Gunjan Sharma und Manish Jain mit dem Prorektor Jörg Keßler (vorne, von links) Foto: factum

Die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg hat mit der Ambedkar-Universität in Neu Delhi einen Austausch begonnen. Zehn Studenten aus Indien sollen im Sommer kommen, der Gegenbesuch ist für 2020 geplant.

Ludwigsburg - Zwischen Ludwigsburg und Neu Delhi liegen gut 7000 Kilometer. Und die jeweiligen Schulsysteme sind vollkommen unterschiedlich. In Indien dauert die Grundschule bis Klasse 8, die Lehrerausbildung ist weitgehend privat finanziert, und überhaupt sind unglaublich viel mehr Menschen zu unterrichten. Genau diese Diversität, die großen kulturellen Unterschiede, machen den Kern der neuen Partnerschaft zwischen der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg und der Ambedkar University Delhi aus.

Indische Professoren stehen im Ludwigsburger PH-Betonbau von 1966 im ersten Stock. Manish Jain und Sunita Singh unterhalten sich mit dem Prorektor Jörg Keßler, als wären sie alte Freunde. Die private Hochschule in der Riesenstadt Neu Delhi hat 3000 Studenten, spielt also in einer ähnlichen Liga wie Ludwigsburg mit knapp 6000. Im Sommer sollen zehn Inder zu einem Kompaktkurs kommen, 2020 dann zehn angehende Pädagogen auf den Subkontinent fliegen – auf diese Weise bleibt der Aufwand überschaubar. Viele andere Seminare laufen online, auch Videokonferenzen per Skype sind denkbar.

Viele Sprachen, viele Kulturen in Indien

Doch was kann man voneinander lernen? Der indische Professor Manish Jain hat viele Ideen: „In Deutschland müssen zunehmend Schüler mit unterschiedlicher Kultur und Sprache unterrichtet werden.“ Genau das ist in Indien Alltag. Wie überhaupt alles viel größer ist. „Wir sind es gewohnt, in großen Zahlen zu denken“, sagt die Assistenzprofessorin Gunjan Sharma.

Und umgekehrt? In Deutschland ist die Lehrerausbildung staatlich und straffer organisiert. Sie habe eine andere Qualität, das räumen die Gäste aus Indien ein. Interessant ist für beide Seiten, Verständnis für die andere Seite zu entwickeln und Erkenntnisse weiterzugeben. „Viele Studenten kommen nicht zu einem Auslandsaufenthalt“, sagt Nina Wolfeil, die Leiterin des Akademischen Auslandsamts der Ludwigsburger PH. Über Online-Netzwerke wie Mumble ist man daher verbunden, so dass die Studenten schließlich ein komplettes „virtuelles Auslandssemester“ absolvieren.

Frühkindliche Bildung – bislang in Indien unbekannt

Das Ganze ist ein Pilotprojekt, gefördert von der Landesstiftung Baden-Württemberg mit 146 000 Euro für Reisekosten und Infrastruktur. Man will sich austauschen bei Erziehungs- und Sozialwissenschaften, beim Englischunterricht und bei der frühkindlichen Bildung. Letzteres ist ein Gebiet, das in Indien ganz neu ist, daher schauen die Gäste aus Asien hier besonders genau hin. Die Ambedkar-University ist in ihrem Land eine der ersten, die hier forscht. In weiten Teilen des Landes werden die Kleinkinder in Familien betreut.

So erfahren beide Seiten viel Neues. In der Ludwigsburger Schlösslesfeldschule hat sich die erste Delegation ganz praktisch ein Bild machen können von deutscher Pädagogik. Und ein Besuch auf Schloss Ludwigsburg darf natürlich auch nicht fehlen.

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