geschäftsführer in der Januarsitzung des Bezirksbeirats in Stuttgart-Vaihingen. Bei etwa 5000 Mitarbeitern insgesamt sollte die Rechnung mit den Stellplätzen eigentlich aufgehen, schließlich sind auch nicht immer alle Beschäftigten da, weil sie krank oder im Urlaub sind oder Termine außer Haus haben.

Dennoch klagen die Anwohner rund um das Areal über Fremdparker, die ihre Wohnstraßen zuparken. Vor drei Jahren hat sich die Situation noch verschlimmert, als das Parkhaus Österfeld zum Park-and-ride-Haus umgebaut wurde. Denn davor konnte man dort für 1,50 Euro pro Tag günstig parken. Mit dem Umbau stiegen die Preise, weil die Parker mit dem Ticket auch einen Fahrschein für den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) erwerben. Das hat viele Autofahrer in die Wohngebiete getrieben, die sich die Kosten sparen wollten. Offenbar sind auch einige Beschäftigte oder Besucher des Gewerbegebiets darunter. „Der Ärger ist mir bekannt“, sagte Blum. Viele Mitarbeiter, die zuvor günstig im Österfeld geparkt haben, hätten dann andere Parkmöglichkeiten gesucht – wohl auch in den Wohnstraßen.

Tagtäglich bleiben Parkplätze im Step ungenutzt

Gleichzeitig stehen im Step täglich Parkplätze leer. Der Geschäftsführer sprach von einer Quote von bis zu 30 Prozent. Der Grund dafür ist laut Blum, dass viele Unternehmen Stellplätze für ihre Mitarbeiter angemietet haben. Sind die Mitarbeiter nicht da, können diese fest vergebenen Plätze aber nicht von anderen Autofahrern genutzt werden. Nachträglich könne er daran nichts ändern, die Mietverträge mit den Firmen hätten außerdem unterschiedliche Laufzeiten. Man hätte von vornherein ein Parkraummanagement umsetzen müssen. „Heute würde ich das komplette Areal als einen Parkraum gestalten“, sagte Harald Blum. Dann könnten Autofahrer jeden freien Stellplatz nutzen.

Ein weiteres Problem ist laut dem Step-Geschäftsführer, dass die Tiefgaragenbereiche bestimmten Firmengebäuden zugeordnet sind. Mit den Chipkarten der Mitarbeiter lassen sich also nicht alle Türen im Step öffnen. Solche Sicherheits- und auch juristische Belange bänden ihm die Hände, erklärt Blum, auch der finanzielle Aufwand für eine Umstrukturierung sei enorm.

Parkdruck könnte weiter steigen

Blum sieht die Stadt in der Pflicht: „Das ließe sich über Anwohnerparkregelungen korrigieren. Dann überlegen sich die Leute wieder, ob sie wirklich im Wohngebiet parken wollen“, sagte er. Das fordern die Bezirksbeiräte schon lange, insbesondere für das Gebiet Schranne/Endelbang, welches zwischen dem Step und dem Unicampus liegt. Wird an der Uni das angedachte Parkraummanagement umgesetzt und die Stellplätze auf dem Campus werden damit kostenpflichtig, könnte sich die Situation im Wohngebiet noch verschlechtern. „Ich fürchte, dass der Parkdruck weiter steigt“, sagte Volker Weil (FDP).

Auch Klaus Spieske (Grüne), der nahe des Step wohnt, fand den Bericht des Step-Geschäftsführers wenig zufriedenstellend. „An der Situation ändert sich nichts.“ Mitunter parkten Step-Besucher auf den wenigen Parkplätzen am Alten Friedhof, berichtete Spieske. Sie nähmen somit Friedhofsbesuchern die Parkplätze weg. Besonders schlecht sei das für ältere oder gehbehinderte Menschen, die auf die eingangsnahen Plätze angewiesen seien. Ulrich Bayer (CDU) merkte an, dass man die Erkenntnisse, die man aus der Parkproblematik rund um das Step gewonnen habe, auch auf andere Gebiete anwenden sollte, etwa im Synergiepark. Auch Harald Blum wünscht sich eine andere Situation. „Die Antworten, die ich Ihnen geben kann, sind auch für mich nicht befriedigend“, sagte er.

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