Motorboot fahren, Tauchen, Stand-up-Paddeln: Obwohl die Region Stuttgart nicht am Meer liegt, werden dort viele Aktivitäten am Wasser angeboten. Eine Übersicht, wo es welche Angebote gibt und wie viel sie kosten.
Stuttgart und Region - Nach so vielen grauen Tagen mit viel Regen hat sich der Sommer in Stuttgart und der Region nun doch wieder durchgesetzt. Auch für das Wochenende sind Temperaturen um die 30 Grad mit viel Sonne vorhergesagt. Da zieht es die Menschen nach draußen – und für die nötige Abkühlung möglichst nah ans Wasser. Doch es muss nicht immer das Freibad oder einer der Badeseen in der Region Stuttgart sein. Es gibt auch andere Möglichkeiten, am und im Wasser Spaß zu haben: sei es beim Tauchen in einem Turm, beim Rudern im Kanu, beim Gleichgewicht halten auf dem Stand-Up-Paddle-Board im Neckar oder beim Segeln auf dem Max-Eyth-See.
Motorboot fahren auf dem Neckar
Mit dem Motorboot auf dem Neckar cruisen – gar kein Problem. Die Binnenschifffahrtsstraße steht allen offen, sofern das Gefährt nicht mehr als 15 PS hat. Das entspricht in etwa einen gut ausgestatteten Schlauchboot oder einem kleinen Angelboot. Wer es schneller mag, braucht einen Führerschein, erklärt René Wulff vom Wassersportcenter Stuttgart (WSC). Tatsächlich melden sich in seiner Wasserfahrschule viele an, die im Sommerurlaub etwa in Kroatien festgestellt haben, dass es gar nicht so einfach ist, ein Boot oder eine Jacht zu mieten, und die deshalb fürs nächste Mal einen Führerschein haben wollen. Allerdings ist Führerschein nicht gleich Führerschein. Für Meer, Flüsse und den quasi internationalen Bodensee gibt es unterschiedliche Regeln. Für alle drei Scheine zusammen verlangt das WSC 769 Euro. Der Unterricht besteht aus zehn Theorieeinheiten plus 180 Minuten am Steuer. Hinzu kommen Prüfungsgebühren. „Boot fahren muss kein wahnsinnig teures Hobby sein“, sagt René Wulff, dessen Familie das WSC betreibt. Und zum Anfangen ist offenbar nie zu spät. Der bislang älteste Schüler, sagt Wulff, sei 76 Jahre alt gewesen.
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Segeln auf dem Max-Eyth-See in Stuttgart
Gegen Ende des Sommers ist das Interesse groß: Wenn die Menschen im Urlaub Segelboote beobachtet hätten oder in einem mitgefahren seien, wollten sie danach oft selbst Segeln lernen, sagt Günter Wiedemann, der Vorsitzende des Stuttgarter Segelclubs. Zwar gebe es in der Region Stuttgart keine so großen Gewässer wie den Bodensee oder die Ostsee, aber um segeln zu lernen sei der Max-Eyth-See perfekt, weil man die Segelstellung oft ändern müsse, sagt Wiedemann: „Wer dort segeln gelernt hat, beherrscht es wirklich.“ Wer noch nie selbst segeln war, muss zuerst einen Kurs belegen, zum Beispiel einen sechswöchigen Praxis-Wochenendkurs, Kosten: 350 Euro. Wer direkt einen Sportbootführerschein machen oder das Bodenseeschifferpatent haben will, braucht noch etwas Theorie dazu. „Das eignet sich, wenn man auch größere Jachten und auf Gewässern wie der Ostsee oder dem Mittelmeer fahren will“, sagt Wiedemann. In Stuttgart gibt es als Segelrevier nur den Max-Eyth-See, in der Region noch ein paar „kleinere Tümpel“, wie Wiedemann sagt, die seien aber eher uninteressant. Das nächstgrößere Revier ist der Breitenauer See bei Heilbronn, allerdings wurde dort vor einigen Wochen das Wasser abgelassen, weil er saniert wird.
Kanutouren auf dem Neckar in Esslingen
Esslingen hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Stuttgart: Der Neckar fließt mitten durch die Stadt – und in kleinen Kanälen sogar durch die historische Altstadt. Durch diese Kanäle und den „großen“ Neckar kann man in Esslingen mit dem Kanu fahren; entweder mit dem Großkanadier, in den bis zu 20 Personen passen oder im kleinen Boot für bis zu vier Personen. Im großen Kanu kann man die Aussicht genießen, während man Infos über die Stadt erhält, in den Kleinkanadiern geht es etwas sportlicher zu, „dort muss jeder ein bisschen was schaffen und hält ein Ruder in der Hand“, erläutert Michael Metzler, der Geschäftsführer des Esslinger Stadtmarketings.
Es gibt auch Touren mit schwäbischer oder bayerischer Verpflegung, die gerne für Betriebs- oder Vereinsausflüge gebucht werden, sagt Metzler. Und ganz neu seit diesem Jahr: romantische Fahrten mit beleuchtetem Boot durch die Dunkelheit. Tickets gibt es online oder bei der Esslinger Stadtinfo am Marktplatz, man kann aber auch spontan vorbeikommen und fragen, ob es noch einen freien Platz gibt. Derzeit muss man auf den Booten Maske tragen. Von 20. August an werden wieder Touren angeboten.
