Manche Kinder müssen erst wieder lernen, jeden Tag in die Schule zu gehen. Foto: dpa/Marcel Kusch

Die Pandemie ist an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Kreis Esslingen nicht spurlos vorübergegangen.

Die Schulschließungen während der Pandemie haben vielen Schülerinnen und Schülern zu schaffen gemacht. Besonders einschneidend waren sie aber für jene, für die Schule im umfassenden Sinn ein Ort des Lernens ist. Auch an den allgemeinbildenden Schulen sind außer den Lernzielen vor allem die sozialen und emotionalen Aspekte des Zusammenlebens zu kurz gekommen, aber an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) mit Förderschwerpunkt Lernen spielen all diese Faktoren eine ganz besondere Rolle.

 

Die Pandemie sei für ihre Schülerschaft keine gute Zeit, aber auch keine Katastrophe gewesen, sagt Susanne Schöllkopf, die das SBBZ Kirchheim leitet. Und weil nicht so viele ihrer Kinder leistungsorientierten Mannschaftssportarten wie Fuß- oder Handball nachgingen, sei etwa der Wegfall des Vereinssports für sie nicht so schlimm gewesen.

Digitaler Unterricht kann direkten Kontakt nicht ersetzen

Wichtig war für die Kinder dagegen der Besuch der Notfallgruppen. Das sei zwar nicht für alle Kinder an jedem Tag möglich gewesen, habe aber geholfen, den wichtigen Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern zu halten. Dieser direkte menschliche Kontakt und die Begegnung seien durch digitalen Unterricht nicht zu ersetzen gewesen.

Das bestätigt Caroline Ellinger von der Marquardtschule Plochingen. „Wir arbeiten stark handlungsorientiert und stärken direkt die Motivation unserer Schüler“, beschreibt die Rektorin des dortigen SBBZ den pädagogischen Ansatz. Mit einem Lernpaket, das die Schule während der Lockdowns verteilt habe, sei es nicht getan, da das eigenständige Lernen für ihre Kinder nicht einfach sei. Kinder mit lang anhaltenden und umfassenden Lernschwierigkeiten bräuchten die Rückversicherung durch die Lehrkraft und immer wieder einen Impuls. Ellinger ist froh, dass ihr Kollegium während der Pandemie häufig das direkte Gespräch bei den Kindern am Wohnort gesucht oder Aufgaben mit den Schülerinnen und Schülern am Telefon gemeinsam bearbeitet hat.

Vieles sei trotz aller Anstrengungen zu kurz gekommen. Ellinger zählt dazu das Sprachbad in der Schulgemeinschaft, das die Ausdrucksfähigkeit fördert, und auch die Bewegung. Dabei sei diese wichtig für die allgemeine und die motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es bedeute für die Lehrkräfte nach den Herausforderungen der Pandemie teils eine große Anstrengung, manche Kinder durch immer neue Anstöße zu erreichen, wenn Lerninhalte, die eigentlich als gesichert galten, plötzlich weg seien.

Jeden Tag zur Schule gehen ist nicht selbstverständlich

Am größten seien aber die emotionalen und sozialen Probleme. Viele Kinder müssten erst wieder lernen, in der Gruppe zu agieren und mit Mitschülern und Lehrern zu kommunizieren. Es habe immer schon Kinder gegeben, denen der Schulalltag schwergefallen sei, nun gebe es verstärkt Fälle, in denen Kinder psychologische Hilfe bräuchten. Manchmal sei es schon ein Erfolg, wenn es Kindern gelinge, jeden Tag zum Unterricht zu kommen. Eine wichtige Hilfe sei hier auch die Schulsozialarbeit. Ellinger würde es begrüßen, wenn diese 50-Prozent-Stelle auf eine ganze aufgestockt würde. Und das Programm „Lernen mit Rückenwind“ ergänze die Arbeit der Pädagogen in kleinen Gruppen. Ellinger hofft, dass dieses Angebot auch weiterhin bestehen bleibt.

Am SBBZ geht es um „Lernprozesse mit Herz und Hand“, weniger um das Erreichen von Lehrplanzielen, sagt Susanne Schöllkopf aus Kirchheim. Die Förderung der Persönlichkeit stehe im Mittelpunkt mit dem Ziel, ein selbstständiges Leben führen zu können. Deshalb lernen die Kinder etwa, wie sie renovieren oder ein Fahrrad reparieren können und wie man Brot backt.