Die „Spinne“ an der Pädagogische Hochschule Ludwigsburg soll den Studenten Schutz vor Sonne und Regen sein. Häufig wird das Zeltdach allerdings zerstört. Foto:  

Sechs mal ist das Zelt an der Pädagogischen Hochschule zwischen 2016 und 2017 durch Vandalismus zerstört worden. Eine Überwachungskamera überführt einige Täter. Drei standen nun vor Gericht.

Ludwigsburg - Immer wieder ist das Zeltdach an der „Spinne“ bei der Pädagogischen Hochschule Opfer von Vandalismus. Nun mussten sich drei junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren vor dem Amtsgericht in Ludwigsburg wegen Sachbeschädigung verantworten. Sie hatten im Februar 2017 den Zeltstoff mit einem Küchenmesser zerschnitten. Dafür verurteilten die Richterin einen 20-jährigen Täter zu 50 Arbeitsstunden und einen 18-Jährigen zu 70 Stunden sowie einen 19 Jahre alten Mann zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung.

Nach Trinkerei einfach zum Messer gegriffen

Ob die Tat nur ein Spaß sein sollte, oder aus purer Zerstörungswut geschah: Eine Erklärung blieben die Jugendlichen der Richterin und den Schöffen schuldig. Sie gaben an, an dem Abend zu viel getrunken zu haben. Leugnen konnten die drei Heranwachsenden die Tat jedoch nicht: Eine Überwachungskamera hatte die Männer aus Freiberg, Steinheim und Vaihingen/Enz bei der Tat gefilmt.

Bereits im Jahr davor war das Zeltdach fünf Mal zerstört worden, allerdings von anderen Jugendlichen. Die Hochschule installierte deswegen die Kamera. So konnten auch drei andere Jugendliche ermittelt werden, die im August 2016 das Zeltdach aufgeschlitzt und mit Farbe besprüht haben.

Vor Gericht wurde jetzt jedoch die Nacht zum 19. Februar 2017 aufgearbeitet. So hatten sich die Angeklagten mit einer Gruppe Freunde auf dem PH-Gelände getroffen. „Wir waren früher öfters dort, um den Abend zusammen zu verbringen“, sagte der 20 Jahre alte Mann. Sie hätten dann zu viel getrunken und seien auf „dumme Gedanken gekommen“, erklärte sein 19 Jahre alter Kumpel den Ablauf. Er habe aus einer Küche an der Turnhalle der PH ein Messer mitgehen lassen und damit auf die Plane eingestochen.

„Irgendjemand hat noch ein großes Viereck reingeschnitten. Das war aber weder ich noch einer meiner beiden Kumpels“, erklärte er. Die Videoaufnahmen zeigen jedoch eine andere Geschichte: Gemeinsam haben die Jugendlichen das Loch in die Plane des Zelts geschnitten. Die Zerstörungswut kostet die PH 8000 Euro. Ein Mitarbeiter der PH entdeckte das zerschnittene Zelt am Montag und zeigte die Tat bei der Polizei an. Eine Zeugin und die Videoaufnahmen führten die Spur schnell zu den nun verurteilten Tätern.

Allein eine Tat kostet die PH 8000 Euro

Der 19 Jahre alte Mann hat bereits Vorstrafen wegen Sachbeschädigung, Diebstahls und Körperverletzung und stand zum Tatzeitpunkt unter Bewährung. Den Kontakt zu den Behörden ließ er aber schleifen: Zu den Terminen mit dem Bewährungshelfer erschien er selten, Auflagen wie ein Anti-Aggressionstraining erfüllte er nicht: „Ich fand das sinnlos.“

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt daher zwei Jahre Jugendstrafe für den 19-Jährigen ohne Bewährung. Die Richterin entschied jedoch, dem jungen Mann noch eine Chance zu geben, wenn er die Auflagen erfülle. Innerhalb von sechs Monaten soll er nun zeigen, dass er gewillt ist, sich zu bessern. Dann würden die Bewährungsauflagen konkret festgelegt. „Wenn Sie jedoch keinen Bock haben und die Weisungen nicht befolgen, dann geht es eben nach Adelsheim“, sagte die Richterin an ihn gewandt. Dann müsste er seine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten absitzen. Außerdem muss der Mann 900 Euro Geldstrafe bezahlen.

Seine Mitangeklagten kamen glimpflicher davon: Sie müssen in den nächsten drei beziehungsweise vier Monaten soziale Arbeitsstunden ableisten. Bei allen drei kam das Jugendstrafrecht zum Einsatz.