Der Rücken macht noch immer Sorgen – und um seine zweite Teilnahme an den Paralympics musste der Kugelstoßer auch zittern. Von einer Medaille träumt der Weltmeister von 2023 dennoch.
Für die Sportwelt war der 19. Juli 2024 nicht unbedingt ein Tag mit einer besonderen Bedeutung. Die EM zu Ende, die Sommerspiele von Paris noch nicht im Gange. Yannis Fischer nennt das Datum dennoch, wenn er auf die speziellen Momente der vergangenen Monate blickt. Denn seit dem 19. Juli 2024 ist klar: Der 22-jährige Kugelstoßer nimmt zum zweiten Mal an den Paralympics teil – an diesem Sonntag findet das Kugelstoßfinale der F40-Klasse statt.
„Es war schon ein bisschen ein Nervenkitzel“, sagt der Leichtathlet und Teamkollege von Niko Kappel beim VfB Stuttgart, „ich konnte mir bis dahin nicht sicher sein.“ Umso größer war dann die Erleichterung, es nach 2021 in Tokio zum zweiten Mal zum wichtigsten Wettkampf geschafft zu haben. Warum es überhaupt so knapp wurde? Das hat viel mit dem Rücken von Yannis Fischer zu tun.
Im vergangenen Jahr noch hatte der damals 21-Jährige seinen größten Erfolg gefeiert – und wurde in Paris Weltmeister der Klasse F40 der Kleinwüchsigen mit einer persönlichen Bestweite von 11,43 Metern. Ein Jahr später zählt er in der französischen Hauptstadt dennoch nicht zu den absoluten Topfavoriten. Denn in den Monaten seit seinem größten Triumph konnte Yannis Fischer selten uneingeschränkt an seiner Leistungsentwicklung arbeiten.
Immer wieder zwickte der Rücken infolge eines Bandscheibenvorfalls schon vor der WM 2023. So konnte der Leichtathlet eigentlich nie in dem Umfang trainieren, den er geplant hatte. Das spezifische Training im Ring musste meist nach wenigen Versuchen beendet werden. Und auch beim wichtigen Krafttraining konnte Fischer nicht alle notwendigen Übungen schmerzfrei absolvieren.
Das Krafttraining wurde umgestellt
Der Saisonstart verlief dann zwar einigermaßen zufriedenstellend, Fischer stieß unter anderem 10,89 Meter weit, dann aber konnte der Kugelstoßer sein Niveau nicht konstant hochhalten. Der Paralympics-Norm von 11,03 Metern rannte er vergeblich hinterher. Drei Plätze für deutsche Leichtathleten waren vor dem 19. Juli dann dennoch zu vergeben – und Fischer durfte erleichtert jubeln.
Doch auch, wenn der erneute Weg nach Paris – diesmal tritt er im riesigen Stade de France an – damit geebnet war, die Paralympics stehen für Yannis Fischer diesmal eben weiter unter dem Zeichen der gesundheitlichen Probleme. Obwohl sich schon das eine oder andere verbessert hat.
Mithilfe eines neuen Krafttrainers hat er die Einheiten in diesem Bereich umgestellt, kann dadurch wieder mehr tun im Kraftraum. „Ich konnte das Krafttraining gut durchziehen“, sagt Yannis Fischer. Auch ist ein Training seiner Drehstoßtechnik wieder besser möglich, wenn auch noch nicht in den Umfängen, die früher für ihn normal waren. Insgesamt ist der Leichtathlet aber zufrieden mit dem erreichten Status quo, nach den Paralympics soll die Suche nach der Ursache der Probleme noch einmal intensiv angegangen werden.
Nun aber steht erst mal der Wettkampf in Paris im Vordergrund. Zwar liegt die internationale Konkurrenz derzeit vor ihm, das Wort „unmöglich“ will Fischer dennoch nicht verwenden, wenn es um seine Medaillenchancen geht. „Die Weltspitze war schon stark in diesem Jahr“, sagt er, meint aber auch: „Das Feld ist dicht beieinander, es wird ein spannender Wettkampf.“
In Tokio auf dem sechsten Platz
Am Sonntag ab 11.39 Uhr tritt Yannis Fischer in den Ring, einen Tag danach ab 12.10 Uhr der andere Kugelstoßer des VfB Stuttgart: Weltrekordler Niko Kappel, mit dem sich Fischer mittlerweile Stoß- und Krafttrainer teilt. „Wir haben viel gemeinsam trainiert“, sagt der jüngere der beiden – der sich nicht nur auf seinen Wettkampf in Paris freut. Sondern auch auf die Eröffnungsfeier.
Die hat er in Tokio verpasst, weil schon kurz danach sein Wettkampf stattfand. Nun ist zwischen Auftakt und Medaillenkampf etwas mehr Zeit. Und Zuschauer werden im Gegensatz zu den Corona-Spielen in Japan auch dabei sein. „Das werden sicher ganz andere Paralympics als damals“, sagt Yannis Fischer. Und hofft, dass er das hinterher auch über sein persönliches Ergebnis sagen kann.
Bei den Paralympics in Tokio wurde er vor drei Jahren Sechster.