Stand-up-Paddeln auf Neckar, Rems oder Enz
Maximale Entschleunigung, Sport und etwas Sonnenbräune abbekommen: Das bekommt man alles gleichzeitig beim Stand-up-Paddeln. Dabei steht man auf einem breiten Board und paddelt im Stehen. Einen Kurs muss man vorher nicht unbedingt gemacht haben, nach einigen Minuten auf dem Wasser fühlt sich das Ganze meist deutlich weniger wacklig an. Stand-up-Paddeln (oder „SUP“, wie die Kenner sagen) ist an diversen Orten in der Region möglich, zum Beispiel auf der Enz in Bietigheim oder auf dem Neckar in Remseck oder in Ludwigsburg. Ein großer Anbieter mit mehreren Verleihstationen sind die sogenannten Zugvögel mit Hauptsitz in Bietigheim-Bissingen. Übrigens verleihen die Zugvögel auch Kanus und bieten diverse Kurse sowie Gruppentouren an.
Tauchen im Turm in Esslingen
So viele schöne Fische und bunte Pflanzen wie etwa vor den Inseln des Indischen Ozeans sind bei einem Tauchgang in Denkendorf (Kreis Esslingen) nicht zu sehen – genau genommen sieht man nur Wasser und Wände. Aber immerhin: Das Tauchen ist jederzeit und relativ unaufwendig möglich. Der sechs Meter tiefe und 25 Quadratmeter umfassende Tauchturm des Tauchsportcenters Esslingen (TSC) kann stundenweise gemietet werden. Etwa um die eigenen Fertigkeiten aufzufrischen oder eine neue Ausrüstung zu testen. Natürlich auch, um die Sehnsucht nach einem Tiefenrausch zumindest ein bisschen zu stillen. 19 Euro kostet eine Stunde pro Person. Mindestens zwei, maximal sechs Taucher dürfen das 25 Grad warme Becken mit 115 000 Litern Wasser gleichzeitig nutzen. Allerdings nur mit einem Tauchschein, wie die Inhaberin Susanne Ohla betont. Bei ihr kann man das Tauchen natürlich auch lernen.
Ansonsten haben es Tauchfans in der Region schwer. Zum einen sind die Gewässer oft zu flach und zu trüb, zum anderen ist darin Tauchen oft verboten. Der nächstgelegene Tauchsee befindet sich laut Susanne Ohla bei Rastatt.
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Angeln in der Region
Gemütlich am Wasser sitzen, die Angel im Blick behalten und im Idealfall das Abendessen fangen – das ist nicht so einfach, wie es klingen mag. Nicht nur, weil in den hiesigen Gewässern nicht mehr allzu viele Fische schwimmen, wie Hans-Hermann Schock, der Vorsitzende des Württembergischen Anglervereins (WAV) erzählt. Sondern vor allem deshalb, weil man nicht einfach eine Angel in den Fluss oder See werfen darf. Wer angeln möchte, benötigt einen gültigen Fischereischein und eine Angelkarte. Für den Schein gilt es einen 30 Stunden umfassenden Kurs zu besuchen und eine Prüfung abzulegen. Kosten: rund 250 Euro. Die Angelkarte wiederum ist nötig, um an einem konkreten Gewässer angeln zu dürfen. Ausgegeben wird sie im Normalfall von den Inhabern der Fischereirechte der örtlichen Gewässer. Im Falle des Neckars zwischen Untertürkheim und Poppenweiler ist das der WAV, der für eine Tageskarte 10 Euro berechnet. Mitglieder des Vereins dürfen unter anderem auch im Max-Eyth-See fischen oder beim Bärenschlösschen und im Neckar bei Wendlingen und Zizishausen. Wer sein Glück im Probst- oder im Riedsee versuchen möchte, sollte Mitglied im Möhringer Angelverein sein.
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Angeln ohne Schein und Karte kann übrigens teuer werden. In der Regel, sagt Hans-Hermann Schock, ist ein Bußgeld über mehrere hundert Euro fällig – und die Angelausrüstung wird eingezogen. Für immer.
Ruder- und Tretboot auf Seen in Ludwigsburg und Böblingen
Wunderbar als Familienausflug eignen sich Tret- und Ruderboottouren vor schöner Kulisse – und Möglichkeiten dafür gibt es zuhauf in der Region. So kann man auf dem See vor dem Schloss Monrepos in Ludwigsburg ein Ruderboot für zwölf Euro pro Stunde (halbe Stunde: sieben Euro) mieten, ein Tretboot kostet 14 Euro (halbe Stunde: acht Euro). Am Oberen See in Böblingen gleitet man mit Blick auf die Innenstadt durchs Wasser. Dort kostet eine halbe Stunde Ruder- oder Tretbootfahren fünf Euro. Es braucht keine Vorkenntnisse und keinerlei Ausrüstung.
Stocherkahn auf dem Neckar in Tübingen
Etwas, womit man ziemlich sicher Besucher von auswärts begeistern kann, ist eine Stocherkahnfahrt auf dem Neckar in Tübingen. Die klassische Fahrt dauert eine Stunde, unter der Woche kostet sie 75 Euro, 85 Euro am Wochenende. Es gibt aber auch allerlei besondere Touren, etwa für Hochzeitsgesellschaften, mit Poesie, mit vergnüglichen Geschichten zu Tübingen, eine Lichterfahrt am Abend sowie diverse Fahrten mit Kulinarik, wie einer Weinprobe, einem Sektempfang, einem Vesper oder einer Tour für Gourmets. Und es gibt die Möglichkeit, selbst ein „Stocher-Diplom“ abzulegen.
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