Darfs ein bisschen breiter sein? Auf bis zu zwei Metern zeigen Hendrik Schulze Kalthoffs Fotos beeindruckende Ausblicke. Foto: Stoppel

Die blaue Stunde, die Zeit zwischen Dämmerung und Dunkelheit, mag der Waiblinger Hendrik Schulze Kalthoff ganz besonders. Seine Panoramafoto-Serie „Lichter“ zeigt die Landeshauptstadt und ihre Umgebung in spektakulärem Licht.

Waiblingen/Stuttgart - Lila, Purpur, Dunkelblau: das eindrucksvolle Farbspektakel und die Wolkenformationen am Himmel über Bad Cannstatt und Rotenberg erinnern an ein Gemälde der Romantik. Der Maler Caspar David Friedrich hätte nicht besser erfinden können, was Hendrik Schulze Kalthoff da eines schwül-warmen Sommerabends vor rund drei Jahren ganz real, mithilfe seiner digitalen Kamera, festgehalten hat.

Kurz bevor Hendrik Schulze Kalthoff, der mit seiner Frau ein Verlagsbüro und eine Galerie in Waiblingen betreibt und sich als „ambitionierter Hobbyfotograf“ bezeichnet, auf den Auslöser seiner Nikon D 810 gedrückt hat, tobte ein Gewitter von Stuttgart kommend das Neckartal hinauf. „Sobald der Regen nachgelassen hat, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin auf den Rotenberg gefahren“, erzählt der Waiblinger, der gerne die besondere Stimmung in solchen Wettersituationen festhält – mit dem Himmel als spektakulärer Bühne.

Der Himmel als spektakuläre Bühne

„Auf solche Abende warte ich“, erzählt Hendrik Schulze Kalthoff. In die Suche nach passenden Standorten für seine Panoramabild-Serie „Lichter“ hat er viel Zeit investiert. Die Landeshauptstadt und deren nähere Umgebung, das Rems- und Neckartal, böten zwar viele schöne Aussichtspunkte, sagt Hendrik Schulze Kalthoff: „Aber nicht alle eignen sich für Panoramafotos, weil beispielsweise Bäume und Büsche die Sicht verstellen.“ So manchen wunderbaren Ausblick hat er deshalb schweren Herzens verwerfen müssen.

Die Fotos der Serie zeigen Stuttgart und seine nähere Umgebung; die typische, sehr besondere Mischung aus Wohnhäusern, grauen Industriebauten und Straßen, aber auch üppig grünen Weinbergen, Wald und Wiesen. Und zwar stets von einem erhöhten Standpunkt aus und zu einer bestimmten Zeit – der blauen Stunde mit ihrem ganz speziellen Licht, das der Fotograf auf seinen Bildern einfangen möchte. Weil dieser Zeitraum zwischen Dämmerung und Dunkelheit in hiesigen Breitengraden deutlich kürzer als 60 Minuten ist, muss Hendrik Schulze Kalthoff rechtzeitig parat stehen, den richtigen Zeitpunkt geduldig abwarten – und sich dann sputen.

Wackelnde Brücke als Herausforderung

Manchmal wirft, aller Vorbereitung zum Trotz, das Leben die Planung durcheinander. Zum Beispiel bei der Aufnahme des Volksfestes, die Hendrik Schulze Kalthoff zu später Stunde von der König-Karls-Brücke in Bad Cannstatt gemacht hat. Der Standort über dem Neckar war sorgfältig gewählt – so, dass am linken Flussufer die unzähligen bunten Lichter der Fahrgeschäfte leuchten und sich im Wasser spiegeln, am rechten Ufer bilden der schlichte Schriftzug des Leuze-Bads und seine Fenster den Gegenpol. Die größte Herausforderung beim Fototermin auf der Brücke war es, die Szenerie scharf abzulichten. „Jedes Mal, wenn hier große Fahrzeuge fahren, entsteht eine Wahnsinnsvibration“, erzählt Hendrik Schulze Kalthoff, der es trotz der Langzeitbelichtungen geschafft hat, die Fotos nicht zu verwackeln.

Das natürliche Licht, aber auch künstliche Lichtquellen wie Straßenlampen, Autos oder Busse sind das zentrale Thema der detailreichen, bis zu zwei Meter breiten hochauflösenden Panoramafotos, die Hendrik Schulze Kalthoff 10, 15 oder 20 Sekunden belichtet. „Die Lichter der Stadt sollen plastisch herauskommen.“

Für seine Serie hat er häufig ein Superweitwinkel-Objektiv benutzt und die Kamera auf einem Stativ befestigt. Aus Serien von sechs bis zehn Aufnahmen, bei denen er die Kamera jeweils um 15 Grad weitergedreht hat, setzte er später am Rechner ein großes Panoramabild zusammen. „Je mehr Zwischenbilder ich habe, desto präziser sind die Übergänge“, erklärt Hendrik Schulze Kalthoff, der im Zuge seiner „Lichter“-Serie sein Lebensumfeld besser kennen gelernt hat: „Durch das Suchen der Standorte habe ich viele schöne Flecke entdeckt, die ich nicht kannte.“

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