Afterwork-Partys waren gestern. Am Mittwoch standen schon vor 6 Uhr feierlustige Stuttgarter vor dem Stadtpalais, wo heißer Kaffee und tanzbare Beats zum coolen Frühschoppen lockten. Das Stadtkind war vor Ort.
Dicht gedrängt tanzen Feiernde vor dem DJ-Pult, eine Warteschlange reiht sich vor der Bar, es wird gelacht und viel mit dem Smartphone gefilmt – und statt Schweiß und Discoaroma riecht es an diesem Mittwochmorgen nach Milchschaum und Franzbrötchen. Es ist kurz nach 7 Uhr und die Tanzfläche im Stadtpalais ist brechend voll.
Hier findet zum ersten Mal das Palais Avant statt, die kleine morgendliche Schwester des Palais Aprés, wenn man so will. Der Morning Dance von 6 bis 9 Uhr lockt nicht nur mit Beats von DJ Athina Turner, sondern auch mit Frühstück: Ingwershots statt Vodka, Croissants und frisch gepresste Säfte sowie Kaffee stehen auf der Karte, Alkohol wird hier nicht ausgeschenkt.
Knuspriges Pre-Work-Tanzen
Und das kommt ziemlich gut an: „Schon kurz vor 6 Uhr standen die ersten Gäste vor der Tür“, erzählt der Veranstalter Martin Labacher vom Im Wizemann begeistert. Nur an der überlangen Kaffee-Warteschlange vor der Bar müsse man bei der nächsten Ausgabe der Party noch etwas feilen, sagt er. Mit so einem Ansturm hat niemand gerechnet. Endlich ist wieder was los im Kessel. Dieses Gefühl hatte man auch schon letzten Sommer bei den Donnerstagspartys auf der Freitreppe vor dem Stadtpalais, wo bekannte Stuttgarter DJs auflegten und man mit kühlen Drinks in den Abend reinfeiern konnte.
Doch es war nur ein kurzes Vergnügen, denn wegen „Beschwerden von lokalen Gewerbetreibenden“ und fehlenden Genehmigungen, musste die beliebte Partyreihe abgesagt werden. Doch man ist kreativ in Stuttgart: Martin Labacher und sein Team haben mit ihrer neuen Veranstaltungsreihe voll ins Schwarze getroffen, denn es gibt anscheinend jede Menge Stuttgarter, die Lust haben, ihr Frühstück mit Tanzen zu verbinden. Und das ganz ohne Kater.
Wie beliebt tagsüber tanzen ist, zeigte kürzlich auch der erste Tanztee in der Rakete-Bar im Theater Rampe, wo zurzeit auch keine Musikveranstaltungen durchgeführt werden können. Um die Zeit bis zu einem Neustart zu überbrücken und Geld zu sammeln, laden Veranstalter Andreas Vogel und Aliki Schäfer im Februar zu einer zweiten Nachmittagsveranstaltung in den alten Zahnradbahnhof im Stuttgarter Süden ein.
„Es ist schön, dass es auch mal etwas Positives gibt“, so Labacher, der sich auch schon auf eine Sonderausgabe des Palais Aprés freut, allerdings in abgeänderter Form. „Palais Après wird am 6. Februar das Sound-of-Stuttgart-Festival des Stadtpalais eröffnen“, bestätigt der Stuttgarter. „Um dieses Lebenszeichen noch schöner zu machen, haben wir unsere Freunde von Attico ins Boot geholt und feiern gemeinsam.“ Dass die schwierige Situation im Stuttgarter Nachtleben auch ihre positiven Seiten hat und zu guten Ideen und Formaten führt, freut auch Labacher. „Vollen Support für die Rakete!“, sagt der Stuttgarter und verschwindet im morgendlichen Lichterflimmern.
Die nächste Ausgabe des Palais Avant ist in Planung und wird zeitnah in den sozialen Medien bekannt gegeben.
Palais Après x Attico beim Sound of Stuttgart, Stadtpalais Stuttgart, Konrad-Adenauer-Str. 2, Stuttgart-Mitte, 6.2. 18-22 Uhr, Eintritt frei
2. Tanztee, Theater Rampe, Filderstr. 47, Stuttgart-Süd, 22.2. 15-22 Uhr