Irgendwo zwischen dem Allmächtigen und Robin Hood: Von vielen Kolumbianern wird Escobar bis heute verehrt. Foto: dpa

Ein Wohnhaus des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar in Medellín wird dem Erdboden gleich gemacht. Der Versuch, ein dunkles Kapitel der Stadt endlich hinter sich zu lassen.

Medellín - Er gilt als einer der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts: Pablo Escobar. 25 Jahre nachdem eine Elite-Einheit den Chef des kolumbianischen Medellín-Kartells erschoss, wird nun sein Wohnhaus in Medellín dem Erdboden gleich gemacht. „Das Gebäude Monaco wird abgerissen. Ich bin davon überzeugt, dass alle Symbole der Illegalität in Medellín fallen müssen“, sagte Bürgermeister Federico Gutiérrez am Mittwoch. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas und Justizminister Enrique Gil führte er die ersten Hammerschläge zum Abriss des achtstöckigen Gebäudes, das Escobar einst als Wohnstätte, Folterkeller und Lagerhaus diente. „Es ist ein Symbol dafür, dass nach Jahren des Kampfes das Gute über das Böse siegt“, betonte der Rathauschef.

Escobar und sein Kartell dominierten in den 80er Jahren den internationalen Kokain-Schmuggel. Die Geschäfte liefen so gut, dass Escobar allein für die Gummibänder, mit denen sein Geld gebündelt wurde, pro Monat 2500 Dollar ausgab und mehrere Warenhäuser anmieten musste, um seinen Gewinn zu lagern. Bei seinem Aufstieg zu einem der sieben reichsten Männer der Welt zeichnete er sich vor allem durch seine Skrupellosigkeit und Brutalität aus. Er ließ Richter, Polizisten und Präsidentschaftskandidaten ermorden, die Zahl seiner Opfer geht in die Tausende. Wer nicht gleich erschossen wurde, bekam den Satz zu hören: „Wir töten dich in jedem Fall nach dem Verhör. Aber wenn du schuldig bist, foltern wir dich vorher noch.“ Allein Jhon Jairo Velásquez alias „Popeye“, Escobars rechte Hand, brüstet sich damit, 257 Menschen umgebracht und Tausende Morde abgeordnet zu haben – darunter den an seiner eigenen Freundin.

Escobars Hauptquartier in Medellín war das Monaco. Dort warfen sie ihre Feinde Krokodilen zum Fraß vor oder ließen Leichen in Säure verschwinden. „Popeye“ sagte dem „Stern einst: „Wir waren Mörder. Das Monaco war unser KZ.“ Nun wird der verfallene Betonklotz abgerissen. An Stelle des Hauses soll ein Park entstehen, in dem an die Opfer des Drogenbarons erinnert wird, der Kolumbien jahrelang terrorisierte und Medellín zur „Hauptstadt der Angst“ machte.

Es ist ein Versuch, dem Hype um Escobar entgegen zu treten, der wegen seiner Wohltaten für die Bewohner von Elendsvierteln vielen bis heute als Held gilt. Noch immer lächelt der einstige Kartellboss in Medellín hold von den Hauswänden, werden spezielle Escobar-Touren angeboten und Serien gedreht, in denen er als eine Art Robin Hood verherrlicht wird statt als das gezeigt zu werden, was er wirklich war: ein sadistischer Mörder.

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