Die Stimmung bei den Protesten am Samstagmittag war zunehmend aggressiv. Foto: AFP

Bei den Protesten der „Gilets Jaunes“ in Paris kommt es zu schwerer Randale. Es fliegen Pflastersteine und Knallkörper. Die Polizei fackelt nicht lange und schießt Tränengasgranaten in die Menge.

Paris - Dieses Mal ist die Stimmung anders – aggressiv, aufgeheizt, Anspannung ist zu spüren. Mehrere Tausend „Gelbwesten“ haben sich in Paris am Triumphbogen und auf den Champs-Èlysées versammelt, sie wollen Stärke demonstrieren, zeigen, dass die Bewegung noch lange nicht am Ende ist.

Eine Woche lang mussten die „Gilets Jaunes“ von allen Seiten einen Abgesang über sich ergehen lassen. Am vergangenen Samstag waren in ganz Frankreich nur noch knapp 30.000 „Gilets Jaunes“ gezählt worden, für die meisten Beobachter ein untrügliches Zeichen, dass die Mobilisierung an ihre Grenzen gestoßen ist.

Triumphbogen vergangenen Dezember bei Protesten schwer beschädigt

Nun also, am 18. Wochenende der Proteste, die Trotzreaktion. Schnell rotten sich am Triumphbogen kleine Gruppen von Vermummten zusammen. Die Polizei hat das Wahrzeichen der Hauptstadt gegen die Angreifer absicherte. Er ist im Rahmen der Demonstrationen ein wichtiges Symbol. Bei Ausschreitungen während der „Gelbwesten“-Proteste im vergangenen Dezember wurde der Triumphbogen schwer beschädigt - Randalierer drangen damals in das Nationalsymbol Frankreichs ein.

Plötzlich fliegen Pflastersteine, Knallkörper werde in Richtung Sicherheitskräfte geworfen. Die Polizei fackelt nicht lange und schießt Tränengasgranaten in die Menge. Nun scheinen die Dämme gebrochen. Die Verstärkung der Polizei, die in den Seitenstraßen gewartet hat, ist schnell vor Ort. Es kommt zu ersten Tumulten und Zusammenstößen.

Einige wollten Geschäft plündern

Gruppen schwarz gekleideter Gestalten ziehen schließlich die Champs-Élysées hinab und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Fensterscheiben werden eingeschlagen, ein Motorroller geht in Flammen auf, die Randalierer werfen Absperrungen aus Holz mitten auf der Prachtmeile auf einen Haufen, zünden Feuer an und errichten Barrikaden, in einer Seitenstraße brennt ein Auto. Eine Gruppe von Randalierern geht auf ein Einsatzfahrzeug der Polizei los und versucht, die Scheiben einzuschlagen, die Beamten ziehen sich zurück. Ein paar Meter weiter versuchen die Sicherheitskräfte mit einem Wasserwerfer die Menge daran zu hindern, ein Geschäft zu plündern.

Die Randalierer werden von den „Gilets Jaunes“ immer wieder angefeuert. Eine ältere Frau schreit, man werde das Feuer in den Präsidentenpalast tragen. Die Menge applaudiert. Ein Mann – auf seiner gelben Weste steht, dass er ein „armer Rentner“ sei – macht mit dem Handy Bilder von den Verwüstungen.

Randalierer hätten sich unter die Demonstranten gemischt

Immer wieder greift sich die Polizei einzelne Randalierer aus der Menge heraus. Bis zum Nachmittag soll es über 20 Festnahmen gegeben haben. Die Beamten waren auf die Ausschreitungen allerdings vorbereitet. Schon am Morgen hatten sich in den Seitenstraßen und am Platz Victor Hugo, unweit des Triumphbogens, die Einsatzkräfte gesammelt. Anders als am vergangenen Wochenende standen auch gepanzerte Einsatzfahrzeuge bereit. Innenminister stärkte der Polizei den Rücken. „Es besteht kein Zweifel, dass sie zu Gewalt aufrufen und in Paris Chaos säen“, sagte Christophe Castaner. Professionelle Randalierer hätten sich unter die Demonstranten gemischt. Er forderte die Polizei auf, mit Härte auf die Angriffe zu reagieren.

Schon im Vorfeld des Protesttages hatten die „Gilets Jaunes“ ihre Anhänger aufgerufen, zahlreich zu erscheinen. Grund war das Ende einer zweimonatigen Bürgerdebatte, mit der Präsident Emmanuel Macron auf die Proteste reagiert hat. Die Demonstranten sehen darin nur leere Worte und einen Wahlkampftrick. In einem Online-Aufruf hieß es, der Samstag solle als „Ultimatum“ an die Regierung und die Mächtigen verstanden werden.

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