Pächter Alex Giovarruscio freut sich über ideale Bedingungen in Michelau. Foto: Gottfried Stoppel

Im Wieslauftal startet der neue Pächter an der historischen Ölmühle in die Saison: Der Mühlenkiosk ist erweitert worden und empfängt wieder die Ausflügler. Die Gemeinde Rudersberg hat zudem das Spielangebot für Kinder vergrößert und ist mit ihren Plänen längst nicht am Ende.

Die Ölmühle in Michelau kenne er noch aus Kindertagen, sagt Manfred Körner, als er bei seinem Spaziergang an dem historischen Backsteinbau vorbeikommt. „Damals im Zweiten Weltkrieg, als ich noch ein Bub war, drehte sich das Mühlrad noch. Meine Mutter hat Mohn zum Müller Albrecht Haller gebracht, damit die Samen dort zu Öl gewalzt werden konnten und wir es zum Kochen verwenden konnten“, erinnert sich der 86-Jährige. Vier Pfund Mohn für einen Liter Öl brauchte es, oder neun Pfund Bucheckern. „Meine Verwandtschaft hat die im Schwarzwald gesammelt. Heute macht man das ja nicht mehr.“

 

Das Mühlrad steht in der Regel still

Heute steht das Mühlrad in der Regel still, der Betrieb wurde in den 1950er Jahren eingestellt. Das Gebäude verkam zusehends. Erst in den 1980ern wurde das Museumsgebäude auf dem alten Fundament unter Verwendung von Originalteilen wieder neu aufgebaut. Das Mühlrad dreht sich wieder – zu besonderen Anlässen. Etwa wenn Sylke Klein durch das dort eingerichtete kleine Museum führt, den Einsatz der Mühle samt historischen Geräten erläutert oder über die Verwendung von Flachs referiert.

Einen Steinwurf vom Mühlrad entfernt hat Alex Giovarruscio den modernisierten Mühlenkiosk eröffnet. Vergangenen Sommer, nachdem sich die langjährigen Pächter aus dem Geschäft zurückgezogen hatten, habe sich der 35-jährige Rudersberger um die Pacht beworben, sich gegen drei Mitbewerber durchgesetzt und vom Schlechtbacher Ortschaftsrat den Zuschlag erhalten.

Voll motiviert möchte er von Mai bis Oktober immer samstags sowie an Sonn- und Feiertagen die Kundschaft bewirten. „Die Lage ist top, die Mühle wunderschön, und jetzt wollen wir für die Radfahrer, Wanderer und anderen Ausflügler hier Vollgas geben“, sagt er. Die Küche öffnet von 12 bis 18 Uhr. „Und wenn Gäste da sind, noch länger – wir dürfen bis 20 Uhr bewirten.“ Allerdings nur bei schönem Wetter, fügt er an. „Wir haben Sonnenschirme und Schattenplätze“, sagt Giovarruscio. Aber wenn es regne, bleibe die Küche kalt.

Warm ums Herz wird es ihm, wenn er an seine neue Einrichtung und die Möglichkeiten denkt. Die sei nagelneu und modern, der Kiosk größer als bisher, er wurde um einen Anbau erweitert und ist nun fast doppelt so groß wie früher. „Wir haben alles, was wir brauchen: Kühlschränke für die Getränke, Fritteusen, einen Grill und Mobiliar für 60 Personen“, sagt der Gastronom, der von seiner ganzen Familie unterstützt wird.

Auf der Speisekarte stehen neben Bratwurst mit Brot für vier Euro auch Pommes (3,50 Euro), Currywurst mit Brot (4,90 Euro), Maultaschen mit Kartoffelsalat (10,90 Euro), Salatteller (9,90 Euro), Wurstsalat (8,90 Euro) und mehr.

Neben Speis und Trank sollen auch Veranstaltungen stattfinden, etwa ein Festival mit Livemusik, aber auch Kooperationen mit dem Museum und dem örtlichen Kulturforum. „Ich könnte mir ebenfalls gut vorstellen, parallel zum Betrieb Kindergeburtstage auszurichten, die Spielmöglichkeiten sind ideal.“ Bei Interesse könne man gern auf ihn zukommen.

Der Gastronom ist glücklich über das neue Umfeld

Dankbar und froh ist der Gastronom, dass die Gemeinde auch das Umfeld des Kiosks entsprechend ansprechend gestaltet hat. So gibt es einen Spielplatz für Kleinkinder mit Sandkasten, Holzdampflok, Rutsche, Schaukel, Kletterparcours und Murmelbahn. Außerdem eine kostenlose E-Bike-Tankstelle für acht Räder und eine SB-Radstation. Dabei soll es nicht bleiben, erklärt der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens. „Es sind zudem noch weitere Ergänzungen vorgesehen. Wir wollen unter anderem auch einen Spielplatz für Ältere schaffen.“ Zusätzlich sollten noch Bewegungsangebote für Erwachsene installiert werden. Die dafür nötigen Flächen seien bereits im Besitz der Gemeinde. Die beiden noch folgenden Bauabschnitte seien außerhalb der Kiosksaison vorgesehen. Der Erste solle diesen Herbst über die Bühne gehen, der Zweite im kommenden Jahr folgen. Ziel sei es, die Erlebbarkeit der Wieslauf zu steigern.

Aufgewertet werden soll auch das Museum. „Wir arbeiten derzeit mit der Hochschule für Medien in Stuttgart zusammen“, sagt Ahrens. Ziel sei es, neben den persönlichen auch digitale Führungen zu ermöglichen. „Wir rechnen Ende kommenden Jahres mit ersten Ergebnissen.“ Fest steht: „Die Mühle ist ein wichtiger Treffpunkt für Groß und Klein zur Naherholung“, sagt Ahrens. „Gäste kommen aus Rudersberg und Umgebung. Uns war es wichtig, einen Mehrwert für die Menschen zu schaffen, die hier leben.“

Dazu zählt auch das Michelauer Urgestein Manfred Körner. Er freue sich jedenfalls, dass „wieder mehr Leben in und um die Mühle einkehrt“, sagt er. Auch seinen ersten Besuch im neuen Mühlenkiosk hat er sich für seinen nächsten Spaziergang durchs Wieslauftal schon vorgenommen: „Da schaue ich vielleicht schon jetzt am Sonntag vorbei“, sagt der Rentner und lacht. „Je nach Wetter auf eine Schorle oder ein Weizenbier.“

Ölmühle Michelau

Mühle
 Die Ölmühle Michelau wurde 1754 in Betrieb genommen und ist die älteste ihrer Art in Baden-Württemberg. Nach der Instandsetzung und Einrichtung des Gebäudes wurde die Mühle 1990 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die heute noch vorhandene Ausrüstung der Mühle mit Kollergang und Stempelpresse gibt Aufschluss über die Speiseölgewinnung in der Vergangenheit. Im Obergeschoss wird die Flachsbearbeitung bis zum fertigen Tuch in allen Verarbeitungsschritten gezeigt.

Kiosk
 Die Gartenwirtschaft an den Weilerwiesen 1 liegt direkt an der Mühle, wenige Gehminuten von der Bahnstation Michelau entfernt und unmittelbar an der Bahnlinie der Schwäbischen Waldbahn. Die Küche ist von April bis Oktober geöffnet, samstags sowie an Sonn- und Feiertagen (bei schönem Wetter) zwischen 12 und 18 Uhr – bei Bedarf länger. Pächter Alex Giovarruscio erreicht man unter Telefon 0176 / 35 70 94 90.