Der Foto: US-Army/IVL

Das Übungsgelände der US-Army im Böblinger Stadtwald ist ein Paradies für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Naturschützer und Armee arbeiten zu deren Schutz eng zusammen.

Böblingen - Wie eine Mondlandschaft hat noch vor mehr als 20 Jahren der Übungsplatz der US-Army im Böblinger Stadtwald ausgesehen: eine kahle Fläche mit tiefen Kratern, die im Boden klafften – aufgerissen von den Ketten der Panzer, die ständig kreuz und quer über das Übungsgelände rollten. Gras und Büsche hatten deshalb kaum Chancen zu gedeihen.

Was für Normalbürger nach einem gewaltigen Naturfrevel aussah, trieb jedoch Naturschützern Freudentränen in die Augen. „Da ist ein wahres Kleinod der Artenvielfalt entstanden“, sagt Rolf Gastel vom Naturschutzbund (Nabu). In den kleinen Wassertümpeln, die sich in den Panzerfurchen bildeten, siedelten Gelbbauchunken und Kreuzkröten. Auf den kahlen sandigen Flächen breitete sich der Dünensandlaufkäfer aus. Alles Arten, die andernorts so gut wie verschwunden sind. Die Bedingungen auf dem Übungsgelände sind ein Paradies für die bedrohten Tierarten.

Gelände wird seit 80 Jahren militärisch genutzt

Bereits in den 1930er Jahren war das Gelände der Panzerkaserne militärisch genutzt worden – damals von der Wehrmacht. Diese rodete viele Hundert Hektar Land und nutzte diese für ihre Übungen. Später zog die US-Army auf das Gelände. Bis Anfang der 90er Jahre diente das Gebiet vor allem für das Training der Panzertruppen. Doch dann wurden diese abgezogen.

Trotz des Übungsbetriebs oder gerade wegen dieser Nutzung – je nach Sicht – wurde das Gelände zu einem Refugium für seltene Tiere und Pflanzen. „Viele Arten kommen mit dem Übungsbetrieb besser zurecht als mit herkömmlicher landwirtschaftlicher Nutzung“, sagt Rolf Gastel. Nach dem Abzug der Panzer im Jahr 1994 gehörte er zu den Gründern eines Arbeitskreises, der diese Arten erhalten möchte. Das Problem: das Gelände wächst ohne die Kettenpanzer schnell zu – und Gelbbauchunke und Dünensandlaufkäfer verlieren ihren Lebensraum.

Gemeinsam versuchen seither ehrenamtliche Naturschützer, das Stuttgarter Umweltamt der US-Armee, das Regierungspräsidium sowie das Bundesforstamt, die heideartigen Gebiete des Areals offenzuhalten. Ein Schäfer zieht mit seinen Tieren über das 600 Hektar große Gelände. Regelmäßig fahren schwere Kettenfahrzeuge über das Gelände und ziehen Furchen in den Boden, damit die Gelbbauchunken und Kreuzkröten dort in Tümpeln siedeln können.

Naturschützer wünschen sich einen Pflegepanzer

Die Raupen und Schlepper seien allerdings nicht ganz optimal für die Pflege, sagt Inga Gebhard von der Umweltabteilung der   US-Garnison Stuttgart. „Eigentlich bräuchten wir einen Pflegepanzer, mit dem wir über das Gelände fahren.“

Alle zwei Jahre sind auch die ehrenamtlichen Naturschützer zu einem Pflegetag eingeladen. 80 bis 90 Mitglieder von Nabu, Schwäbischem Albverein, der Jugendfeu­erwehr und der amerikanischen Pfadfinder entfernen die Büsche, die sich mit den schweren Maschinen nicht beseitigen lassen. „Diese Zusammenarbeit zwischen US-Army, amtlichem Naturschutz und Ehrenamtlichen ist europaweit einmalig“, sagt Gebhard. Auch Rolf Gastel vom Nabu lobt die Kooperation mit der US-Army.

Sechs Mitarbeiter hat deren Umweltabteilung, zwei Millionen Dollar pro Jahr steht ihr zur Verfügung. Damit werden nicht nur die Pflegeaktionen finanziert, sondern auch Exkursionen für die Kinder der US-Schulen in der Region.

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