Pariser Autosalon Paris steht unter Strom

Von Reimund Abel 

Wer sind die Stars des Pariser Autosalons? Viele SUV-Modelle. Doch die Elektromobilität kommt in Fahrt. Die Hersteller zeigen die Zukunft des Automobils ohne Verbrennungsmotor. Ein Messerundgang.

Elektromobilität: Volkswagen und Mercedes-Benz wollen beweisen, dass für sie das Zeitalter der Elektromobilität endgültig angebrochen ist. Beide deutschen Player demonstrieren mit Studien, was aus ihrer Sicht Stand der Technik ist beziehungsweise, wohin die Reise geht. Mercedes hat eigens eine neue Marke geschaffen – Generation EQ. Das klingt nach IQ, also Intelligenz. Und ist auch beabsichtigt. Das seriennahe SUV-Coupé hat als technische Eckdaten 408 PS/300 kW Leistung aus zwei E-Motoren sowie eine versprochene Reichweite von 500 Kilometern zu bieten. Ein schickes blaues LED-Band macht das Modell zum Hingucker. Türgriffe sucht man vergebens, ebenso wie Spiegel, das übernehmen Kameras. Innen sind keine Knöpfe zu sehen, dafür viele Bildschirme. Daimler-Boss Dieter Zetsche verspricht: „Wir legen den Schalter um.“

Da will VW nicht hintenanstehen. Das Showcar hört auf den Namen I.D. und soll die Elektro-Zukunft des Konzerns verkörpern (Leistung: 170 PS/125 kW, Reichweite: 400 bis 600 Kilometer). Wenn Volkswagen seine Versprechungen wahr macht, sollen die neuen E-Mobile von Europas größtem Autobauer nicht viel anders als die Studie aussehen. Der I.D. kommt sehr futuristisch daher – mit vier Einzelsitzen, viel Licht und Platz im Innenraum, einem hellen, fast puristischen Design sowie einem versenkbaren Lenkrad für autonomes Fahren. Bereits 2020 soll das E-Mobil angeboten werden.

20 soll das E-Mobil angeboten werden. EQ und I.D. sind beides faszinierende Ausblicke, haben aber ein Problem: Sie sind nicht oder noch nicht käuflich zu erwerben. Der eigentliche Star der Pariser Messe kommt von Opel (!) und ist der Ampera-e. Bereits in Detroit wurde der (fast) baugleiche Chevrolet Bolt vorgestellt. Nun steht Opel bereit, die Elektrowelt Europas zu erobern. Mit 500 Kilometer Reichweite, 204 PS/150 kW Leistung und vor allem einem bezahlbaren Preis von um die 35 000 Euro setzt der Ampera-e Zeichen. Unser Eindruck nach einer Sitzprobe ist, dass Opel seine Hausaufgaben gemacht hat. Das Äu- ßere gefällt, das Auto wirkt modern, aber nicht zu avantgardistisch. Der Innenraum ist gefällig und bietet Platz für fünf Insassen. Das Kofferraumvolumen soll bei etwa 380 Litern liegen, das wäre gleich viel wie beim Kompaktwagen-Primus VW Golf.

Ach ja: Im Gewimmel um die E-Zukunft sollte nicht übersehen werden, dass Smart nun komplett elektrisch unterwegs ist – im Zweisitzer, dem Forfour und im Cabrio.

SUV-Modelle: Groß und mächtig und bei Bedarf mit Allrad: Dieser Boom scheint kein Ende zu nehmen. Skoda stellt mit dem Kodiaq das neue Flaggschiff des Modellfamilie vor. Auf 4,70 Meter streckt sich der SUV, bei Bedarf ist Platz für sieben Menschen, und schick anzusehen ist er ebenfalls. Man muss kein Prophet sein, um dem Kodiaq eine glückliche Zukunft vorherzusagen. Der hochbeinige Tscheche könnte dem VW Tiguan den einen oder anderen Käufer abspenstig machen.

Peugeot hat vor Kurzem den Stadt-Kraxler 2008 einer Frischzellenkur unterzogen. Nun ziehen die Franzosen mit zwei weiteren SUV-Modellen nach. Der 3008 ist technisch deutlich weiter als sein Vorgänger, hat ein modernes Cockpit verpasst bekommen. Der 5008 ging bisher eher als kompakter Van durch. Jetzt rüstet der Hersteller den Wagen in Richtung „rustikal“ nach. Ohne Allradantrieb (wie der 3008 übrigens auch), aber dafür ist er mit reichlich Platz gesegnet.

Audi hat den Q5 optisch sehr dezent überarbeitet, die größten Veränderungen finden sich im Cockpit sowie bei einer Vielzahl von bestellbaren Assistenzsystemen. Opel hofft, mit dem Mokka X an die Verkaufserfolge seines Vorgängers anzuknüpfen. BMW, seit jeher im SUV-Segment vorn dabei, zeigt mit der Studie X2, wie ein Allrad-Coupé in der Mittelklasse aussehen könnte. Und Mercedes wagt sich in die Nische der hochbeinigen Kombis. Die E-Klasse als All-Terrain-Variante soll Volvo (mit den Cross-Country-Modellen) oder dem Audi A6 Allroad quattro Paroli bieten.

Alles andere: Paris wäre keine echte Autoschau ohne Traumvehikel, die sich keiner leisten kann, oder günstige Fahrzeuge, die für Otto Normalverbraucher taugen. Der Ferrari LaFerrari als Roadster ist so ein Supersportwagen: Mit 800 PS/588 kW kann er dem Besitzer kräftig die Haare durchpusten. Ebenfalls offen unterwegs ist der neue Mercedes-AMG GT Roadster. Die beiden Varianten mit 476 PS/350 kW oder 557 PS/410 kW müssen als Kampfansage in Richtung Porsche 911 Cabrio verstanden werden. Die Zuffenhausener wiederum sind unter anderem mit dem taufrischen Panamera vertreten. Der viertürige Sportwagen ist optisch deutlich gelungener als sein Vorgänger. Topmodell hier ist ein V-8-Motor mit Turbobeatmung, der 550 PS/404 kW auf die Reifen loslässt.

Und der Auto-Alltag? Wie wäre es mit dem Kia Rio? Der markanter und aggressiver wirkende Koreaner soll in der Kompaktwagenklasse bestehen. Kein leichtes Unterfangen. Der Hyundai i30, gerade runderneuert und nun flotter gezeichnet, bietet sich als Alternative zu Golf & Co. an. Und im Polo-/Corsa-Segment bläst der neue Nissan Micra zur Attacke.

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