Ein Moment für die Ewigkeit: Der Kollege von KNITZ in München. Foto: Decksmann

Kolumnist KNITZ über seinen Fressesprecher, der vergangene Woche die Vorstellung des neuen Papstes an einem ganz besonderen Ort miterleben durfte.

Eigentlich wollte KNITZ heute über eine gewisse Unschärfe beim Fernsehen schreiben, die ihn schon länger beschäftigt. Aber dann kam ihm ein historisches Ereignis dazwischen, um das er nicht herumkommt. Genau genommen kam es seinem Fressesprecher in die Quere.

 

Der war am vergangenen Donnerstag auf dem Weg nach München. Mit dem Wagen, was ein Fehler war, wie sich am Albaufstieg herausstellen sollte. Eigentlich wollte er die Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen, hatte dann aber wegen des kühlen Wetters Abstand von dem Vorhaben genommen. Was, wie ihm im Stau stehend durch den Kopf ging, womöglich ein Fehler war. Langsamer wäre er kaum vorangekommen.

Irgendwann erreichte der Fressesprecher am Abend dann doch noch die bayrische Landeshauptstadt, lauschte bei zähflüssigem Verkehr belanglosen Popsongs aus dem Radio – als die Musik unterbrochen wurde. Über der Sixtinischen Kapelle, meldet der Moderator, sei weißer Rauch aufgestiegen.

Nun sollte KNITZ vielleicht erwähnen, dass sein Fressesprecher in kirchlichen Dingen nicht übermäßig bewandert ist, auch wenn er in der Grundschule mal eine Eins in Religion bekam, was seine Oma zu dem Ausruf bewog: „Jessas, der Bub wird Pfarrer!“ Doch dass zwischen Weißem-Rauch-Aufsteigen und Bekanntgabe eines neuen Papstes einige Zeit vergehen wird, das war ihm klar. Es sollte wohl reichen, rechtzeitig sein Ziel zu erreichen, das ifp, eine katholische Journalistenschule im Herzen Münchens.

Egal, wer da seine Finger im Spiel hatte, der liebe Gott oder die örtliche Verkehrsleitzentrale, jedenfalls hat’s gelangt. Auf einem gewaltigen Bildschirm lief im Seminarraum bereits die Liveübertragung aus dem Vatikan. Der Fressesprecher müsste lügen, würde er nicht zugeben, dass ihn eine Art Glücksgefühl überkam. Hier, in den Räumen des ehemaligen Kapuzinerklosters St. Anton, ein solches Ereignis verfolgen zu dürfen, das kommt der Anwesenheit auf dem Petersplatz doch ziemlich nahe.

Womöglich war’s sogar noch besser, konnte er sich hier doch auf die Sachkenntnis eines in katholischen Belangen bestens informierten Seminarleiters verlassen. Der machte den Fressesprecher nicht nur mit den ritualisierten Abläufen vertraut, sondern verwies ihn auf ein Kuriosum, das dem Gast aus Stuttgart noch nie aufgefallen war: Andreas Postel ist seit 2020 Leiter des ZDF-Auslandstudios in Rom, kurz A. Postel.

Kurzum, es war ein wunderbarer, lehrreicher, aber auch ergreifender Abend, der mit einem Umtrunk in einem nahen Wirtshaus beschlossen werden musste.

Der Fressesprecher von KNITZ ist überzeugt davon, dass ihm diese Papstpräsentation noch mehr in Erinnerung bleiben wird als die vorherigen. Wiewohl er eine andere so schnell auch nicht vergessen dürfte. Das war, als Kardinal Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. ans Fenster zum Petersplatz trat und ihm, dem Fressesprecher, der Satz „Wir sind Papst!“ entfuhr. Tags darauf war das die Schlagzeile in „Bild“. Bis dato hat er die Geschichte noch nie erzählt, weil sie nach Angeberei klingt und sie ihm eh keiner glauben würde.

So, die Unschärfe beim Fernsehschauen klären wir kommende Woche. Wenn nicht noch was Historisches dazwischenkommt.