Bei der Pariser Fashion Week verleihen Models wie Barbara Palvin (Bild) den Modeshows Glanz. Foto: AP

Ausgerechnet während der Modewoche ruft Frankreichs Hauptstadt den autofreien Sonntag aus. Wie kommen Models und Promis zu den Shows? Das Experiment kann nur scheitern, sagen Kritiker.

Paris - Am Sonntag ist Premiere. In Paris soll dann erstmals zusammenwachsen, was nicht zusammengehört: die Fashion Week nämlich mit ihren durch die Prachtstraßen rollenden Konvois dunkler Limousinen und der in diesem Jahr auf den 1. Oktober fallende autofreie Sonntag.

Werden sich die Haute-Couture-Models, diese elfengleichen Wesen, am Sonntag also anstatt in den Fond einer Edelkarosse auf den Sattel eines dieser klobigen Pariser Mietfahrräder schwingen? Wird Anna Wintour, Chefin der amerikanischen Vogue, mit 67 Jahren noch einmal energisch in die Pedale treten? Kenner der Modeszene winken ab. Einen Tag der Fashion Week für autofrei zu erklären, sei ein Unding, haben sie wissen lassen. Das Experiment könne nur scheitern.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, in zahllosen Fehden mit uneinsichtigen Autofahrern und deren Fürsprechern gestählt, zeigt sich indes hartleibig. In Frankreichs Hauptstadt gebe es ständig irgendwelche Großereignisse, der autofreie Sonntag werde nicht verlegt, hat die streitfeste Umweltschützerin klargestellt. Am ersten autofreien Haute-Couture-Tag werde festgehalten.

Der Haute-Couture-Verband hat tausend Tickets geordert

Hidalgos ökologische Geradlinigkeit ist umso bemerkenswerter, als die zweimal jährlich ausgerichteten Modeschauen der Stadt nicht nur Ruhm, sondern auch Reichtum bescheren. Im vergangenen Jahr sollen 1,2 Milliarden Euro zusammengekommen sein. Der Haute-Couture-Verband hat die Flucht nach vorne angetreten und die Not zur Tugend erklärt. Man sei für einen autofreien Tag, hat der Verband wissen lassen und zum Zeichen seiner Kooperationsbereitschaft tausend Metro-Tickets geordert.

Was nicht heißt, dass die Fahrkarten auch genutzt werden. Die Neigung der Reichen und Schönen, in den Pariser Untergrund hinabzusteigen und sich in Metro-Waggons durchschütteln zu lassen, gilt als gering. Beförderungsalternativen freilich sind rar. So sind die Aussichten, in der Seine-Metropole an einem autofreien Sonntag einen Taxi- oder Uber-Chauffeur zu erwischen, in etwa so groß wie die, auf den Champs-Élysées ein vierblättriges Kleeblatt zu finden.

Models hoffen, unbeschadet zum Laufsteg zu gelangen

Die beim Catwalk von Saint Laurent noch so freizügigen Models zeigen sich hinsichtlich des anvisierten Fortbewegungsmittels zugeknöpft. Hinweise, wie sie am Sonntag die Strecke vom Luxushotel zum Laufsteg zu bewältigen gedenken? Fehlanzeige. Was wiederum die Gerüchteküche befeuert. Angeblich hofft so manches zarte Geschöpf, zwischen Kulissenwänden, Kleiderkisten, Häppchenschachteln und Champagnerkartons unbeschadet zum Ziel zu gelangen.

Lastwagenchauffeure, die Modeschauen beliefern, haben der Stadt eine Sonderfahrerlaubnis abgetrotzt. Eine Option wäre das, welche zwar nicht den Regeln des autofreien Sonntags zuwider liefe, wohl aber der französischen Straßenverkehrsordnung. Bleibt der Trost, dass die Dinge nächstes Jahr wieder ins Lot kommen. 2018 fällt der von tausend Polizisten überwachte autofreie Sonntag auf den 7. Oktober. Der in Paris gastierende Modezirkus dürfte dann schon weitergezogen sein. Die Fashion Week endet zwei Tage zuvor.

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