Seifenblasen-Mann Darren Burrell im Palazzo auf dem Cannstatter Wasen. Foto: Lichtgut/Jan Reich

In der 14. Palazzo-Show mit dem Menü von Harald Wohlfahrt wird die Sehnsucht nach der Vergangenheit rundum gelungen zelebriert. Turbulent und farbenprächtig blühen auf dem Wasen alte Jahrmärkte mit kuriosen Gauklern auf.

Stuttgart - Abnormitäten waren’s, die einst die Menschen in die Buden der Jahrmärkte gelockt haben. Kommen Sie! Kommen Sie näher und herein!

Der mit Vor- und Nebenzelten etwas größer gewordene Spiegelpalast verströmt auf dem Cannstatter Wasen mit festlichem Kerzenglanz und rotem Nostalgieplüsch gleich von Anfang an Wohlfühlflair. Als Hommage an die hohe Zeit der reisenden Gaukler spazieren kuriose Gestalten herein, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts zu den Stars ihrer Zunft gehört haben könnten. Kommen Sie, sehen Sie, staunen Sie!

Ein kleinwüchsiger Mann ist dabei, ein über zwei Meter ragender Muskelmann, eine Frau mit langem Damenbart, zwei scheinbar aneinander gewachsene Zwillinge – wo gibt’s so was heute noch im TV?

Noch eine weitere Steigerung zu den Vorjahren

Und noch mehr Einzigartiges gibt’s in der Show „Kuriositäten“, die am Donnerstag mit Stadtpromis (dabei: Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, Ex-VfB-Star Hansi Müller, Kabarettist Christoph Sonntag, Turner Marcel Nguyen) auf dem Wasen Premiere gefeiert hat. Hier gibt’s den bald besten Koch a. D. Am 14. November erscheint der Michelin-Führer für 2018 – und Harald Wohlfahrt, kaum vorstellbar, steht nicht mehr drin. Der Mann, der 25 Jahre lang drei Sterne geholt hat, ist bis Ende des Jahres noch Mitarbeiter der Traube Tonbach in Baiersbronn, nach heftigem Streit mit dem Besitzer aber freigestellt und mit einer Abfindung versehen.

Drei-Sterne-Koch darf er sich in Kürze nicht mehr nennen – aber längst ist er im Gastro-Olymp angekommen, in dem er sich nichts beweisen muss und es auf anderes ankommt, vielleicht sogar aufs Selbergenießen. Für seine beiden Dinner-Shows – neben Stuttgart ist er auch in Mannheim aktiv – hat er nun mehr Zeit, sagt er.

Sein Menü ist diesmal noch eine weitere Steigerung im Vergleich zu denen der Vorjahre. Los geht es mit der Garnele auf Ananas-Mango-Chutney, Sojaglace und Wasabi-Mayonnaise. Für den Hauptgang hat der 61-Jährige das in Frankreich beliebte Perlhuhn gewählt, das nicht in der Massentierhaltung gezüchtet wird. Mit Kokosrisotto, Wokgemüse und Sesam-Ingwerjus schmeckt der aus Afrika stammende Vogel so gut, wie dies bei der Zubereitung eines Spitzenkochs für so viele Gäste kaum besser gelingen könnte.

„Wehmut“ werde er spüren, sagt Wohlfahrt, wenn im neuen Michelin-Führer die übliche Lobeshymne auf ihn fehlt. Doch nun muss er nicht mehr von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts für den Betrieb bereitstehen. Nun kann er sich etwa an „Wundermenschen“ erfreuen, wie sie auf einem Banner im Zeltinneren genannt werden. Die als Jahrmarkt inszenierte Show mit haarsträubenden Freaks ist ein Renner im Palazzo-Imperium, war zuvor bereits in Hamburg, Berlin und Wien zu sehen.

Etwas neben der Norm

Der Australier Steven Bishop, ein gelernter Zahnarzt, moderiert das Dinner curioso. Von Jahr zu Jahr spricht der frühere Clown im Cirque du Soleil mehr Deutsch und weniger Englisch bei den Ansagen, heißt es. Der rote Nostalgiefaden ist geblieben, nur die in Stuttgart beliebte Band Sidewalkers ist neu im bestens eingespielten Ensemble und liefert moderne Musik zur Revue der alten Liebe. Zu den Höhepunkten im Artistenprogramm zählen der Seifenblasen-Mann Darren Burrell, der aussieht, als wäre er aus dem 19. Jahrhundert gefallen, das Comedy-Duo Bande, die Formation 15feet6 auf dem Barren und die Trapez-Zwillinge Julia und Ele Janke. Die Gaukler streiten, und sie lieben sich. Die Manege ist ihr Zuhause. Und den Zuschauern wird’s im Spektakel der Späße und Sentimentalitäten warm ums Herz. Etwas neben der Norm, so spürt das begeisterte Publikum bei „Kuriositäten“ sehr angenehm, spielt das Leben umso schöner!

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